Dienstplanung der Feuerwehr: Jahresplan und Übungsziele
Ein brauchbarer Dienstplan verbindet örtliche Aufgaben, Ausbildungsbedarf und die Zeit, die eure Leute tatsächlich haben. Zu jedem Termin gehören ein Lernziel, eine verantwortliche Person, die Voraussetzungen und eine Ersatzvariante. Eine bloße Liste von Themen reicht nicht. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie ihr vom Bedarf zum Jahresplan kommt und was zu einem Übungsabend gehört.
Wie viel Ausbildung ist vorgesehen?
Die FwDV 2, Nummer 1.10 sieht vor, dass Feuerwehrangehörige nach der Truppausbildung jährlich mindestens 40 Stunden Fortbildung am Standort absolvieren sollen. Gemeint sind Unterrichtsstunden zu 45 Minuten. Das ist eine Sollvorgabe. Ob und wie sie in eurem Land gilt, regelt die jeweilige Einführung der Vorschrift. Achtet darauf, welche Einheit eure Nachweise nutzen. Kalenderstunden, Unterrichtsstunden und Personenstunden lassen sich nicht einfach addieren.
Atemschutz und andere Funktionen haben eigene Anforderungen. Plant sie gesondert, denn ein allgemeiner Übungsabend erfüllt nicht jeden funktionsbezogenen Nachweis. Wie das beim Atemschutz aussieht, steht im Beitrag zu Atemschutz, Fristen und Nachweisen.
Bestandsaufnahme vor dem Kalender
Sammelt, was vor Ort gebraucht wird: Risiken im Ausrückebereich, vorhandene Einsatzkonzepte, beobachtete Lücken, neue Geräte, Lehrgangsvoraussetzungen. Fragt Mannschaft und Ausbilder: Welche Handgriffe sitzen nicht? Welche Termine passen wegen Schicht oder Kinderbetreuung schlecht? Eine geringe Beteiligung sagt allein noch nichts über Motivation oder Können.
Gebt jedem Bedarf ein Lernziel, das sich beobachten lässt. Statt „Funk“ steht dort zum Beispiel: „Jeder Teilnehmer gibt eine Lagemeldung mit den bei uns üblichen Angaben ab, und der Empfänger kann damit die Lagekarte nachführen.“
Vorlage für einen Dienst
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Ziel | Beladung des eigenen Fahrzeugs finden, Geräte sicher entnehmen |
| Gruppe | neue Mitglieder mit erfahrenen Paten |
| Leitung | benannter Ausbilder, Vertretung festgelegt |
| Material | abgestelltes, gesichertes Fahrzeug, Beladeplan, Aufgabenkarten |
| Voraussetzungen | Unterweisung, Einsatzkleidung, abgesperrte Fläche |
| Ersatz | bei Einsatz des Fahrzeugs: Bildkarten im Schulungsraum |
| Nachweis | Teilnehmer, tatsächliche Dauer, Inhalte, offene Punkte |
Ein Übungsabend von zwei Stunden könnte so laufen: 19:00 Uhr Begrüßung, Ziel und Sicherheitshinweise (10 Minuten); 19:10 Uhr Vormachen am Fahrzeug (15 Minuten); 19:25 Uhr Kleingruppen entnehmen und verlasten Geräte nach Aufgabenkarte (45 Minuten); 20:10 Uhr Pause; 20:25 Uhr Kurzaufgabe „Gerät X in 3 Minuten finden“ (25 Minuten); 20:50 Uhr Rückmeldung, Ordnung herstellen, Anwesenheit eintragen (10 Minuten). Passt die Zeiten an Gruppengröße und Lernziel an. Zwei Abende im Monat sind noch keine Garantie für ausreichende Ausbildung.
Jahresplan aufbauen
- Verbindliche Lehrgangs-, Prüf- und Unterweisungstermine eintragen.
- Grundlagen mehrmals im Jahr mit steigender Schwierigkeit üben, nicht nur einmal.
- Funktionsbezogene und gemeinsame Dienste verteilen.
- Termine für Wiederholung, neue Technik und Wetterausfall freihalten.
- Ausbilder, Räume und Fahrzeuge mit anderen Terminen abgleichen.
- Plan mit Datum des Stands veröffentlichen und klären, wer Änderungen verschickt.
Für Schnittstellen mit anderen Wehren eignen sich gemeinsame Übungen mit der Nachbarwehr. Kommen oft nur wenige Leute, hilft ein vorbereitetes Programm für kleine Besetzung.
Sicherheit geht vor Abwechslung
Atemschutz, Motorsäge oder Arbeiten in der Höhe sind keine Motivationsangebote nebenbei. Sie brauchen geeignete Ausbilder und eine Gefährdungsbeurteilung. Die DGUV Vorschrift 49 behandelt Sicherheit und Unterweisung auch im Übungsdienst. Verbindlich ist die Fassung eures Unfallversicherungsträgers, der Link führt zur Musterfassung.
Kinder und Jugendliche bekommen eigene, altersgerechte Angebote. Ein gemeinsamer Termin heißt nicht, dass sie an einer Einsatzübung teilnehmen. Klärt vor Beginn Wetter, Beleuchtung, Verkehrsraum und Schutzausrüstung.
Teilnahme dokumentieren
Tragt Name, Datum, Inhalt und tatsächliche Dauer zeitnah ein. Kommt jemand später oder geht früher, steht die reale Teilnahme dort. Wer fehlt, bekommt eine Nachholmöglichkeit. Die Teilnahme wird nicht nachträglich ergänzt.
Einzelne Namen werden nicht öffentlich verglichen. Für den Jahresbericht nehmt ihr zusammengefasste Zahlen. Den Rückblick auf das Quartal beschreibt der Abschnitt „Quartalsbesprechung“.
Aus jeder Übung einen nächsten Schritt machen
Plant Zeit für eine Nachbesprechung gleich mit ein. Haltet höchstens drei Verbesserungen fest, mit Zuständigem und Termin. Ob eine Änderung etwas bringt, zeigt erst die nächste Wiederholung. Eine Tischübung zu Starkregen trainiert Priorisieren und den Überblick über Kräfte, ohne dass ihr eine gefährliche Wasserlage nachstellt.
Aufeinander aufbauende Dienste
Statt jedem Monat ein neues Großthema zu geben, wiederholt ihr und wendet an. Drei Dienste zu einer Schnittstelle können so aussehen: Im ersten üben alle eine Lagebeschreibung mit Skizze. Im zweiten braucht eine Kleingruppe genau diese Beschreibung, um ihren Auftrag zu verstehen. Im dritten prüft ihr, ob zwei Einheiten dieselben Ortsbezeichnungen benutzen. Das Thema bleibt gleich, der Schwerpunkt wechselt.
Für Erste Hilfe, Atemschutz oder Technische Hilfe bindet ihr die zuständigen Ausbilder ein. Eine Überschrift im Plan sagt noch nicht, welche Methoden dafür zulässig sind.
Ersatztermine und Nachholen
Ein Termin kann wegen Wetter, Einsatzlage oder fehlender Leitung ausfallen. Schreibt in den Plan, welche Ersatzform es gibt und wer vor Beginn entscheidet. Eine ausgefallene Praxiseinheit gilt nicht schon durch einen Vortrag als nachgeholt. Fehlt ein Mitglied teilweise, notiert ihr, was ihm fehlt, und es holt das in einer anderen Gruppe oder einem passenden Dienst nach. Vorgeschriebene Prüfungen laufen nach dem dafür vorgesehenen Verfahren.
Sonderdienste fair verteilen
Für Brandsicherheitswachen oder Veranstaltungen gelten eigene Anforderungen. Klärt vor der Ausschreibung Anlass, nötige Qualifikation, Beginn, Ende und Verantwortlichen. „Helfer gesucht“ beschreibt noch keinen sicheren Dienst. Haltet Zusagen und tatsächliche Einteilung getrennt fest und schaut über das Jahr, wer immer wieder einspringt. Am Aushang steht nur, was nötig ist, keine Abwesenheitsübersicht.
Quartalsbesprechung
Auf dem Tisch liegen vier Dinge: geplante Ziele, tatsächlich behandelte Inhalte, offene Wiederholungen, verfügbare Ausbilder. Niemand muss sich für jedes Fehlen rechtfertigen. Zuerst klärt ihr, ob Termine und Aufgaben zur Mannschaft passen. Dann vereinbart ihr wenige Änderungen, etwa einen Nachholtermin oder eine einfachere Lagekarte, jeweils mit Zuständigem und Prüftermin. Beim nächsten Rückblick schaut ihr auf das Ergebnis, nicht nur auf die Änderung.
Die aktuelle Fassung kennzeichnen
Gebt Datum oder Versionsstand an und einen festen Veröffentlichungsort. Bei Änderungen nennt die Nachricht Termin, Thema, Ort und Voraussetzungen. Ein neuer Aushang allein erreicht Mitglieder nicht, die selten im Haus sind. Ein einmal importierter Kalender aktualisiert sich nicht immer von selbst, prüft deshalb nach Änderungen, was Mitglieder tatsächlich sehen.