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Jugendfeuerwehr22. Februar 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion7 Min. Lesezeit

Jugendfeuerwehr gründen: Voraussetzungen und Startplan

Von der Abstimmung mit dem Träger bis zu den ersten Diensten: Jugendordnung, Team, Räume, Ausstattung und überprüfbare Startfreigabe.

Jugendfeuerwehr gründen: Voraussetzungen und Startplan

Eine Jugendfeuerwehr gründet ihr auf Grundlage des Landesrechts und in Abstimmung mit Wehrführung, Träger und Jugendfeuerwehrverband. Vor dem ersten Dienst müssen Verantwortung, Betreuung, Räume, Ausstattung und Aufnahmeverfahren geklärt sein. Eine Gründungsfeier ersetzt das nicht. Der Artikel führt in sechs Schritten vom Bedarf bis zum ersten Dienst und endet mit einer Startcheckliste.

Schritt 1: Auftrag und örtlichen Bedarf klären

Das Merkblatt der DJF zur Anmeldung einer Jugendfeuerwehr oder Kindergruppe (Stand November 2023) stellt klar: Die Gründung ist nur auf der gesetzlichen Grundlage des jeweiligen Bundeslands möglich. Die Jugendfeuerwehr ist Teil der Freiwilligen Feuerwehr, deshalb muss ihre Leitung oder die Stadt beziehungsweise Gemeinde die Anmeldung unterschreiben. Das konkrete Verfahren klärt ihr mit eurem Träger. Eine Musterordnung aus einem anderen Land passt nicht automatisch.

Schreibt auf, für wen ihr ein Angebot schaffen wollt. Gibt es Jugendliche, die einen erreichbaren Dienstort suchen? Welche Altersgruppen sind örtlich zugelassen? Gibt es schon ein Angebot in der Nachbargemeinde? Dann ist eine Kooperation oft besser als eine zweite Gruppe, für die euch die Betreuer fehlen.

Die Jugendfeuerwehr ist Jugendarbeit und Feuerwehrausbildung zugleich. Wer sie nur gründet, um später Einsatzkräfte zu gewinnen, verengt den Auftrag. Jugendliche sollen mitmachen können, ohne sich auf eine spätere Laufbahn festzulegen. Den Grundgedanken erklärt Was ist eine Jugendfeuerwehr?.

Schritt 2: Träger und Entscheidungsweg festhalten

Listet mit der Wehrführung auf, welche Entscheidungen bei euch nötig sind. Dazu können eine Satzungsregelung, die Jugendordnung, die Bestellung der Leitung und Haushaltsmittel gehören. Notiert für jede Entscheidung das zuständige Gremium, die nötigen Unterlagen und den Termin. Gebt keine Aufnahmezusagen, solange die Zustimmung fehlt.

EntscheidungZuständigkeit vor Ort klärenNachweis für den Start
Einrichtung der GruppeWehrführung und TrägerDokumentierter Beschluss bzw. Zustimmung
JugendordnungZuständiges örtliches GremiumGültige Fassung
LeitungBestellung nach örtlichen VorgabenAuftrag und Vertretung
AusstattungTräger und BeschaffungFreigegebene Mittel und vorhandene Ausstattung
Nutzung der RäumeTräger und SicherheitsverantwortlicheGeeigneter Bereich und Betriebsabsprachen
Anmeldung im VerbandKreis- und LandesjugendfeuerwehrDJF-Vordruck „Anmeldung einer Jugendfeuerwehr“, von Leitung oder Gemeinde unterschrieben

Gremien und Bezeichnungen unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde.

Schritt 3: Leitung und Betreuungsteam aufbauen

Fragt Interessierte nicht nur, ob sie Feuerwehrtechnik mögen. Wichtiger sind verlässliche Zeit, Freude an der Jugendarbeit, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zur Ausbildung. Eltern oder externe Personen können mithelfen, wenn der örtliche Rahmen es erlaubt. Ihre Aufgaben und Befugnisse müsst ihr vorher klären.

Für die Leitung gelten Landesregeln. In Bayern kann nach Art. 7 Abs. 2 BayFwG nur ein geeigneter volljähriger Feuerwehrdienstleistender zum Jugendwart bestellt werden. Andere Länder regeln das anders. Quelle: Art. 7 BayFwG.

Legt für jeden Dienst mindestens drei Rollen fest: Leitung, Materialverantwortung und Ansprechperson für die Eltern, dazu einen Ausfallplan. Wie viele Betreuende ihr braucht, hängt von Gruppe und Aktivität ab. Die DJF empfiehlt für 10- bis 14-Jährige mindestens 2:10 (zwei Betreuende auf zehn Jugendliche) und für 15- bis 18-Jährige 2:15. Wichtig ist, dass bei einer Verletzung oder einem Elterngespräch die übrige Gruppe nicht ohne Aufsicht bleibt.

Klärt mit dem Träger Qualifikation, Führungszeugnis und Schutzkonzept. Ob Ehrenamtliche ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen, hängt nach § 72a SGB VIII von Art, Intensität und Dauer des Kontakts zu Kindern und Jugendlichen ab und davon, was der Träger vereinbart hat. Quelle: § 72a SGB VIII. Hilfen für den Aufbau des Teams gibt der Artikel zur Pädagogik für Betreuende.

Schritt 4: Jugendordnung mit Jugendlichen verständlich machen

Die Ordnung sollte Aufnahme und Beendigung der Mitgliedschaft, Leitung, Mitwirkung, Dienstbetrieb und Zuständigkeiten regeln. Erklärt die beschlossene Fassung den Jugendlichen anschließend in einfacher Sprache. Ein unterschriebenes Blatt ist noch keine verstandene Regel.

Ergänzt alltagsnahe Fragen: Wann beginnt und endet die Betreuung? Was passiert bei einem echten Alarm während des Jugenddienstes? Wer wird bei einer kurzfristigen Absage informiert? Wie kann ein Jugendlicher Beschwerden äußern? Wo kann die Gruppe selbst entscheiden? Ein Beispiel für Beteiligung ist die Jugendsprecherwahl.

Schritt 5: Räume und Ausstattung prüfen

Eine Fahrzeughalle ist kein Spielraum. Prüft freie Laufwege, die Trennung vom Fahrzeugbetrieb, Toiletten und Umkleiden sowie die Erreichbarkeit für Jugendliche mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Der Träger sollte ausdrücklich festlegen, wo die Gruppe Dienst hat und was bei einer Alarmierung geschieht.

Die DGUV beschreibt in der Information 205-008 „Sicherheit im Feuerwehrhaus“, wie ein Feuerwehrhaus sicher gestaltet und genutzt wird. Sie hilft bei der Prüfung, ersetzt aber keine Beurteilung eures Hauses durch die Verantwortlichen.

Beschaffungsliste

Trennt persönliche Ausstattung, Übungsmaterial und Verwaltung. Haltet je Position Anzahl, vorhandenen Bestand, Zuständigkeit und aktuelle Angebote fest. Die persönliche Ausstattung richtet sich nach den Tätigkeiten und den Vorgaben eures Landes. Plant Größen, Ersatz und Reinigung mit ein.

Für die ersten Dienste reichen häufig Bildkarten, geeignete Übungsleinen, Kartenmaterial und einfache Gruppenaufgaben. Für den Anfang braucht ihr kein schweres Einsatzgerät. Kauft erst, wenn Lernziel und sichere Verwendung feststehen.

Schritt 6: Aufnahme und Familieninformation vorbereiten

Schreibt einen kurzen Elternbrief mit Ansprechpartner, Zielgruppe, Treffpunkt, Zeiten, Kleidung, möglichen Kosten und Anmeldeweg. Erklärt, welche Angaben für die Aufnahme nötig sind und welche Zustimmungen freiwillig bleiben, etwa für Fotos. Gesundheitsangaben besprecht ihr nicht auf einem öffentlichen Infoabend, sondern im Einzelgespräch.

Ladet zu einem Schnupperabend ein, sobald der Träger das Verfahren geklärt hat. So können Interessierte sich ausprobieren, ohne sich gleich zu binden. Klärt vorab mit Träger und Feuerwehr-Unfallkasse (oder der Unfallkasse eures Landes), ob Gäste beim Schnupperabend gesetzlich unfallversichert sind. Mitglieder sind bei Diensten grundsätzlich versichert, bei Gästen ist das nicht automatisch so. Mehr dazu im Artikel zur Unfallversicherung in der Feuerwehr.

Für den Elternabend plant ihr neben den Informationen auch Zeit für Fragen ein. Wer am Gründungstag fotografiert werden darf, entscheiden die Eltern. Aus der bloßen Anwesenheit folgt keine Einwilligung.

Die ersten sechs Dienste als Beispiel

DienstSchwerpunktErgebnis
1Kennenlernen, Regeln, sichere BereicheGruppe kennt Ansprechpartner und Stoppsignal
2Gerätekunde mit Bildern und vorbereiteten GegenständenGeräte benennen und Aufgabe erklären
3NotrufrollenspielEinen Ort verständlich beschreiben
4Knotenkunde am TischEinen ausgewählten Knoten nachvollziehbar zeigen
5Kartenparcours im überschaubaren BereichKarte und Ort miteinander verbinden
6Wunschthemen und gemeinsame PlanungNächste erreichbare Themen auswählen

Passt die Reihenfolge an Ferien, Schulzeiten und eure Gruppe an. Weitere Formate bietet die Sammlung von Übungsabend-Ideen.

Budget und Fördermittel realistisch behandeln

Rechnet neben der Erstausstattung die laufenden Kosten ein: Ersatzkleidung, Reinigung, Verpflegung, Transport, Fortbildung und Material. Für Veranstaltungen braucht ihr womöglich einen eigenen Etat. Bestellt erst, wenn Zuschüsse bewilligt sind. Eine erwartete Förderung ist noch keine Zusage.

Bietet Familien, denen ein Ausflug finanziell schwerfällt, einen vertraulichen Weg zur Unterstützung. Beitrag und Hilfe sollten vorher feststehen.

Startentscheidung und Nachprüfung

Prüft vor dem ersten Dienst:

  • Einrichtung, Leitung und Ordnung sind dokumentiert
  • Betreuung einschließlich Vertretung ist gesichert
  • Räume, Ausrüstung und Alarmfall sind geprüft
  • Aufnahme und Gastteilnahme sind geregelt
  • Datenschutz und Schutzkonzept haben Ansprechpartner
  • Die ersten Dienste sind vorbereitet
  • Anmeldung beim Verband ist abgeschickt, Versicherungsschutz ist geklärt

Nach den ersten Diensten prüft ihr, ob das Team die zugesagten Aufgaben tatsächlich abdecken kann und Familien die Abläufe verstanden haben. Ändert einen unpassenden Rhythmus lieber früh, statt dauerhaft unzuverlässige Termine anzubieten. Die DJF bietet neu angemeldeten Gruppen nach der Anmeldung auf Wunsch ein kostenloses Jahresabonnement der Mitgliederzeitschrift LAUFFEUER an; die Anmeldeunterlagen liegen im Downloadcenter der DJF. Fragt vor der Bestellung nach, ob das auch für eure Gruppenart gilt.

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