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Kinderfeuerwehr15. Februar 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion10 Min. Lesezeit

Kinderfeuerwehr gründen: 10-Schritte-Leitfaden für Wehrleitungen

Kinderfeuerwehr gründen: Leitfaden für die Wehrführung mit Gründungsbeschluss, Betreuendenschlüssel, Konzept, Versicherung, Ausstattung und Finanzierung.

Kinderfeuerwehr gründen: 10-Schritte-Leitfaden für Wehrleitungen

Vor einer Gründung braucht ihr die Zustimmung des Trägers, ein geeignetes Betreuerteam, sichere Räume und ein Konzept für Kinder. Die zehn Schritte unten führen durch diese Entscheidungen der Reihe nach, am Ende steht eine Checkliste für die Gründung. Die DJF bietet im Downloadcenter eine Musterordnung für die Kinderfeuerwehrgruppe und ein Formular zur Anmeldung einer Kindergruppe. Passt beides an Landesrecht und örtliche Regelungen an.

Die Kindergruppe ist ein Angebot für Kinder. Nachwuchsgewinnung kann ein Ziel sein, eine spätere Laufbahn in der Einsatzabteilung folgt daraus aber nicht automatisch.

Die 10 Schritte

Schritt 1: Bedarf ermitteln und Rückhalt sichern

Gibt es Bedarf?

  • Wie viele Kinder im Aufnahmealter nach eurer örtlichen Regelung leben im Einzugsgebiet?
  • Gibt es schon eine Kinderfeuerwehr in der Nachbargemeinde?
  • Haben Eltern, Erzieher oder die Gemeinde Interesse gezeigt?
  • Braucht die Jugendfeuerwehr dringend Nachwuchs?

Habt ihr Rückhalt?

  • Sprecht das Vorhaben im Führungskreis an und stellt es in der Dienstversammlung vor.
  • Holt die Zustimmung von Wehrführung und Kommando ein.
  • Informiert den Bürgermeister oder die Gemeindeverwaltung.

Ohne Unterstützung von Wehrführung und Kommune wird die Gründung schwierig. Bereitet deshalb Zahlen vor: wie viele Kinder im Ort leben, wie die Altersstruktur der Einsatzabteilung aussieht und was Nachbarwehren mit ihrer Kinderfeuerwehr erreicht haben. Zahlen überzeugen besser als gute Absichten.

Schritt 2: Formale Verankerung beim Träger klären

Die Kinderfeuerwehr muss nach den Regeln des Trägers formal verankert sein. Die Altersgrenzen stehen je nach Land im Landesfeuerwehrgesetz oder, häufig, in der kommunalen Feuerwehrsatzung. Beschafft das aktuelle Gesetz, die Satzung und gegebenenfalls die Kindergruppenordnung des Verbands, und notiert die Fundstellen für Aufnahme, Höchstalter, Träger und Leitung. Lasst Unklarheiten von der zuständigen Verwaltung beantworten, bevor ihr Werbung macht.

Dokumente, die ihr mit dem Träger klärt:

  • Falls erforderlich: Antrag auf Satzungsänderung oder -ergänzung
  • Ordnung der Kinderfeuerwehr (Aufnahme, Pflichten, Rechte, Betreuendenschlüssel)
  • Gründungsbeschluss des Gremiums, das nach örtlicher Regelung zuständig ist

Schritt 3: Leitung und Betreuerteam finden

Die Kinderfeuerwehrwartin oder der Kinderfeuerwehrwart ist die wichtigste Bezugsperson für die Kinder, trägt organisatorische und pädagogische Verantwortung und braucht ein tragfähiges Team.

Zu klärenZuständig
Formale Voraussetzungen der LeitungTräger und Landesverband
Eignung und pädagogische QualifizierungLeitung und Träger
Führungszeugnis und Schutzverfahrenörtliche Vereinbarung, Schutzkonzept
Erste-Hilfe-Besetzung und AuffrischungTräger, Unfallkasse, Lehrgangsangebot
Einweisung neuer Helfendereingewiesenes Betreuerteam

§ 72a SGB VIII ist keine Liste gleicher Pflichten für jede ehrenamtliche Rolle. Berücksichtigt werden Art, Intensität und Dauer des Kontakts mit Kindern sowie die örtliche Umsetzung.

Mindestens so wichtig wie jede Formalie: Die Leitung arbeitet gern mit Kindern, auch wenn es laut wird, Tränen fließen und viele Fragen kommen. Feuerwehrtechnik lässt sich lernen, die Freude am Umgang mit Kindern bringt man mit.

Wo findet ihr Betreuer?

  • Aktive Feuerwehrmitglieder mit eigenen Kindern
  • Eltern der Kinder, auch ohne Feuerwehrhintergrund
  • Ehemalige Mitglieder der Jugendfeuerwehr
  • Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen aus der Gemeinde
  • Studierende mit pädagogischem Hintergrund

Mehr dazu in Betreuer für die Kinderfeuerwehr gewinnen.

Schritt 4: Betreuendenschlüssel festlegen

Bei Kindern solltet ihr bei der Betreuung nicht sparen. Die DJF-Empfehlung nennt für 6- bis 9-Jährige im Normalfall mindestens 2:10. Entscheidend bleiben die tatsächliche Gruppe, die Aktivität, die Räume und die örtlichen Vorgaben. Legt auch fest, wie die übrigen Kinder betreut bleiben, wenn eines versorgt werden muss. Eine Rechnung auf dem Papier und eine Reserve im Telefonverzeichnis genügen dafür nicht.

Betreuende zu finden ist das eine, sie zu halten das andere. Regelmäßige Treffen, bezahlte Lehrgänge, eine klare Aufgabenverteilung und sichtbare Anerkennung helfen dabei.

Schritt 5: Kooperationspartner finden

Kooperationen bereichern das Programm, erleichtern die Organisation und sind gute Werbung.

  • Grundschulen: Brandschutzerziehung im Unterricht, Werbung für die Kinderfeuerwehr
  • Kitas: Brandschutztage, Besuch der Feuerwehr
  • Sportvereine: gemeinsame Bewegungsangebote, Räume
  • DRK und Malteser: Erste-Hilfe-Kurse für Kinder
  • THW-Jugend: gemeinsame Aktionstage
  • Polizei: Verkehrserziehung als Ergänzung
  • Förderverein der Feuerwehr: finanzielle Unterstützung

Schritt 6: Räume und Ausstattung klären

Räume:

  • Ideal ist ein eigener Raum im Feuerwehrhaus. Für Kinder ist es ein besonderer Anreiz, im echten Feuerwehrhaus zu sein.
  • Prüft Raumgröße, Fluchtwege, Sanitärbereiche und Nutzung mit Träger und Unfallkasse.
  • Kindgerechte Toiletten müssen in der Nähe sein.
  • Es dürfen keine Gefahrenquellen zugänglich sein, Werkzeug gehört in abschließbare Schränke.

Ausstattung:

Holt aktuelle Angebote für Spielmaterial, Aufbewahrung, Erste-Hilfe-Ausstattung und gegebenenfalls Kleidung ein. Trennt einmalige Anschaffung, Verbrauchsmaterial, Ausbildung und laufende Kosten. Für den ersten Dienst braucht ihr nicht alles auf einmal.

Für die Spiele im Blog genügen leichte Materialien und Bildkarten. Echte Ausrüstung zeigt ihr nur nach fachlicher Freigabe. Pumpen, Atemschutz, Schneidwerkzeuge und Fahrzeugbedienung sind keine Kinderstationen. Die DGUV Regel 105-049, Abschnitt 4.3, verlangt, dass Entwicklungs- und Ausbildungsstand der Kinder berücksichtigt werden.

Erstausstattung nach dem geplanten Programm:

KategorieBeispieleWann
Erste HilfeErste-Hilfe-Ausstattung, benannte Ersthelfervor dem ersten Dienst
Notfallmappeaktuelle Kontakte, Anwesenheit, nur nötige Unterstützungshinweisevor dem ersten Dienst
Warnwestenbei Wegen und Ausflügen, vor allem in der Dämmerungje nach Aktivität
Bastel- und SpielmaterialMaterial für das Startprogrammje nach Programm
KleidungT-Shirts, später Jacken (Zugehörigkeit, Wiedererkennung)sollte
LernmaterialBrandschutz-Poster, Telefonattrappe, 112-Memorysollte
ÜbungsmaterialPapiermodelle, Pylonen, leichte Seilesollte
Aufbewahrungabschließbarer Schrank oder Rollcontainersollte
Kamerafür Fotos, nur mit Einwilligung (siehe Datenschutz in der Kinderfeuerwehr)kann
BelohnungenAufkleber, Ausweis, kleine Urkundenkann

Richtet Erste-Hilfe-Organisation und Notfallkontakte vor dem Start ein. Eine vollständige Allergie- und Medikamentenliste für jedes Kind ist keine allgemeine Pflicht: Fragt nur ab, was ihr für die Betreuung braucht, und regelt Zugriff und Rechtsgrundlage nach dem Datenschutzleitfaden. Haltet außerdem eine Papier-Notfallmappe bereit, falls das Internet ausfällt.

Schritt 7: Konzept erstellen

Ein schriftliches Konzept ist die Grundlage für den Betrieb und hilft bei der Kommunikation mit Eltern, Gemeinde und Feuerwehr. Einmal sauber aufgeschrieben, spart es später viel Erklärarbeit.

Euer Konzept enthält:

  1. Ziele: Brandschutzerziehung, Gemeinschaft, Nachwuchsgewinnung
  2. Zielgruppe: Alter, Einzugsgebiet, maximale Gruppengröße
  3. Inhalte: Brandschutz, Erste Hilfe, Teamwork, Spiel und Spaß
  4. Methodik: Lernen durch Spiel und Ausprobieren, altersgerecht, ohne Leistungsdruck
  5. Rhythmus: nach Teamkapazität und Familien, zum Beispiel alle zwei Wochen 60–90 Minuten
  6. Betreuendenschlüssel: nach Gefährdungsbeurteilung und örtlichen Vorgaben
  7. Elternarbeit: Kommunikation, Elternabende, Einverständniserklärungen
  8. Übergang: Wie läuft der Wechsel zur Jugendfeuerwehr?
  9. Datenschutz: Umgang mit den Daten von Kindern

Schritt 8: Öffentlichkeitsarbeit und Werbung

Informiert Kinder und Familien erst, wenn Aufnahme und Betreuung geklärt sind. Beschreibt die tatsächlichen Aktivitäten und nennt die freien Plätze.

KanalZielgruppeVorbereitung
Schule und KitaFamilienZustimmung der Einrichtung, sachliches Infoblatt
GemeindeblattFamilien vor OrtAnsprechpartner, Termine, Aufnahmebedingungen
Tag der offenen TürInteressiertewenige, sicher betreute Schnupperplätze
WebsiteFamilienaktuelle Kontaktadresse, klare Beschreibung

Wählt die Kanäle danach, welche Familien ihr erreichen wollt. Schnupperstunden stimmt ihr vorher mit Träger und Team ab.

Schritt 9: Gründungstag gestalten

Der Gründungstag ist der feierliche Start und für die Kinder ein besonderer Moment.

Programmideen:

  • Begrüßung durch Wehrführung und Bürgermeister
  • Vorstellung des Betreuerteams mit Namen und Foto
  • Kennenlernen mit Namens- und Gruppenspielen
  • Stationen: Fahrzeugbesichtigung im Stillstand, Papiermodell und gemeinsames Puzzle
  • Einkleidung mit dem Gruppen-T-Shirt
  • Fototermin für die Presse (nur mit Einwilligung)
  • Für die Eltern: Kaffee und Kuchen, Infomaterial, Anmeldeformulare

Nebenbei erledigt ihr:

  • Anmeldeformulare und Einverständniserklärungen einsammeln
  • Kontaktdaten der Eltern erfassen
  • Termine für die ersten Treffen bekannt geben

Schritt 10: Bei der DJF anmelden und den Betrieb organisieren

Nach der Gründung folgen die formalen Schritte:

  • Meldung an die Kreis- oder Stadtjugendfeuerwehr und den Landesfeuerwehrverband
  • Anmeldung der Kindergruppe bei der Deutschen Jugendfeuerwehr
  • Versicherungsschutz mit Träger und Unfallkasse klären, bevor Kinder teilnehmen
  • Kinder und Betreuer in der Mitgliederverwaltung erfassen
  • Jahresthemenplan erstellen und den Eltern mitteilen
  • ersten regulären Dienst durchführen

Ab hier zeigt sich, ob die Organisation trägt. Prüft regelmäßig, ob Termine, Vorbereitung und Vertretung im Alltag funktionieren.

Häufige Stolpersteine

StolpersteinFolgeLösung
Zu wenig BetreuerÜberlastung, Ausfall bei KrankheitBesetzung nach Gruppe und Aktivität sichern, Vertretungsplan erstellen
Zu viel FeuerwehrtechnikKinder sind überfordert und verlieren die LustLernen durch Spiel, kindgerechte Themen
Zu lange TreffenUnruhe, Konzentration lässt nachDauer nach Gruppe, zum Beispiel 60–90 Minuten
Keine ElternarbeitMisstrauen, schlechte Absprachenregelmäßige Infos, Elternabende, offene Tür
Fehlende StrukturUnsicherheit bei den Kindernfeste Rituale, klare Regeln, Jahresplan
Unregelmäßige TermineKinder verlieren die Bindunggleicher Wochentag, gleiche Uhrzeit, fester Rhythmus
Datenschutz ignoriertVerstöße bei KinderdatenDatenschutzkonzept erstellen

Nutzt die Tabelle für ein Teamgespräch: Welcher Punkt ist bei uns offen, wer bearbeitet ihn, bis wann?

Finanzierung und Fördermittel

QuelleDas klärt ihr
GemeindeHaushaltsstelle und Freigabe
FördervereinUmfang und Zweckbindung
Förderprogrammeaktueller Antrag, Voraussetzungen, Frist
SpendenAnnahme und Verwendung mit dem Träger

Erstellt einen Haushaltsplan mit aktuellen Angeboten, laufenden Kosten und Verantwortlichen. Die Freigabe entscheidet der zuständige Träger.

Checkliste: Kinderfeuerwehr gründen

Vorbereitung (4–8 Wochen vorher)

  • Bedarf ermittelt (Kinder im Einzugsgebiet, Interesse)
  • Zustimmung von Wehrführung, Kommando und Gemeinde eingeholt
  • Satzungsänderung beim Träger beantragt (falls nötig), Gründungsbeschluss gefasst
  • Leitung gefunden
  • Ausreichende Betreuung und Vertretung gesichert
  • Führungszeugnisse und Schutznachweise nach Vorgabe des Trägers geklärt
  • Ersthelfer für jeden Dienst und Auffrischung geklärt
  • Ordnung der Kinderfeuerwehr und Konzept geschrieben

Organisation (2–4 Wochen vorher)

  • Raum geklärt und vorbereitet (Kapazität, sichere Nutzung)
  • Fester Wochentag, Uhrzeit und Rhythmus festgelegt
  • Erstausstattung für das Startprogramm beschafft (siehe Schritt 6)
  • Unfallkassenschutz für Kinder und Betreuer bestätigt
  • Kooperationspartner angesprochen (Schule, Kita)
  • Werbung gestartet (Flyer, Presse, Social Media)
  • Anmeldeformulare, Einverständniserklärungen und Datenschutzinformationen vorbereitet, Fotoeinwilligung getrennt erfasst
  • Geschützte Ablage für Kontaktdaten und Papier-Notfallmappe eingerichtet

Gründung und laufender Betrieb

  • Elternabend durchgeführt, Fragen beantwortet, Anmeldungen eingesammelt
  • Gründungstag gefeiert
  • Kinder- und Betreuerdaten in der geschützten Ablage erfasst
  • Gruppe bei Kreisjugendfeuerwehr, Landesverband und Deutscher Jugendfeuerwehr gemeldet
  • Jahresthemenplan erstellt und den Eltern mitgeteilt
  • Erster regulärer Dienst durchgeführt
  • Feste Rituale etabliert, Vertretungsplan für Betreuer erstellt

Ideen für den ersten Dienst findet ihr in Kinderfeuerwehr spielerisch lernen, Vorlagen im Download-Bereich. Als erste öffentliche Aktion bietet sich eine Gerätehaus-Rallye an. Wie ihr gemeinsam Gruppenregeln aufstellt, steht in der Gruppenregel-Werkstatt.

Häufige Fragen

Welche Regeln gelten vor Ort?

Landesrecht, Trägerregelungen, Satzung und das örtliche Schutzkonzept prüft ihr zusammen. Klärt Aufnahmealter, Voraussetzungen der Leitung, Betreuung und Versicherung vor dem ersten Schnuppertermin. Die Sicherheitsplanung führt durch die wichtigsten Entscheidungen.

Welche Erstausstattung braucht die Kinderfeuerwehr für den ersten Dienst?

Erste-Hilfe-Ausstattung, benannte Ersthelfer, Kontaktliste und ein sicherer Raum müssen vor dem Start stehen. Das Spielmaterial richtet sich nach dem Programm. Ob ihr Warnwesten oder Kleidung braucht, hängt von den Aktivitäten und den örtlichen Regeln ab. Eine vollständige Gesundheitsliste für jedes Kind erhebt ihr nicht vorsorglich.

Wie wird der Versicherungsschutz geklärt?

Mit dem Träger und der zuständigen Unfallkasse, ausdrücklich auch für Schnupperkinder, externe Helfer und geplante Ausflüge. Mitgliedschaft und Dienstplan allein klären nicht jeden Sonderfall.

Quellen

Weiter geht es mit der Sicherheitsplanung und der Elternkommunikation.

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Aus der Theorie in die Praxis

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