Kinderfeuerwehr gründen: 10-Schritte-Leitfaden für Wehrleitungen
6.341 Kindergruppen, 99.589 Mitglieder, Tendenz steigend (Deutsche Jugendfeuerwehr, Jahresstatistik 2024) – die Kinderfeuerwehr boomt in ganz Deutschland. Und das aus gutem Grund: Wer die Nachwuchsarbeit schon im Grundschulalter beginnt, baut eine echte Beziehung zur Feuerwehr auf, lange bevor die Jugendlichen überhaupt in die JF wechseln. Der Mädchenanteil liegt übrigens bei beeindruckenden 37,8 % – deutlich höher als in der Einsatzabteilung. Aber wie gründet man eine Kinderfeuerwehr richtig, und vor allem: Wie organisiert ihr den laufenden Betrieb so, dass die Begeisterung nicht nach drei Monaten verpufft? Genau darum geht es hier – von der ersten Idee bis zur eingespielten Organisation.
Warum eine Kinderfeuerwehr gründen und gut organisieren?
Die Nachwuchspipeline beginnt im Kindesalter
Die Kinderfeuerwehr ist das erste Glied einer Kette, die den Nachwuchs für die Freiwillige Feuerwehr langfristig sichert:
| Station | Alter | Bundesweite Mitglieder | Funktion |
|---|---|---|---|
| Kinderfeuerwehr | ab 5–6 Jahre | 99.589 | Spielerische Heranführung |
| Jugendfeuerwehr | 10–17 Jahre | 272.745 | Feuerwehrtechnische Ausbildung |
| Einsatzabteilung | ab 16–18 Jahre | 1.028.021 | Aktiver Einsatzdienst |
Die Zahlen zur Kinder- und Jugendfeuerwehr stammen aus der DJF-Jahresstatistik 2024, die Zahl der aktiven Einsatzkräfte (rund 1.028.021) aus der Statistik des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV).
Jahr für Jahr wechseln mehrere Tausend Kinder aus der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr. Das sind Kinder, die bereits eine starke Bindung zur Feuerwehr mitbringen und dem Ehrenamt oft langfristig treu bleiben. Aber – und das ist der springende Punkt – das klappt nur, wenn die Organisation stimmt. Eine schlecht organisierte Kinderfeuerwehr verliert ihre Mitglieder schneller, als man „Wasser marsch" sagen kann.
Was euch eine Kinderfeuerwehr bringt
- Frühkindliche Bildung: Brandschutzerziehung, Erste Hilfe, Teamwork – Kompetenzen, die Kinder ein Leben lang begleiten
- Hoher Mädchenanteil: 37,8 % – deutlich mehr als in der Einsatzabteilung (11,93 %). Die Kinderfeuerwehr erreicht Zielgruppen, die sonst nie den Weg zur Feuerwehr finden würden
- Gemeinschaftsstiftend: Kinder verschiedener Hintergründe finden zusammen und lernen, als Team zu arbeiten
- Öffentlichkeitswirkung: Familien werden erreicht, Eltern engagieren sich – das strahlt auf die ganze Wehr aus
- Fördermittel: Für Jugend- und Kinderarbeit stehen kommunale und Landesmittel bereit
Die 10 Schritte: Von der Gründung zur gut organisierten Kinderfeuerwehr
Schritt 1: Bedarf ermitteln und Rückhalt sichern
Bevor ihr in die Planung einsteigt, klärt zwei zentrale Fragen – ehrlich und gründlich.
Gibt es Bedarf?
- Wie viele Kinder im Grundschulalter (je nach Landesregelung etwa ab 5–6 Jahren bis 10) leben im Einzugsgebiet?
- Gibt es bereits eine KF in der Nachbargemeinde?
- Haben Eltern, Erzieher oder die Gemeinde Interesse signalisiert?
- Gibt es eine Jugendfeuerwehr, die dringend Nachwuchs braucht?
Habt ihr Rückhalt?
- Sprecht das Vorhaben im Führungskreis an
- Stellt es in der Dienstversammlung vor
- Holt die Zustimmung des Wehrführers und des Kommandos ein
- Informiert den Bürgermeister oder die Gemeindeverwaltung
Ohne Unterstützung von Wehrführung und Kommune wird die Gründung schwierig. Nehmt euch die Zeit, Überzeugungsarbeit zu leisten. Ein Tipp aus der Praxis: Bereitet Zahlen vor – wie viele Kinder im Ort leben, wie die Altersstruktur der FF aussieht, was benachbarte Wehren mit ihrer KF erreicht haben. Harte Fakten überzeugen besser als gute Absichten.
Schritt 2: Satzungsänderung beim Träger beantragen
Die Kinderfeuerwehr muss formal in der Feuerwehr-Satzung oder einer eigenen Ordnung verankert werden. Die Altersgrenzen ergeben sich je nach Land aus dem Landesfeuerwehrgesetz oder – häufig – aus der kommunalen Feuerwehrsatzung. Die folgenden Werte sind daher Orientierung, keine bundesweit verbindliche Festlegung:
| Bundesland | Mindestalter KF | Höchstalter KF | Gesetzliche Grundlage |
|---|---|---|---|
| NRW | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | BHKG |
| Niedersachsen | ca. 6 Jahre | bis 12 Jahre | NBrandSchG |
| Bayern | ca. 6 Jahre | bis 12 Jahre | BayFwG |
| Baden-Württemberg | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | FwG |
| Hessen | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | HBKG |
| Sachsen | ca. 5–6 Jahre | ca. 10 Jahre | SächsBRKG |
| Schleswig-Holstein | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | BrSchG |
| Rheinland-Pfalz | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | LBKG |
| Thüringen | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | ThürBKG |
| Brandenburg | ca. 6 Jahre | ca. 10 Jahre | BbgBKG |
Schaut genau hin, was in eurem Bundesland und in eurer Satzung gilt – insbesondere beim Mindestalter gibt es Unterschiede, die eure Zielgruppe direkt beeinflussen. In vielen Ländern legt die Kommune den genauen Rahmen per Satzung fest.
Benötigte Dokumente:
- Antrag auf Satzungsänderung oder -ergänzung an die Gemeinde
- Ordnung der Kinderfeuerwehr (Aufnahme, Pflichten, Rechte, Betreuerschlüssel)
- Gründungsbeschluss der Mitgliederversammlung oder des Feuerwehrausschusses
Schritt 3: KF-Leitung und Betreuerteam finden
Die Kinderfeuerwehrwartin oder der Kinderfeuerwehrwart ist die zentrale Bezugsperson für die Kinder. Wählt diese Position mit Bedacht – hier entscheidet sich, ob die Kinder gerne kommen oder nach drei Treffen das Interesse verlieren.
Qualifikationen für die KF-Leitung:
| Qualifikation | Pflicht / Empfohlen | Beschreibung |
|---|---|---|
| Mindestalter | Pflicht | 18 Jahre |
| Erweitertes Führungszeugnis | Pflicht | § 72a SGB VIII – bei der Arbeit mit Kindern in der Regel über Landes-/Trägerregelung vorgesehen |
| Erste-Hilfe-Kurs | Pflicht | Idealerweise „Erste Hilfe am Kind" |
| Feuerwehrmitgliedschaft | Empfohlen | Aktives Mitglied der FF (nicht zwingend) |
| KF-Wart-Lehrgang | Empfohlen | Angebot je nach Bundesland |
| Jugendleiter-Card (JuLeiCa) | Empfohlen | Bundesweit anerkannte pädagogische Grundausbildung |
| Brandschutzerziehung | Empfohlen | Lehrgang über Kreisfeuerwehrverband |
| Pädagogische Erfahrung | Empfohlen | Erfahrung mit Kindern (Kita, Schule, Verein) |
Was hier nicht in der Tabelle steht, aber mindestens genauso wichtig ist: Der oder die KF-Wartin muss Kinder mögen. Wirklich mögen. Mit allem, was dazugehört – dem Lachen, dem Quatsch, den Tränen, den tausend Fragen. Feuerwehrtechnik kann man lernen, aber Freude am Umgang mit Kindern muss man mitbringen.
Wo findet ihr Betreuer?
- Aktive Feuerwehrmitglieder mit eigenen Kindern
- Eltern der KF-Kinder (auch ohne Feuerwehrhintergrund)
- Ehemalige JF-Mitglieder
- Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen aus der Gemeinde
- Studierende mit pädagogischem Hintergrund
Schritt 4: Betreuerschlüssel festlegen
Kinder brauchen intensive Betreuung – das ist kein Bereich, in dem ihr sparen solltet. Ein angemessener Betreuerschlüssel ist entscheidend für Sicherheit und Qualität.
| Gruppengröße | Mindest-Betreuer | Empfohlene Betreuer | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Bis 8 Kinder | 2 | 3 | Minimum: Vier-Augen-Prinzip |
| 9–12 Kinder | 3 | 4 | Ideal für den Start |
| 13–16 Kinder | 3 | 4–5 | Gruppenarbeit sinnvoll |
| 17–20 Kinder | 4 | 5–6 | Grenze einer Gruppe |
| Über 20 | 5+ | – | Zweite Gruppe gründen! |
Immer mindestens 2 Betreuer pro Treffen – das Vier-Augen-Prinzip ist nicht verhandelbar. Plant Vertretungen für Urlaub und Krankheit ein, und bei Ausflügen erhöht ihr den Schlüssel auf 1:4 oder besser.
Ehrenamtliche Betreuer für die Kinderfeuerwehr zu finden ist das eine, sie langfristig zu halten das andere. Was sich bewährt hat:
- Regelmäßige Betreuer-Treffen zum Austausch und zur Planung (nicht nur organisatorisch, auch mal gemütlich)
- Weiterbildungsangebote (Lehrgänge, Seminare) finanzieren
- Betreuer in der Jahreshauptversammlung öffentlich würdigen
- Gemeinsame Betreuer-Events (Essen gehen, Ausflug) als Dankeschön
- Klare Aufgabenverteilung, damit nicht alles am KF-Wart hängt
Schritt 5: Kooperationspartner finden
Eine Kinderfeuerwehr lebt nicht im Vakuum. Kooperationen bereichern das Programm und erleichtern die Organisation enorm. Außerdem sind sie eine hervorragende Werbung.
Mögliche Kooperationspartner:
- Grundschulen: Brandschutzerziehung im Unterricht, Werbung für die KF
- Kindergärten/Kitas: Kooperation bei Brandschutztagen, Besuch der Feuerwehr
- Sportvereine: Gemeinsame Bewegungsangebote, Räumlichkeiten
- DRK / Malteser: Erste-Hilfe-Kurse für Kinder
- THW-Jugend: Gemeinsame Aktionstage
- Polizei: Verkehrserziehung als Ergänzung
- Förderverein der Feuerwehr: Finanzielle Unterstützung
Schritt 6: Räume und Ausstattung klären
Jetzt wird es praktisch: Wo trefft ihr euch, und was braucht ihr?
Räumlichkeiten:
- Idealerweise ein eigener Raum im Feuerwehrhaus – für die Kinder ist es das Größte, „im echten Feuerwehrhaus" zu sein
- Als Faustregel etwa 2 m² pro Kind (10 Kinder = rund 20 m²)
- Kindgerechte Sanitäranlagen in Reichweite
- Sicherheit: Keine Gefahrenquellen, absperrbare Schränke für Werkzeug
Grundausstattung:
| Kategorie | Beispiele | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| Bekleidung | KF-T-Shirts oder -Jacken, Warnwesten | 15–30 € / Kind |
| Übungsmaterial | Kinderschläuche (D-Schläuche), Pylonen, Seile | 100–300 € |
| Bastelmaterial | Papier, Stifte, Kleber, Farben, Scheren | 50–100 € |
| Lernmaterial | Brandschutz-Poster, Notruf-Telefonattrappe | 50–100 € |
| Erste Hilfe | Verbandkasten, kindgerechtes Material | 50–100 € |
| Spiele | Bälle, Staffelstäbe, Hütchen | 50–150 € |
Ein wichtiger Grundsatz: Keine echten Einsatzmittel! Kinder arbeiten nicht mit echten Atemschutzgeräten, scharfen Werkzeugen oder bewegten Fahrzeugen. Nutzt kindgerechte Alternativen – die Kinder haben trotzdem Spaß, und ihr könnt ruhig schlafen.
Erstausstattung nach Priorität – was zuerst beschafft werden muss
Die Tabelle oben zeigt die Kosten. Genauso wichtig ist aber die Reihenfolge: Für den ersten Dienst braucht ihr nicht alles auf einmal. Diese Priorisierung hat sich bei Neugründungen bewährt – „Muss" steht am Gründungstag bereit, „Sollte" kommt in den ersten Wochen dazu, „Kann" wächst mit der Gruppe:
| Kategorie | Beispiele | Priorität |
|---|---|---|
| Erste Hilfe | Verbandkasten, Kühlpacks, Einmalhandschuhe, kindgerechtes Pflaster | Muss |
| Sicht-/Warnwesten | Warnwesten in Kindergröße (für Ausflüge und Wege draußen) | Muss |
| Anwesenheits-/Notfallmappe | Ausgedruckte Notfallkontakte, Allergie-/Medikamentenliste je Kind | Muss |
| Bastel-/Spielmaterial | Papier, Stifte, Kleber, Scheren, Bälle, Hütchen, Staffelstäbe | Muss |
| KF-Kleidung | KF-T-Shirts, später Jacken (Wiedererkennung, Zugehörigkeit) | Sollte |
| Lernmaterial | Brandschutz-Poster, Notruf-Telefonattrappe, 112-Memory | Sollte |
| Übungsmaterial (kindgerecht) | Kinder-D-Schläuche, Pylonen, leichte Seile | Sollte |
| Aufbewahrung | Absperrbarer Schrank/Rollcontainer für Material und Unterlagen | Sollte |
| Dokumentation/Kamera | Kamera für Presse-Fotos (nur mit Einwilligung, siehe unten) | Kann |
| Belohnungssystem | Aufkleber, Ausweis, kleine Urkunden für Motivation | Kann |
Der häufigste Anfängerfehler ist, das Budget zuerst in schicke Übungsschläuche zu stecken und dann festzustellen, dass kein vollständiger Verbandkasten da ist. Erste Hilfe und Warnwesten sind nicht verhandelbar – der Rest darf warten. Wer bei der Verwaltung der Kinderfeuerwehr Anwesenheit und Notfallkontakte digital führt, spart sich die ausgedruckte Notfallmappe und hat die Daten trotzdem beim ersten Dienst griffbereit.
Schritt 7: Konzept erstellen
Ein schriftliches Konzept ist die Grundlage für den Betrieb und hilft bei der Kommunikation mit Eltern, Gemeinde und Feuerwehr. Klingt nach viel Aufwand, aber wenn ihr das einmal sauber aufschreibt, spart es euch hinterher viel Erklärungsarbeit.
Euer KF-Konzept sollte enthalten:
- Ziele: Was wollt ihr erreichen? (Brandschutzerziehung, Gemeinschaft, Nachwuchsgewinnung)
- Zielgruppe: Alter, Einzugsgebiet, maximale Gruppengröße
- Inhalte: Themenfelder (Brandschutz, Erste Hilfe, Teamwork, Spiel & Spaß)
- Methodik: Lernen durch Spiel und Ausprobieren, altersgerechte Vermittlung, kein Leistungsdruck
- Rhythmus: Alle 2 Wochen, 60–90 Minuten, fester Wochentag
- Betreuerschlüssel: 1:5 (mindestens 2 Betreuer)
- Elternarbeit: Kommunikation, Elternabende, Einverständniserklärungen
- Übergang: Wie erfolgt der Wechsel zur Jugendfeuerwehr?
- Datenschutz: DSGVO-konforme Datenhaltung bei Kindern
Schritt 8: Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
Jetzt müssen die Kinder und Eltern erfahren, dass es bald eine Kinderfeuerwehr gibt. Und glaubt uns: Kinder für die Feuerwehr zu begeistern ist der leichteste Teil des ganzen Projekts.
Bewährte Werbekanäle:
| Kanal | Zielgruppe | Wirksamkeit |
|---|---|---|
| Flyer in Schulen und Kitas | Kinder + Eltern | Sehr hoch |
| Gemeindeblatt / Amtsblatt | Familien | Hoch |
| Lokale Presse | Gesamte Öffentlichkeit | Hoch |
| Social Media (Facebook, Instagram) | Jüngere Eltern | Mittel bis hoch |
| Plakate im Ort | Alle | Mittel |
| Schulbesuche mit Feuerwehrfahrzeug | Kinder | Sehr hoch |
| Tag der offenen Tür | Familien | Sehr hoch |
| Mundpropaganda | Nachbarn, Freunde | Hoch |
Der absolute Geheimtipp: Ein Besuch mit dem Feuerwehrfahrzeug in der Grundschule. Wenn das LF auf dem Schulhof steht und die Kinder das Blaulicht anschalten dürfen, erzählen sie zu Hause so begeistert davon, dass die Eltern sich von selbst melden. Kein Flyer der Welt schlägt leuchtende Kinderaugen.
Schritt 9: Gründungstag gestalten
Der Gründungstag ist der feierliche Start – macht ihn zu etwas Besonderem! Für die Kinder ist das ein magischer Moment, und auch für eure Wehr ist es ein stolzer Tag.
Programm-Ideen:
- Begrüßung durch Wehrführer und Bürgermeister
- Vorstellung des Betreuerteams (mit Namen und Foto)
- Kennenlernen: Namensspiele, Gruppenspiele
- Stationen im Feuerwehrhaus: Fahrzeuge anschauen, Schlauch ausrollen, Helm aufsetzen
- Einkleidung mit KF-T-Shirt
- Fototermin für die Presse
- Für die Eltern: Kaffee und Kuchen, Infomaterial, Anmeldeformulare
Parallel erledigen:
- Anmeldeformulare und Einverständniserklärungen einsammeln
- Kontaktdaten der Eltern erfassen
- Termine für die ersten Treffen bekannt geben
Schritt 10: Bei der DJF anmelden und den Betrieb organisieren
Nach der Gründung folgen die formalen Schritte – und dann geht es an die eigentliche Organisation des laufenden Betriebs:
- Meldung an die Kreis-/Stadtjugendfeuerwehr und den Landesfeuerwehrverband
- Registrierung bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF)
- Versicherungsschutz über die Feuerwehr-Unfallkasse bestätigen lassen
- Kinder und Betreuer in der Feuerwehrverwaltung erfassen
- Jahresthemenplan erstellen und den Eltern mitteilen
- Ersten regulären Dienst durchführen
Ab hier zeigt sich, ob eure Organisation wirklich funktioniert. Die Gründung ist der Sprint – der laufende Betrieb ist der Marathon. Feste Rituale, klare Strukturen und ein durchdachter Jahresplan machen den Unterschied zwischen einer Kinderfeuerwehr, die wächst, und einer, die nach einem Jahr wieder einschläft.
Häufige Stolpersteine – und wie ihr sie organisatorisch löst
| Stolperstein | Problem | Lösung |
|---|---|---|
| Zu wenig Betreuer | Überlastung, Ausfall bei Krankheit | Mindestens 3 Betreuer, Vertretungsplan erstellen |
| Zu viel Feuerwehrtechnik | Kinder werden überfordert, verlieren Spaß | Lernen durch Spiel, max. 30 % Feuerwehrtechnik |
| Zu lange Treffen | Unruhe, Konzentrationsverlust | 60–90 Minuten sind ideal, maximal 2 Stunden |
| Keine Elternarbeit | Misstrauen, schlechte Kommunikation | Regelmäßige Info, Elternabende, offene Tür |
| Fehlende Struktur | Chaos, Unsicherheit bei Kindern | Feste Rituale, klare Regeln, Jahresplan |
| Unregelmäßige Termine | Kinder verlieren Bindung | 14-tägig, gleicher Wochentag, gleiche Uhrzeit |
| Datenschutz ignoriert | DSGVO-Verstöße bei Kinderdaten | Datenschutz-Konzept erstellen |
Ein Wort zu den Stolpersteinen: Jeder davon ist aus der Praxis gegriffen. Gerade der Punkt „fehlende Struktur" ist tückisch, weil er schleichend kommt. Am Anfang läuft alles aus Begeisterung, aber nach einem halben Jahr braucht ihr feste Abläufe, sonst wird jeder Dienstnachmittag zum Improvisationstheater.
Finanzierung und Fördermittel
| Finanzierungsquelle | Beschreibung | Typische Höhe |
|---|---|---|
| Gemeindehaushalt | Reguläres Feuerwehr-Budget | Laufende Kosten |
| Kreiszuschüsse | Förderung der Jugendarbeit | 100–500 € / Jahr |
| Landesförderung | Förderprogramme für Ehrenamt / Jugendarbeit | Projektbezogen |
| Förderverein | Eigener Förderverein der Feuerwehr | Flexibel |
| Spenden | Lokale Unternehmen, Eltern, Bürger | Einmalig oder regelmäßig |
| Stiftungen | Deutsche Feuerwehrstiftung u.a. | Projektbezogen |
Ein Tipp, der sich bewährt hat: Erstellt einen einfachen Haushaltsplan für die KF. Das zeigt der Gemeinde Professionalität und erleichtert die Budgetfreigabe. Wenn ihr schwarz auf weiß zeigen könnt, dass die KF jährlich 800 € kostet und dafür 15 Kinder an die Feuerwehr bindet, hat kein Bürgermeister ein Gegenargument.
Von Tag 1 digital organisieren
Viele Kinderfeuerwehren starten mit Papier-Anmeldeformularen und Excel-Listen, bereuen das aber spätestens nach einem Jahr, wenn Ordner überquellen und niemand mehr weiß, welches Kind welche Einverständniserklärung abgegeben hat. Wer von Anfang an eine Feuerwehr-Verwaltungssoftware nutzt, spart sich diesen Aufwand: Mitgliederdaten, Elternkontakte, Anwesenheitslisten und Einverständniserklärungen sind zentral gespeichert, DSGVO-konform und beim Übergang zur Jugendfeuerwehr direkt übernehmbar. Mehr dazu im Artikel zur digitalen Verwaltung der Kinderfeuerwehr.
Lest auch unseren Kinderfeuerwehr-Ratgeber für Eltern, der häufige Elternfragen beantwortet und den ihr Interessenten direkt empfehlen könnt.
Checkliste: Kinderfeuerwehr gründen und organisieren
Der Gründungsweg auf einen Blick
Wenn ihr nur eine Liste zum Abhaken braucht – das ist die Reihenfolge, in der die Gründung erfahrungsgemäß am rundesten läuft:
- Beschluss & Rückhalt: Vorhaben im Kommando/Führungskreis vorgestellt, Zustimmung von Wehrführung und Gemeinde eingeholt
- Betreuer + Ausbildung: KF-Wart/-Wartin gefunden, mind. 2 weitere Betreuer, erweiterte Führungszeugnisse (§ 72a SGB VIII) beantragt, Erste-Hilfe-Kurse aktuell, JuLeiCa/KF-Wart-Lehrgang eingeplant
- Räume & Zeiten: Raum im Feuerwehrhaus geklärt (Faustregel: etwa 2 m²/Kind), fester Wochentag + Uhrzeit + Rhythmus (i. d. R. 14-tägig, 60–90 Min.) festgelegt
- Anmeldung & Satzung: Satzungsänderung/KF-Ordnung beim Träger (Gemeinde) beantragt, Gründungsbeschluss gefasst
- Versicherung & Einwilligungen: Unfallkassen-Schutz für Kinder und Betreuer bestätigt, Einverständniserklärungen (Teilnahme, Foto, Notfallkontakt) vorbereitet
- Erstausstattung: „Muss"-Material beschafft (Erste Hilfe, Warnwesten, Notfallmappe, Bastel-/Spielmaterial – siehe Prioritäten-Tabelle)
- Elternabend: Informationsabend durchgeführt, Fragen beantwortet, Anmeldungen eingesammelt
- Start: Gründungstag gefeiert, erster regulärer Dienst durchgeführt, bei DJF/Landesverband gemeldet
Für das erste Dienst-Programm liefert unser Beitrag Kinderfeuerwehr spielerisch lernen fertige Ideen, und im Download-Bereich findet ihr Vorlagen für Ausflüge und Aktionstage.
Vorbereitung (4–8 Wochen vorher)
- Bedarf ermittelt (Kinder im Einzugsgebiet, Interesse)
- Rückhalt in der Wehr gesichert
- Gemeindeverwaltung informiert
- Satzungsänderung beantragt (falls nötig)
- KF-Wartin/KF-Wart gefunden
- Mindestens 2 weitere Betreuer gewonnen
- Erweiterte Führungszeugnisse beantragt
- Erste-Hilfe-Kurse für alle Betreuer aktuell
- KF-Ordnung erstellt
- Konzept geschrieben
Organisation (2–4 Wochen vorher)
- Räumlichkeiten geklärt und vorbereitet
- Grundausstattung beschafft (T-Shirts, Material)
- Versicherungsschutz geklärt
- Kooperationspartner angesprochen (Schule, Kita)
- Werbung gestartet (Flyer, Presse, Social Media)
- Einverständniserklärungen und Anmeldeformulare vorbereitet
- Verwaltungssoftware eingerichtet
Gründung und laufender Betrieb
- Informationsabend für Eltern durchgeführt
- Gründungstag organisiert und gefeiert
- Kinder und Betreuer in Verwaltungssoftware erfasst
- Anmeldung bei Kreis-JF und Landesverband
- Meldung an Deutsche Jugendfeuerwehr
- Jahresthemenplan erstellt und kommuniziert
- Erster regulärer Dienst durchgeführt
- Feste Rituale und Abläufe etabliert
- Vertretungsplan für Betreuer erstellt
Häufige Fragen
Ab welchem Alter dürfen Kinder in die Kinderfeuerwehr?
Das ist Ländersache. In den meisten Bundesländern liegt das Mindestalter bei 6 Jahren, in Sachsen bereits bei 5 Jahren. Das Höchstalter beträgt überwiegend 10 Jahre, in Bayern und Niedersachsen 12 Jahre. Maßgeblich ist immer das jeweilige Landesfeuerwehrgesetz, prüft daher die für euch geltende Regelung.
Wie viele Betreuer braucht eine Kinderfeuerwehr?
Mindestens zwei pro Treffen (Vier-Augen-Prinzip), unabhängig von der Gruppengröße. Als Richtwert gilt ein Schlüssel von rund 1:5, also etwa drei bis vier Betreuer für eine Gruppe von 12 bis 16 Kindern. Bei Ausflügen sollte der Schlüssel auf 1:4 oder besser erhöht werden.
Welche Qualifikation braucht die Kinderfeuerwehr-Leitung?
Pflicht sind ein Mindestalter von 18 Jahren, ein erweitertes Führungszeugnis nach § 72a SGB VIII (bei der Arbeit mit Kindern in der Regel über die Landes- bzw. Trägerregelung vorgesehen) und ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs. Empfohlen werden zusätzlich ein KF-Wart-Lehrgang, die Jugendleiter-Card (JuLeiCa) und pädagogische Erfahrung.
Wie hoch ist der Mädchenanteil in der Kinderfeuerwehr?
Mit 37,8 Prozent (37.648 von 99.589 Kindern, DJF-Jahresstatistik 2024) liegt der Mädchenanteil in der Kinderfeuerwehr deutlich höher als in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr (rund 12 Prozent). Die frühe Heranführung erreicht damit Zielgruppen, die später schwerer zu gewinnen sind.
Welche Erstausstattung braucht die Kinderfeuerwehr für den ersten Dienst?
Zwingend zum Start sind ein vollständiger Verbandkasten mit kindgerechtem Material, Warnwesten in Kindergröße, eine Notfallmappe mit Kontakten und Allergien je Kind sowie Bastel- und Spielmaterial. KF-Kleidung, Lernmaterial und kindgerechtes Übungszeug (Kinder-D-Schläuche, Pylonen) können in den ersten Wochen nachkommen. Erste Hilfe und Sichtbarkeit gehen immer vor Feuerwehrtechnik – echte Einsatzmittel gehören nicht in die Kinderhand.
Sind Kinder und Betreuer in der Kinderfeuerwehr versichert?
Ja. Über die zuständige Feuerwehr-Unfallkasse besteht Versicherungsschutz für Kinder und Betreuer im Dienst und auf den Wegen dorthin – Details und ob eine gesonderte Meldung nötig ist, regelt das jeweilige Landesrecht und die Satzung eures Trägers. Klärt den Schutz vor dem ersten Dienst schriftlich ab und lasst ihn bestätigen. Für Ausflüge und Fahrten gilt zusätzlich: rechtzeitig Einverständniserklärungen der Eltern einholen.
Fazit
Eine Kinderfeuerwehr zu gründen ist ein Projekt, das sich lohnt – für die Kinder, für die Feuerwehr und für die ganze Gemeinde. Aber die Gründung ist nur der Anfang. Was über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, ist die Organisation danach: ein starkes Betreuerteam, feste Strukturen, regelmäßige Kommunikation mit den Eltern und Lernen durch Mitmachen statt Mini-Feuerwehr.
Die 99.589 Kinder in Deutschlands Kinderfeuerwehren zeigen: Der Bedarf ist da, die Begeisterung ist da – jetzt braucht es nur noch engagierte Kameradinnen und Kameraden, die den ersten Schritt machen. Traut euch!
Eure Kinderfeuerwehr braucht weniger Papierkram und mehr Zeit für die Kinder?
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