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Allgemein07. März 2026FWVS Redaktion8 Min. Lesezeit

Ehrenamt Feuerwehr – Warum die FF unverzichtbar ist

1.028.021 Ehrenamtliche schützen Deutschland. Leistungen, Herausforderungen und Steuervorteile für Feuerwehr-Mitglieder im Überblick.

Ehrenamt Feuerwehr – Warum die Freiwillige Feuerwehr unverzichtbar ist

Samstagabend, kurz nach Mitternacht. Der Melder piept. Dachstuhlbrand, Vollalarm. Während alle anderen schlafen, ziehen sich über 30 Kameradinnen und Kameraden die Einsatzkleidung an – mitten in der Nacht, mitten im Winter. Unbezahlt. Freiwillig. Weil sie es können und weil es sonst niemand tut.

Über 1 Million Ehrenamtliche sorgen in Deutschland dafür, dass Hilfe kommt – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Ohne sie wäre in 95 % aller Gemeinden kein Brandschutz möglich. Dieser Artikel ist für euch: für alle, die dabei sind, die darüber nachdenken mitzumachen, und für alle, die verstehen wollen, was dieses Ehrenamt eigentlich bedeutet.

Deutschland ohne Freiwillige Feuerwehr – Ein Gedankenexperiment

Was wäre, wenn morgen alle freiwilligen Feuerwehrleute aufhören würden? Klingt unrealistisch? Ist es auch. Aber die Konsequenzen zeigen, wie viel auf euren Schultern liegt:

AuswirkungKonsequenz
BrandschutzIn 23.760 Gemeinden kein Brandschutz mehr – nur 114 BF-Städte wären versorgt
ReaktionszeitStatt 8–12 Minuten → 30+ Minuten (nächste BF oft 50+ km entfernt)
Technische HilfeVerkehrsunfälle, Sturmschäden, Hochwasser → keine schnelle Hilfe
Kosten1 Mio Ehrenamtliche ersetzen → geschätzt 20–30 Milliarden € pro Jahr
GesellschaftVerlust von Gemeinschaft, Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein

20 bis 30 Milliarden Euro pro Jahr – so viel müsste der Staat aufbringen, um das zu ersetzen, was ihr ehrenamtlich leistet. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen, wenn jemand fragt: "Wozu braucht man die Feuerwehr?"

Zahlen und Fakten: Was Ehrenamtliche leisten

Hinter den großen Zahlen stehen echte Menschen mit echtem Engagement. Hier ein paar Fakten, die ihr ruhig beim nächsten Gemeinderats-Vortrag zitieren dürft:

KennzahlWert
Ehrenamtliche FF-Mitglieder1.028.021
Freiwillige Feuerwehren23.760
Einsätze pro Jahr (gesamt)ca. 3,7 Millionen
Durchschnittliche Einsätze pro Wehrca. 156 pro Jahr
Übungsstunden pro Mitglied/Jahrca. 40–80 Stunden
Zeitaufwand gesamt pro Jahrca. 150–300 Stunden (Übungen + Einsätze + Verwaltung)
Jugendfeuerwehr-Betreuerca. 50.000 (geschätzt)
Kinderfeuerwehr-Betreuerca. 20.000 (geschätzt)

150 bis 300 Stunden pro Jahr – das sind bis zu acht Wochen Vollzeit-Arbeit. Und das neben dem normalen Job, der Familie und dem Rest des Lebens.

Was ein typisches FF-Mitglied pro Jahr leistet

Wer nicht dabei ist, unterschätzt oft den Zeitaufwand. Hier eine ehrliche Aufstellung:

TätigkeitZeitaufwand pro Jahr
Übungsdienste (ca. 24 Abende à 2–3 Std.)48–72 Stunden
Einsätze (je nach Wehr 10–50 pro Jahr)20–100 Stunden
Lehrgänge und Fortbildungen20–40 Stunden
Gerätepflege und Wartung10–20 Stunden
Verwaltung (Funktionsträger)20–100 Stunden
Veranstaltungen (Tag der offenen Tür, Feste)20–40 Stunden
Gesamt138–372 Stunden

Und wisst ihr, was in dieser Tabelle noch gar nicht auftaucht? Die Fahrzeit zum Gerätehaus. Die durchwachten Nächte nach belastenden Einsätzen. Die Wochenenden, an denen ihr statt beim Kindergeburtstag auf der Gemeindeübung wart.

Herausforderungen des Feuerwehr-Ehrenamts

Tagesverfügbarkeit

Hand aufs Herz: Wer ist bei euch tagsüber da, wenn der Melder geht? In vielen Wehren ist die Tagesverfügbarkeit das größte Problem – und es wird nicht besser, wenn immer mehr Leute außerhalb des Ortes arbeiten.

ProblemUrsacheLösungsansatz
Geringe TagesverfügbarkeitPendler arbeiten außerhalbWerbung bei lokalen Arbeitgebern, Schichtarbeiter ansprechen
Lange AlarmierungszeitenWeite AnfahrtswegeDoppelmitgliedschaften, Kooperationen mit Nachbarwehren
Zu wenig Atemschutzgeräteträger tagsüberG26-Pflicht, SchichtarbeitGezielte Ausbildung, finanzielle Anreize

Nachwuchsgewinnung

Der zweite große Schmerzpunkt: Wo kommen die neuen Leute her?

HerausforderungZahlenGegenmaßnahme
ÜberalterungDurchschnittsalter FF steigtKinderfeuerwehr und JF stärken
Konkurrierende FreizeitangeboteJugendliche haben weniger ZeitAttraktive Programme, Flexibilität
Abwanderung (Studium/Ausbildung)Besonders in ländlichen GebietenKontakt halten, Rückkehr ermöglichen
Frauenanteil niedrig9,2 % in der FFGezielte Ansprache, Vorbilder zeigen

→ Mehr zum Thema: Nachwuchsgewinnung – 10 Strategien

Arbeitgeber-Problematik

"Du musst schon wieder weg?" – Diesen Satz kennen viele von euch. Nicht jeder Arbeitgeber versteht, warum ein Mitarbeiter mitten in der Arbeitszeit alles stehen und liegen lässt. Dabei ist die Freistellung gesetzlich geregelt. Aber zwischen Recht haben und Recht bekommen liegt manchmal ein ganzer Arbeitsalltag.

Steuervorteile und Vergünstigungen für FF-Mitglieder

Euer Engagement lohnt sich nicht nur ideell – es gibt auch handfeste Vergünstigungen, die ihr kennen solltet.

Ehrenamtspauschale

Seit 2013 gibt es die Ehrenamtspauschale für Feuerwehr-Mitglieder. Hier die wichtigsten Beträge:

VergünstigungBetragGrundlage
EhrenamtspauschaleBis 840 € pro Jahr steuerfrei§ 3 Nr. 26a EStG
AufwandsentschädigungenLaut kommunaler Satzung, oft steuerfreiLandesrecht
Übungsleiter-Freibetrag (JF/KF-Betreuer)Bis 3.000 € pro Jahr steuerfrei§ 3 Nr. 26 EStG

Besonders interessant für JF- und KF-Betreuer: Der Übungsleiter-Freibetrag von 3.000 Euro ist deutlich höher als die normale Ehrenamtspauschale. Sprecht eure Kämmerei drauf an – viele wissen das gar nicht.

Vergünstigungen nach Bundesland

Je nachdem, wo ihr aktiv seid, gibt es unterschiedliche Extras:

BundeslandBesondere VergünstigungenFreistellungsregelung
Baden-WürttembergEhrenamt-Karte, ErmäßigungenGesetzlicher Anspruch (FwG BW)
BayernFeuerwehr-Ehrenzeichen, VergünstigungenGesetzlicher Anspruch (BayFwG)
BrandenburgEhrenamtskarte, EinkaufsvorteileGesetzlicher Anspruch (BbgBKG)
HessenFeuerwehr-Ehrenzeichen nach DienstjahrenGesetzlicher Anspruch (HBKG)
NiedersachsenEhrenamtskarte, vergünstigte EintritteGesetzlicher Anspruch (NBrandSchG)
NRWFeuerwehr-Ehrenzeichen, SteuervergünstigungenGesetzlicher Anspruch (BHKG)
Rheinland-PfalzEhrenamtskarte, ErmäßigungenGesetzlicher Anspruch (LBKG)
SachsenFeuerwehr-EhrenmedailleGesetzlicher Anspruch (SächsBRKG)
Schleswig-HolsteinEhrenamtskarteGesetzlicher Anspruch (BrSchG)
ThüringenEhrenamtskarte, ErmäßigungenGesetzlicher Anspruch (ThürBKG)

Fragt aktiv in eurer Kommune nach der Ehrenamtskarte, falls ihr sie noch nicht habt. In vielen Regionen bringt sie echte Vorteile – von vergünstigten Eintritten bis zu Rabatten im Einzelhandel.

Arbeitgeberfreistellung: Rechtsgrundlagen

Falls euer Arbeitgeber mal Zweifel hat – hier die Fakten:

AspektRegelung
Freistellung für EinsätzeGesetzlicher Anspruch – Arbeitgeber muss freistellen
LohnfortzahlungArbeitgeber zahlt weiter, erhält Erstattung von der Kommune
Freistellung für LehrgängeGesetzlicher Anspruch, zeitlicher Rahmen variiert
KündigungsschutzKündigung wegen Feuerwehrdienst ist unzulässig
SelbstständigeErhalten Verdienstausfallerstattung von der Kommune

Wichtig: Der Arbeitgeber bekommt den Lohn erstattet. Es kostet ihn also direkt kein Geld – nur Organisation. Dieses Argument hilft oft bei schwierigen Gesprächen.

Wie digitale Feuerwehrverwaltung das Ehrenamt entlastet

Jede Minute, die ihr mit Papierkram verbringt, fehlt euch für Übungen, Kameradschaft und die eigentliche Feuerwehrarbeit. Gerade für ehrenamtliche Führungskräfte, die abends nach der Arbeit noch Mitgliederlisten pflegen oder Einsatzberichte tippen, kann eine Feuerwehr Verwaltungssoftware echte Entlastung bringen.

VerwaltungsaufgabeZeitaufwand analogZeitaufwand digitalErsparnis
Mitgliederverwaltung3 Std./Monat30 Min./Monat83 %
Einsatzdokumentation20 Min./Einsatz5 Min./Einsatz75 %
Jahresstatistik8 Stunden10 Minuten98 %
Lehrgangsplanung2 Std./Monat20 Min./Monat83 %
DSGVO-ComplianceAufwändigIntegriert
Gesamt pro Jahr~200 Stunden~40 Stunden80 %

160 Stunden weniger Verwaltung pro Jahr – das sind vier Arbeitswochen, die eure ehrenamtlichen Funktionsträger für die eigentliche Feuerwehrarbeit nutzen können. Oder einfach mal für einen freien Abend mit der Familie.

Checkliste: Ehrenamt stärken

Für Wehrführer

  • Aufgaben klar verteilen – nicht alles selbst machen
  • Digitale Verwaltung einführen → Zeit sparen
  • Wertschätzung zeigen (Ehrungen, Dankeschön, Feste)
  • Flexible Teilnahme ermöglichen
  • Arbeitgeber über Freistellungsrecht informieren

Für Kommunen

  • Feuerwehr-Ehrenamtskarte einführen
  • Aufwandsentschädigungen regelmäßig anpassen
  • In Ausstattung und Gerätehaus investieren
  • Digitalisierung der Verwaltung finanzieren
  • Öffentliche Anerkennung (Tag der Feuerwehr, Presse)

Fazit

Das Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehr ist das Fundament des Brandschutzes in Deutschland. Über 1 Million Menschen investieren jährlich Hunderte Stunden ihrer Freizeit – unbezahlt, freiwillig, aus Überzeugung. Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch konkrete Unterstützung: durch faire Vergünstigungen, gute Ausstattung und eine Feuerwehrverwaltung, die euch den bürokratischen Ballast abnimmt.

Wenn ihr euren ehrenamtlichen Kräften etwas Gutes tun wollt, fangt bei der Verwaltung an. Tools wie FWVS nehmen euch den Papierkram ab – damit eure Zeit für das bleibt, was wirklich zählt: füreinander da sein und anderen helfen.


Weiterlesen: Was ist eine Feuerwehr? · Feuerwehr in Zahlen – Statistiken · Nachwuchsgewinnung – Strategien · Förderungen und Zuschüsse

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