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Jugendfeuerwehr22. Februar 2026FWVS Redaktion14 Min. Lesezeit

Jugendfeuerwehr gründen – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Jugendfeuerwehr gründen in 6 Schritten: Voraussetzungen, Betreuer, Satzung, Werbung und Tipps für die ersten 12 Monate.

Jugendfeuerwehr gründen – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Hand aufs Herz: Wie sieht die Altersstruktur in eurer Wehr aus? Wenn beim Blick auf die Mitgliederliste das Durchschnittsalter eher Richtung 50 wandert und der letzte Seiteneinsteiger schon drei Jahre zurückliegt, wird es höchste Zeit, über eine Jugendfeuerwehr nachzudenken. 272.745 Jugendliche engagieren sich deutschlandweit in 18.446 Jugendfeuerwehren – und jedes Jahr wechseln rund 20.996 von ihnen in den aktiven Dienst. Das sind nicht einfach nur Zahlen, das ist eure Zukunft. Wie ihr das Projekt „JF-Gründung" richtig angeht? Genau darum geht es in diesem Leitfaden: 6 praxiserprobte Schritte von der ersten Idee bis zum Gründungstag – plus Tipps für die ersten 12 Monate.

Warum eine Jugendfeuerwehr gründen?

Viele Freiwillige Feuerwehren stehen vor einem Nachwuchsproblem: Die aktiven Mitglieder werden älter, Seiteneinsteiger sind selten, und die Tagesverfügbarkeit sinkt. Eine Jugendfeuerwehr ist die nachhaltigste Lösung dafür – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern ganz konkret.

Die Nachwuchspipeline: KF → JF → FF

StationAlterMitglieder bundesweitÜbergangsquote
Kinderfeuerwehr (KF)4–10 Jahre99.589ca. 60–70 % in die JF
Jugendfeuerwehr (JF)10–17 Jahre272.745ca. 50–60 % in die FF
Einsatzabteilung (FF)ab 16–18 Jahre1.028.021

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer eine funktionierende Jugendfeuerwehr hat, kann mit einem stetigen Zustrom an jungen, ausgebildeten Einsatzkräften rechnen. Ohne JF (und ohne KF) bleibt nur die Hoffnung auf Seiteneinsteiger – und die wird von Jahr zu Jahr dünner.

Was euch eine JF noch bringt

  • Gesellschaftlicher Auftrag: Jugendarbeit ist gemeinnützig und stärkt das Gemeinwesen – das kommt auch bei der Kommune gut an
  • Bindung: Jugendliche, die in der JF aufwachsen, bleiben der Feuerwehr oft ein Leben lang treu. Kennt ihr selbst, oder?
  • Ausbildungsvorsprung: JF-Mitglieder bringen bei Eintritt in die FF bereits solide Grundkenntnisse mit
  • Öffentlichkeitsarbeit: Eine aktive JF zeigt dem ganzen Ort, dass die Feuerwehr lebt und Zukunft hat
  • Fördermittel: Für Jugendarbeit gibt es kommunale und Landesförderungen, die euch die Finanzierung erleichtern

Die 6 Schritte zur eigenen Jugendfeuerwehr

Schritt 1: Bedarfsermittlung und Rückhalt in der Wehr

Bevor ihr loslegt, stellt sicher, dass die Gründung auf einem soliden Fundament steht. Nichts ist frustrierender, als mit viel Elan zu starten und dann festzustellen, dass die Unterstützung fehlt.

Bedarfsanalyse – diese Fragen solltet ihr klären:

  • Wie viele Jugendliche im Alter von 10–17 Jahren leben im Einzugsgebiet?
  • Gibt es bereits eine JF in der Nachbargemeinde, die Mitglieder verliert?
  • Haben Eltern, Lehrer oder die Gemeinde Interesse signalisiert?
  • Wie ist die Altersstruktur eurer aktiven Mannschaft? Droht in 5–10 Jahren ein Nachwuchsproblem?

Rückhalt sichern – ohne geht es nicht:

  • Besprecht die Idee im Führungskreis (Wehrführer, Stellvertreter, Zugführer)
  • Stellt das Vorhaben in einer Dienstversammlung vor
  • Holt ein Stimmungsbild der Mannschaft ein – ohne breite Unterstützung wird es schwer
  • Informiert den Bürgermeister oder die Gemeindeverwaltung frühzeitig
Argumentationshilfe für die Dienstversammlung

Bereitet eine kurze Präsentation vor, die folgende Punkte enthält:

  • Aktuelle Altersstruktur eurer Wehr (Durchschnittsalter, Austritte der letzten 5 Jahre)
  • Hochrechnung: Wie sieht die Mannschaftsstärke in 10 Jahren ohne JF aus?
  • Erfolgsbeispiele von benachbarten JF-Gründungen
  • Geschätzter Aufwand (2–4 Stunden pro Woche für den JF-Wart)
  • Mögliche Fördermittel und Unterstützung durch Kreis/Land

So wandelt ihr Skepsis in Zustimmung um. Erfahrungsgemäß überzeugen harte Zahlen besser als gute Absichten.

Schritt 2: Jugendfeuerwehrwart finden und qualifizieren

Der Jugendfeuerwehrwart (JF-Wart) ist die zentrale Figur eurer Jugendfeuerwehr. Er oder sie organisiert den JF-Betrieb, führt die Jugendlichen und ist Ansprechpartner für Eltern, Wehrführung und Gemeinde. Die Wahl der richtigen Person entscheidet maßgeblich über den Erfolg – also nehmt euch hierfür Zeit.

Anforderungen an den JF-Wart:

KriteriumBeschreibung
Mindestalter18 Jahre (in einigen Bundesländern 21)
Feuerwehr-MitgliedschaftAktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr
Erweitertes FührungszeugnisPflicht gemäß § 72a SGB VIII
Fachliche QualifikationJugendfeuerwehrwart-Lehrgang (Landesfeuerwehrschule oder Kreisebene)
Pädagogische KompetenzJugendleiter-Card (JuLeiCa) empfohlen
Erste-Hilfe-AusbildungAktueller Erste-Hilfe-Kurs (nicht älter als 2 Jahre)
Persönliche EignungGeduld, Empathie, Organisationstalent, Vorbild-Funktion
Zeitbudget4–8 Stunden pro Woche (Übungsabende, Vorbereitung, Verwaltung)

Der richtige JF-Wart muss nicht der beste Feuerwehrtechniker sein – viel wichtiger ist, dass er oder sie gut mit Jugendlichen umgehen kann. Jemand, der beim Übungsabend mit Begeisterung dabei ist und auch mal ein Auge zudrückt, wenn der Knoten nicht beim ersten Versuch sitzt.

Ausbildung zum JF-Wart: Die meisten Bundesländer bieten über die Landesfeuerwehrschule oder den Landesfeuerwehrverband spezielle Lehrgänge an:

  • JF-Wart-Grundlehrgang: 2–5 Tage (Pädagogik, Recht, Organisation)
  • Jugendleiter-Card (JuLeiCa): 40+ Stunden (bundesweit anerkannt)
  • Fortbildungen: Jährliche Seminare zu Themen wie Motivation, Medienkompetenz, Erste Hilfe am Kind

Schritt 3: Satzungsanpassung und Gründungsbeschluss

Die Gründung einer Jugendfeuerwehr muss formal beschlossen und satzungsrechtlich verankert werden. Klingt trocken, ist aber wichtig – und mit der richtigen Vorlage auch kein Hexenwerk.

Schritte im Überblick:

  1. Satzung prüfen: Enthält die Feuerwehr-Satzung bereits eine Regelung zur Jugendfeuerwehr? Falls nicht: Satzungsänderung beim Träger (Gemeinde/Stadt) beantragen
  2. Gründungsbeschluss: Formaler Beschluss in der Mitgliederversammlung oder durch den Feuerwehrausschuss
  3. Jugendordnung erstellen: Regelt Aufnahme, Pflichten, Rechte, Dienstbetrieb und Ausschluss
  4. Gemeinde informieren: Bürgermeister oder Hauptamt über den Beschluss in Kenntnis setzen

Muster-Jugendordnung – Kernpunkte:

  • Aufnahmealter (10 Jahre oder gemäß Landesrecht)
  • Höchstalter bzw. Übergangsregelung in die Einsatzabteilung
  • Rechte der Jugendlichen (Mitbestimmung, Wahlen)
  • Pflichten (Teilnahme am Übungsdienst, Verhalten)
  • Betreuerschlüssel
  • Versicherungsschutz
  • Ausschlussregelungen

Die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) stellt auf ihrer Website Mustersatzungen und -ordnungen bereit, die als Vorlage dienen können. Nehmt diese als Basis und passt sie an eure lokalen Gegebenheiten an.

Schritt 4: Betreuerteam aufbauen

Ein JF-Wart allein kann keine Jugendfeuerwehr betreiben – das wäre ein sicherer Weg ins Burnout. Ihr braucht ein Team, auf das ihr euch verlassen könnt.

Mindest-Teamstärke:

GruppengrößeMindest-BetreuerEmpfohlene Betreuer
Bis 10 Jugendliche23
11–15 Jugendliche34
16–20 Jugendliche34–5
21–30 Jugendliche45–6
Über 305+Zweite Gruppe erwägen

Plant dabei immer eine Reserve ein. Wenn der JF-Wart im Urlaub ist und gleichzeitig ein Betreuer krank wird, muss der Übungsabend trotzdem stattfinden. Regelmäßige Absagen sind der schnellste Weg, Jugendliche zu verlieren.

Wo findet ihr Betreuer?

  • Aktive Feuerwehrmitglieder, die Freude an der Arbeit mit Jugendlichen haben
  • Ehemalige JF-Mitglieder, die „etwas zurückgeben" wollen
  • Eltern der JF-Jugendlichen (auch ohne Feuerwehrmitgliedschaft als Helfer)
  • Pädagogische Fachkräfte aus der Gemeinde
  • Kooperationen mit Sportvereinen oder anderen Jugendorganisationen

Alle Betreuer benötigen:

  • Erweitertes Führungszeugnis (§ 72a SGB VIII – Pflicht bei Arbeit mit Minderjährigen!)
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Einweisung in die Jugendordnung und Aufsichtspflicht

Schritt 5: Informationsveranstaltung und Werbung

Jetzt wird es öffentlich: Ihr müsst Jugendliche und deren Eltern für die neue Jugendfeuerwehr begeistern. Und das Gute ist – Feuerwehr verkauft sich fast von allein, wenn man es richtig anstellt.

Werbekanäle:

KanalZielgruppeWirkungAufwand
Flyer an SchulenJugendliche 10–14HochMittel
Plakate im OrtAlleMittelGering
Lokale PresseEltern, ÖffentlichkeitHochGering
Social MediaJugendliche, ElternHochMittel
Tag der offenen TürJugendliche, FamilienSehr hochHoch
GemeindeblattEltern, SeniorenMittelGering
MundpropagandaFreunde, NachbarnSehr hochGering
SchulbesucheJugendlicheSehr hochMittel

Aus der Erfahrung: Schulbesuche mit einem echten Feuerwehrfahrzeug sind der absolute Knaller. Wenn die Kameraden in voller Montur auf dem Schulhof stehen und die Jugendlichen das Strahlrohr halten dürfen, habt ihr mehr Anmeldungen als Plätze.

Informationsveranstaltung für Eltern:

Plant einen Elternabend, bevor der JF-Betrieb startet. Dieser sollte Folgendes beinhalten:

  1. Vorstellung des JF-Warts und des Betreuerteams
  2. Was ist die Jugendfeuerwehr? (Ziele, Inhalte, Ablauf)
  3. Organisatorisches: Termine, Treffpunkt, Kleidung, Versicherung
  4. Einverständniserklärungen und Anmeldeformulare
  5. Fragen und Antworten
  6. Optional: Führung durch das Feuerwehrhaus

Schritt 6: Gründungstag und Anmeldung bei der DJF

Der Gründungstag ist der feierliche Start der Jugendfeuerwehr. Gestaltet ihn besonders, damit er in Erinnerung bleibt – schließlich ist das für die Jugendlichen der Moment, in dem sie „zur Feuerwehr kommen".

Gründungstag planen:

  • Feierliche Eröffnung mit Wehrführer und Bürgermeister
  • Vorstellung des Betreuerteams
  • Erstes Kennenlernen: Teamspiele und Stationen im Feuerwehrhaus
  • Rundgang und Fahrzeugschau
  • Einkleidung mit JF-Shirt oder -Jacke
  • Fototermin für die Presse und die eigene Öffentlichkeitsarbeit
  • Eltern einbinden (Kaffee, Kuchen, Gespräche)

Formale Schritte nach der Gründung:

  • Anmeldung bei der Kreis-/Stadtjugendfeuerwehr
  • Meldung an den Landesfeuerwehrverband
  • Registrierung bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF)
  • Versicherungsschutz bestätigen lassen (Feuerwehr-Unfallkasse)
  • Jugendliche und Betreuer in der Feuerwehrverwaltung erfassen

Die ersten 12 Monate: Programmplanung

Nach der Gründung beginnt die eigentliche Arbeit: ein abwechslungsreiches, motivierendes Programm auf die Beine stellen. Denn nichts ist schlimmer als Jugendliche, die nach dem dritten Übungsabend sagen: „War langweilig." Hier ein Muster-Jahresplan für das erste JF-Jahr:

MonatThemaSchwerpunktBesonderheit
Monat 1Kennenlernen & TeambuildingGruppenspiele, Regeln, ErwartungenGründungs-Rallye durchs Feuerwehrhaus
Monat 2Feuerwehr-GrundwissenGeschichte, Organisation, DienstgradeQuiz mit kleinen Preisen
Monat 3Fahrzeug- und GerätekundeFahrzeuge erkunden, Schläuche auslegenPraxis am Fahrzeug
Monat 4Erste Hilfe für JugendlicheStabile Seitenlage, Verbände, NotrufPraxis-Stationen
Monat 5Knoten und LeinenWichtige Knoten, LeinenkundeKnoten-Wettbewerb
Monat 6Sport & TeamworkStaffelspiele, HindernisparcoursGemeinsam mit Nachbar-JF
Monat 7BrandschutzerziehungBrennen und Löschen, LöschmittelExperimente (Fettbrand-Demo)
Monat 8Ausflug / SommeraktionZeltlager, Besuch BF oder LeitstelleHighlight des Jahres
Monat 9Löschangriff Teil 1Wasserversorgung, Rollen, KommandosErste „echte" Übung
Monat 10Löschangriff Teil 2Vertiefung, GeschwindigkeitMini-Wettbewerb intern
Monat 11Technische HilfeEinfache TH, VerkehrsabsicherungAltersgerecht anpassen
Monat 12Jahresrückblick & FeierStatistiken, Ehrungen, GeselligkeitWeihnachtsfeier oder Winterwanderung

Der Plan ist natürlich nur ein Gerüst – passt ihn an eure Gegebenheiten an. Was wirklich zählt: Abwechslung zwischen Theorie, Praxis und Spaß. Und vergesst nicht, diese Punkte einzubauen:

  • Zwei Elternabende (zu Beginn und zur Jahresmitte)
  • Mindestens einen Ausflug oder eine besondere Aktion
  • Teilnahme an einem Gemeindefest oder Tag der offenen Tür
  • Gemeinsame Übung mit der Einsatzabteilung (Jugendliche als Zuschauer oder Statisten)

Räume und Ausstattung

Räumlichkeiten

Idealerweise nutzt die Jugendfeuerwehr Räume im Feuerwehrhaus. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Jugendlichen sind nah an den Fahrzeugen und Geräten, und es fühlt sich von Anfang an nach „richtiger Feuerwehr" an.

  • Schulungsraum: Für Theorie, Besprechungen, Gruppenarbeit
  • Fahrzeughalle: Für praktische Übungen am Gerät
  • Außengelände: Für Löschangriffe, Sport, Teamspiele
  • Sanitäre Anlagen: Getrennte Umkleiden und WCs

Falls kein eigener Raum verfügbar ist: Gemeindliche Räume (Dorfgemeinschaftshaus, Schule) als Alternative nutzen.

Grundausstattung

KategorieBenötigte AusstattungGeschätzte Kosten
BekleidungJF-Jacke, JF-Helm, Handschuhe (pro Person)80–150 € / Person
ÜbungsmaterialD-Schläuche, Strahlrohre, Pylonen, Leinen200–500 € einmalig
SchulungsmaterialFlipchart/Whiteboard, Präsentationstechnik100–300 € einmalig
Erste-Hilfe-MaterialVerbandkasten, Übungspuppe100–200 € einmalig
ÖffentlichkeitsarbeitFlyer, Banner, T-Shirts200–400 € einmalig
VerwaltungFeuerwehr VerwaltungsprogrammAb 200 € / Jahr

Die Kosten wirken auf den ersten Blick hoch, aber verteilt auf mehrere Jahre und mit Fördermitteln im Rücken ist das gut machbar.

Finanzierung:

  • Gemeindehaushalt (Feuerwehrbudget)
  • Kreiszuschüsse für Jugendarbeit
  • Förderverein der Feuerwehr
  • Landesförderungen für Jugendarbeit
  • Spenden und Sponsoring (lokale Unternehmen)

Häufige Stolpersteine und wie ihr sie vermeidet

Stolperstein 1: Zu wenig Betreuer

Problem: Die Gründung erfolgt mit nur einem Betreuer, der schnell überlastet ist.

Lösung: Startet erst, wenn ihr mindestens 3 Betreuer habt. Plant Vertretungsregelungen für Urlaub und Krankheit ein. Ein ausgebrannter JF-Wart nutzt niemandem.

Stolperstein 2: Zu ambitioniertes Programm

Problem: Der JF-Wart plant Übungen auf dem Niveau einer Mini-Einsatzabteilung. Die 10-Jährigen stehen vor dem Verteiler und verstehen nur Bahnhof.

Lösung: Orientiert euch am Alter und an den Fähigkeiten. 10-Jährige brauchen mehr Spiel, 16-Jährige mehr Feuerwehrtechnik. Mischt Theorie, Praxis und Spaß – dann bleibt die Motivation hoch.

Stolperstein 3: Eltern nicht eingebunden

Problem: Eltern wissen nicht, was in der JF passiert, und verlieren das Vertrauen.

Lösung: Regelmäßige Information per E-Mail oder App, jährliche Elternabende, Einladung zu besonderen Aktionen. Zufriedene Eltern = motivierte Jugendliche.

Stolperstein 4: Bürokratie unterschätzt

Problem: Führungszeugnisse, Versicherung, Einverständniserklärungen – alles liegt in verschiedenen Ordnern oder fehlt ganz. Und wenn die Unfallkasse nachfragt, wird es hektisch.

Lösung: Nutzt von Tag 1 an ein Feuerwehr Verwaltungsprogramm, das alle Dokumente, Mitgliederdaten und Fristen digital verwaltet. So behaltet ihr den Überblick und könnt euch auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Arbeit mit den Jugendlichen.

Stolperstein 5: Fehlende Kommunikation mit der Einsatzabteilung

Problem: Die JF wird als „Sache des JF-Warts" gesehen, die Einsatzabteilung zeigt kein Interesse.

Lösung: Regelmäßige Berichte in der Dienstversammlung, gemeinsame Übungen, und Einbindung von aktiven Kameraden als Gast-Ausbilder. Wenn die Jugendlichen merken, dass auch die „Großen" sich für sie interessieren, stärkt das die Motivation enorm.

Von Tag 1 digital verwalten

Eine der wichtigsten Entscheidungen bei der JF-Gründung: Wie verwaltet ihr eure Mitglieder, Termine und Dokumente? Klar, man kann mit Excel und Papierlisten starten – aber jeder, der das mal gemacht hat, weiß, wie schnell das im Chaos endet.

Was ihr digital verwalten solltet:

BereichAnalog (mühsam)Digital (effizient)
MitgliederdatenKarteikarten, ExcelZentrale Datenbank mit Stammdaten, Kontakten, Dienstgraden
ElternkontakteTelefonliste auf PapierVerknüpfte Kontaktdaten mit E-Mail-Funktion
AnwesenheitUnterschriftenlisteDigitale Erfassung per Klick
TermineAushang im GerätehausOnline-Kalender mit Zu-/Absage
EinverständniserklärungenPapierformulare im OrdnerDigitale Verwaltung mit Fristüberwachung
LehrgängeKopien im OrdnerQualifikationsübersicht mit Erinnerungen
Übergang JF → FFManuelle ÜbergabeAutomatische Dokumentation

Gerade bei der Feuerwehrverwaltung im JF-Bereich zeigt sich der Unterschied zwischen Papier und Software am deutlichsten: Bei 20 Jugendlichen mit jeweils 3 Einverständniserklärungen und Elternkontakten seid ihr schnell bei 100+ Dokumenten, die aktuell und auffindbar sein müssen.

Lest auch unseren Artikel zur digitalen Organisation in der Jugendfeuerwehr für detaillierte Workflows.

Checkliste: Jugendfeuerwehr gründen

Vor der Gründung

  • Nachwuchsbedarf analysiert (Altersstruktur, Prognose)
  • Rückhalt in der Mannschaft gesichert (Dienstversammlung)
  • Gemeindeverwaltung informiert und Unterstützung zugesagt
  • JF-Wart gefunden und qualifiziert (Lehrgang, JuLeiCa)
  • Mindestens 2 weitere Betreuer gewonnen
  • Erweiterte Führungszeugnisse für alle Betreuer beantragt
  • Erste-Hilfe-Kurse für alle Betreuer aktuell
  • Satzung geprüft, ggf. Satzungsänderung beantragt
  • Jugendordnung erstellt
  • Räumlichkeiten und Ausstattung geklärt

Werbung und Gründung

  • Flyer und Werbematerial erstellt
  • Schulen und Gemeinde informiert
  • Pressemitteilung verschickt
  • Informationsabend für Eltern durchgeführt
  • Anmeldeformulare und Einverständniserklärungen vorbereitet
  • Gründungstag organisiert und durchgeführt

Nach der Gründung

  • Jugendliche und Betreuer in Verwaltungssoftware erfasst
  • Anmeldung bei Kreis-/Stadtjugendfeuerwehr
  • Meldung an Landesfeuerwehrverband
  • Versicherungsschutz bestätigt
  • Jahresausbildungsplan erstellt
  • Erster Elternabend terminiert
  • DSGVO-Anforderungen umgesetzt

Fazit

Eine Jugendfeuerwehr zu gründen ist kein Hexenwerk – aber auch kein Selbstläufer. Mit den richtigen Voraussetzungen, einem engagierten Betreuerteam und einer durchdachten Planung legt ihr den Grundstein für die Zukunft eurer Feuerwehr. Die 6 Schritte – Bedarfsermittlung, JF-Wart finden, Satzung anpassen, Betreuerteam aufbauen, Werbung machen und den Gründungstag gestalten – geben euch einen klaren Fahrplan.

Das Wichtigste aber ist: Fangt an! Die beste Jugendfeuerwehr ist die, die gegründet wird – nicht die, die perfekt geplant, aber nie umgesetzt wird. Eure zukünftigen Kameraden warten schon darauf.


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