Kinderfeuerwehr gründen: 10-Schritte-Leitfaden für Wehrleitungen
Vor einer Gründung braucht ihr die Zustimmung des Trägers, ein geeignetes Betreuerteam, sichere Räume und ein Konzept für Kinder. Die zehn Schritte unten führen durch diese Entscheidungen der Reihe nach, am Ende steht eine Checkliste für die Gründung. Die DJF bietet im Downloadcenter eine Musterordnung für die Kinderfeuerwehrgruppe und ein Formular zur Anmeldung einer Kindergruppe. Passt beides an Landesrecht und örtliche Regelungen an.
Die Kindergruppe ist ein Angebot für Kinder. Nachwuchsgewinnung kann ein Ziel sein, eine spätere Laufbahn in der Einsatzabteilung folgt daraus aber nicht automatisch.
Die 10 Schritte
Schritt 1: Bedarf ermitteln und Rückhalt sichern
Gibt es Bedarf?
- Wie viele Kinder im Aufnahmealter nach eurer örtlichen Regelung leben im Einzugsgebiet?
- Gibt es schon eine Kinderfeuerwehr in der Nachbargemeinde?
- Haben Eltern, Erzieher oder die Gemeinde Interesse gezeigt?
- Braucht die Jugendfeuerwehr dringend Nachwuchs?
Habt ihr Rückhalt?
- Sprecht das Vorhaben im Führungskreis an und stellt es in der Dienstversammlung vor.
- Holt die Zustimmung von Wehrführung und Kommando ein.
- Informiert den Bürgermeister oder die Gemeindeverwaltung.
Ohne Unterstützung von Wehrführung und Kommune wird die Gründung schwierig. Bereitet deshalb Zahlen vor: wie viele Kinder im Ort leben, wie die Altersstruktur der Einsatzabteilung aussieht und was Nachbarwehren mit ihrer Kinderfeuerwehr erreicht haben. Zahlen überzeugen besser als gute Absichten.
Schritt 2: Formale Verankerung beim Träger klären
Die Kinderfeuerwehr muss nach den Regeln des Trägers formal verankert sein. Die Altersgrenzen stehen je nach Land im Landesfeuerwehrgesetz oder, häufig, in der kommunalen Feuerwehrsatzung. Beschafft das aktuelle Gesetz, die Satzung und gegebenenfalls die Kindergruppenordnung des Verbands, und notiert die Fundstellen für Aufnahme, Höchstalter, Träger und Leitung. Lasst Unklarheiten von der zuständigen Verwaltung beantworten, bevor ihr Werbung macht.
Dokumente, die ihr mit dem Träger klärt:
- Falls erforderlich: Antrag auf Satzungsänderung oder -ergänzung
- Ordnung der Kinderfeuerwehr (Aufnahme, Pflichten, Rechte, Betreuendenschlüssel)
- Gründungsbeschluss des Gremiums, das nach örtlicher Regelung zuständig ist
Schritt 3: Leitung und Betreuerteam finden
Die Kinderfeuerwehrwartin oder der Kinderfeuerwehrwart ist die wichtigste Bezugsperson für die Kinder, trägt organisatorische und pädagogische Verantwortung und braucht ein tragfähiges Team.
| Zu klären | Zuständig |
|---|---|
| Formale Voraussetzungen der Leitung | Träger und Landesverband |
| Eignung und pädagogische Qualifizierung | Leitung und Träger |
| Führungszeugnis und Schutzverfahren | örtliche Vereinbarung, Schutzkonzept |
| Erste-Hilfe-Besetzung und Auffrischung | Träger, Unfallkasse, Lehrgangsangebot |
| Einweisung neuer Helfender | eingewiesenes Betreuerteam |
§ 72a SGB VIII ist keine Liste gleicher Pflichten für jede ehrenamtliche Rolle. Berücksichtigt werden Art, Intensität und Dauer des Kontakts mit Kindern sowie die örtliche Umsetzung.
Mindestens so wichtig wie jede Formalie: Die Leitung arbeitet gern mit Kindern, auch wenn es laut wird, Tränen fließen und viele Fragen kommen. Feuerwehrtechnik lässt sich lernen, die Freude am Umgang mit Kindern bringt man mit.
Wo findet ihr Betreuer?
- Aktive Feuerwehrmitglieder mit eigenen Kindern
- Eltern der Kinder, auch ohne Feuerwehrhintergrund
- Ehemalige Mitglieder der Jugendfeuerwehr
- Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen aus der Gemeinde
- Studierende mit pädagogischem Hintergrund
Mehr dazu in Betreuer für die Kinderfeuerwehr gewinnen.
Schritt 4: Betreuendenschlüssel festlegen
Bei Kindern solltet ihr bei der Betreuung nicht sparen. Die DJF-Empfehlung nennt für 6- bis 9-Jährige im Normalfall mindestens 2:10. Entscheidend bleiben die tatsächliche Gruppe, die Aktivität, die Räume und die örtlichen Vorgaben. Legt auch fest, wie die übrigen Kinder betreut bleiben, wenn eines versorgt werden muss. Eine Rechnung auf dem Papier und eine Reserve im Telefonverzeichnis genügen dafür nicht.
Betreuende zu finden ist das eine, sie zu halten das andere. Regelmäßige Treffen, bezahlte Lehrgänge, eine klare Aufgabenverteilung und sichtbare Anerkennung helfen dabei.
Schritt 5: Kooperationspartner finden
Kooperationen bereichern das Programm, erleichtern die Organisation und sind gute Werbung.
- Grundschulen: Brandschutzerziehung im Unterricht, Werbung für die Kinderfeuerwehr
- Kitas: Brandschutztage, Besuch der Feuerwehr
- Sportvereine: gemeinsame Bewegungsangebote, Räume
- DRK und Malteser: Erste-Hilfe-Kurse für Kinder
- THW-Jugend: gemeinsame Aktionstage
- Polizei: Verkehrserziehung als Ergänzung
- Förderverein der Feuerwehr: finanzielle Unterstützung
Schritt 6: Räume und Ausstattung klären
Räume:
- Ideal ist ein eigener Raum im Feuerwehrhaus. Für Kinder ist es ein besonderer Anreiz, im echten Feuerwehrhaus zu sein.
- Prüft Raumgröße, Fluchtwege, Sanitärbereiche und Nutzung mit Träger und Unfallkasse.
- Kindgerechte Toiletten müssen in der Nähe sein.
- Es dürfen keine Gefahrenquellen zugänglich sein, Werkzeug gehört in abschließbare Schränke.
Ausstattung:
Holt aktuelle Angebote für Spielmaterial, Aufbewahrung, Erste-Hilfe-Ausstattung und gegebenenfalls Kleidung ein. Trennt einmalige Anschaffung, Verbrauchsmaterial, Ausbildung und laufende Kosten. Für den ersten Dienst braucht ihr nicht alles auf einmal.
Für die Spiele im Blog genügen leichte Materialien und Bildkarten. Echte Ausrüstung zeigt ihr nur nach fachlicher Freigabe. Pumpen, Atemschutz, Schneidwerkzeuge und Fahrzeugbedienung sind keine Kinderstationen. Die DGUV Regel 105-049, Abschnitt 4.3, verlangt, dass Entwicklungs- und Ausbildungsstand der Kinder berücksichtigt werden.
Erstausstattung nach dem geplanten Programm:
| Kategorie | Beispiele | Wann |
|---|---|---|
| Erste Hilfe | Erste-Hilfe-Ausstattung, benannte Ersthelfer | vor dem ersten Dienst |
| Notfallmappe | aktuelle Kontakte, Anwesenheit, nur nötige Unterstützungshinweise | vor dem ersten Dienst |
| Warnwesten | bei Wegen und Ausflügen, vor allem in der Dämmerung | je nach Aktivität |
| Bastel- und Spielmaterial | Material für das Startprogramm | je nach Programm |
| Kleidung | T-Shirts, später Jacken (Zugehörigkeit, Wiedererkennung) | sollte |
| Lernmaterial | Brandschutz-Poster, Telefonattrappe, 112-Memory | sollte |
| Übungsmaterial | Papiermodelle, Pylonen, leichte Seile | sollte |
| Aufbewahrung | abschließbarer Schrank oder Rollcontainer | sollte |
| Kamera | für Fotos, nur mit Einwilligung (siehe Datenschutz in der Kinderfeuerwehr) | kann |
| Belohnungen | Aufkleber, Ausweis, kleine Urkunden | kann |
Richtet Erste-Hilfe-Organisation und Notfallkontakte vor dem Start ein. Eine vollständige Allergie- und Medikamentenliste für jedes Kind ist keine allgemeine Pflicht: Fragt nur ab, was ihr für die Betreuung braucht, und regelt Zugriff und Rechtsgrundlage nach dem Datenschutzleitfaden. Haltet außerdem eine Papier-Notfallmappe bereit, falls das Internet ausfällt.
Schritt 7: Konzept erstellen
Ein schriftliches Konzept ist die Grundlage für den Betrieb und hilft bei der Kommunikation mit Eltern, Gemeinde und Feuerwehr. Einmal sauber aufgeschrieben, spart es später viel Erklärarbeit.
Euer Konzept enthält:
- Ziele: Brandschutzerziehung, Gemeinschaft, Nachwuchsgewinnung
- Zielgruppe: Alter, Einzugsgebiet, maximale Gruppengröße
- Inhalte: Brandschutz, Erste Hilfe, Teamwork, Spiel und Spaß
- Methodik: Lernen durch Spiel und Ausprobieren, altersgerecht, ohne Leistungsdruck
- Rhythmus: nach Teamkapazität und Familien, zum Beispiel alle zwei Wochen 60–90 Minuten
- Betreuendenschlüssel: nach Gefährdungsbeurteilung und örtlichen Vorgaben
- Elternarbeit: Kommunikation, Elternabende, Einverständniserklärungen
- Übergang: Wie läuft der Wechsel zur Jugendfeuerwehr?
- Datenschutz: Umgang mit den Daten von Kindern
Schritt 8: Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
Informiert Kinder und Familien erst, wenn Aufnahme und Betreuung geklärt sind. Beschreibt die tatsächlichen Aktivitäten und nennt die freien Plätze.
| Kanal | Zielgruppe | Vorbereitung |
|---|---|---|
| Schule und Kita | Familien | Zustimmung der Einrichtung, sachliches Infoblatt |
| Gemeindeblatt | Familien vor Ort | Ansprechpartner, Termine, Aufnahmebedingungen |
| Tag der offenen Tür | Interessierte | wenige, sicher betreute Schnupperplätze |
| Website | Familien | aktuelle Kontaktadresse, klare Beschreibung |
Wählt die Kanäle danach, welche Familien ihr erreichen wollt. Schnupperstunden stimmt ihr vorher mit Träger und Team ab.
Schritt 9: Gründungstag gestalten
Der Gründungstag ist der feierliche Start und für die Kinder ein besonderer Moment.
Programmideen:
- Begrüßung durch Wehrführung und Bürgermeister
- Vorstellung des Betreuerteams mit Namen und Foto
- Kennenlernen mit Namens- und Gruppenspielen
- Stationen: Fahrzeugbesichtigung im Stillstand, Papiermodell und gemeinsames Puzzle
- Einkleidung mit dem Gruppen-T-Shirt
- Fototermin für die Presse (nur mit Einwilligung)
- Für die Eltern: Kaffee und Kuchen, Infomaterial, Anmeldeformulare
Nebenbei erledigt ihr:
- Anmeldeformulare und Einverständniserklärungen einsammeln
- Kontaktdaten der Eltern erfassen
- Termine für die ersten Treffen bekannt geben
Schritt 10: Bei der DJF anmelden und den Betrieb organisieren
Nach der Gründung folgen die formalen Schritte:
- Meldung an die Kreis- oder Stadtjugendfeuerwehr und den Landesfeuerwehrverband
- Anmeldung der Kindergruppe bei der Deutschen Jugendfeuerwehr
- Versicherungsschutz mit Träger und Unfallkasse klären, bevor Kinder teilnehmen
- Kinder und Betreuer in der Mitgliederverwaltung erfassen
- Jahresthemenplan erstellen und den Eltern mitteilen
- ersten regulären Dienst durchführen
Ab hier zeigt sich, ob die Organisation trägt. Prüft regelmäßig, ob Termine, Vorbereitung und Vertretung im Alltag funktionieren.
Häufige Stolpersteine
| Stolperstein | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Zu wenig Betreuer | Überlastung, Ausfall bei Krankheit | Besetzung nach Gruppe und Aktivität sichern, Vertretungsplan erstellen |
| Zu viel Feuerwehrtechnik | Kinder sind überfordert und verlieren die Lust | Lernen durch Spiel, kindgerechte Themen |
| Zu lange Treffen | Unruhe, Konzentration lässt nach | Dauer nach Gruppe, zum Beispiel 60–90 Minuten |
| Keine Elternarbeit | Misstrauen, schlechte Absprachen | regelmäßige Infos, Elternabende, offene Tür |
| Fehlende Struktur | Unsicherheit bei den Kindern | feste Rituale, klare Regeln, Jahresplan |
| Unregelmäßige Termine | Kinder verlieren die Bindung | gleicher Wochentag, gleiche Uhrzeit, fester Rhythmus |
| Datenschutz ignoriert | Verstöße bei Kinderdaten | Datenschutzkonzept erstellen |
Nutzt die Tabelle für ein Teamgespräch: Welcher Punkt ist bei uns offen, wer bearbeitet ihn, bis wann?
Finanzierung und Fördermittel
| Quelle | Das klärt ihr |
|---|---|
| Gemeinde | Haushaltsstelle und Freigabe |
| Förderverein | Umfang und Zweckbindung |
| Förderprogramme | aktueller Antrag, Voraussetzungen, Frist |
| Spenden | Annahme und Verwendung mit dem Träger |
Erstellt einen Haushaltsplan mit aktuellen Angeboten, laufenden Kosten und Verantwortlichen. Die Freigabe entscheidet der zuständige Träger.
Checkliste: Kinderfeuerwehr gründen
Vorbereitung (4–8 Wochen vorher)
- Bedarf ermittelt (Kinder im Einzugsgebiet, Interesse)
- Zustimmung von Wehrführung, Kommando und Gemeinde eingeholt
- Satzungsänderung beim Träger beantragt (falls nötig), Gründungsbeschluss gefasst
- Leitung gefunden
- Ausreichende Betreuung und Vertretung gesichert
- Führungszeugnisse und Schutznachweise nach Vorgabe des Trägers geklärt
- Ersthelfer für jeden Dienst und Auffrischung geklärt
- Ordnung der Kinderfeuerwehr und Konzept geschrieben
Organisation (2–4 Wochen vorher)
- Raum geklärt und vorbereitet (Kapazität, sichere Nutzung)
- Fester Wochentag, Uhrzeit und Rhythmus festgelegt
- Erstausstattung für das Startprogramm beschafft (siehe Schritt 6)
- Unfallkassenschutz für Kinder und Betreuer bestätigt
- Kooperationspartner angesprochen (Schule, Kita)
- Werbung gestartet (Flyer, Presse, Social Media)
- Anmeldeformulare, Einverständniserklärungen und Datenschutzinformationen vorbereitet, Fotoeinwilligung getrennt erfasst
- Geschützte Ablage für Kontaktdaten und Papier-Notfallmappe eingerichtet
Gründung und laufender Betrieb
- Elternabend durchgeführt, Fragen beantwortet, Anmeldungen eingesammelt
- Gründungstag gefeiert
- Kinder- und Betreuerdaten in der geschützten Ablage erfasst
- Gruppe bei Kreisjugendfeuerwehr, Landesverband und Deutscher Jugendfeuerwehr gemeldet
- Jahresthemenplan erstellt und den Eltern mitgeteilt
- Erster regulärer Dienst durchgeführt
- Feste Rituale etabliert, Vertretungsplan für Betreuer erstellt
Ideen für den ersten Dienst findet ihr in Kinderfeuerwehr spielerisch lernen, Vorlagen im Download-Bereich. Als erste öffentliche Aktion bietet sich eine Gerätehaus-Rallye an. Wie ihr gemeinsam Gruppenregeln aufstellt, steht in der Gruppenregel-Werkstatt.
Häufige Fragen
Welche Regeln gelten vor Ort?
Landesrecht, Trägerregelungen, Satzung und das örtliche Schutzkonzept prüft ihr zusammen. Klärt Aufnahmealter, Voraussetzungen der Leitung, Betreuung und Versicherung vor dem ersten Schnuppertermin. Die Sicherheitsplanung führt durch die wichtigsten Entscheidungen.
Welche Erstausstattung braucht die Kinderfeuerwehr für den ersten Dienst?
Erste-Hilfe-Ausstattung, benannte Ersthelfer, Kontaktliste und ein sicherer Raum müssen vor dem Start stehen. Das Spielmaterial richtet sich nach dem Programm. Ob ihr Warnwesten oder Kleidung braucht, hängt von den Aktivitäten und den örtlichen Regeln ab. Eine vollständige Gesundheitsliste für jedes Kind erhebt ihr nicht vorsorglich.
Wie wird der Versicherungsschutz geklärt?
Mit dem Träger und der zuständigen Unfallkasse, ausdrücklich auch für Schnupperkinder, externe Helfer und geplante Ausflüge. Mitgliedschaft und Dienstplan allein klären nicht jeden Sonderfall.
Quellen
- DJF: Downloadcenter mit Gründungsunterlagen
- DGUV Regel 105-049: Feuerwehren
- DJF: Betreuendenschlüssel
Weiter geht es mit der Sicherheitsplanung und der Elternkommunikation.