Jugendfeuerwehr gründen: Schritt-für-Schritt von der Idee bis zum Gründungstag
Wie sieht die Altersstruktur in eurer Wehr aus? Wenn der Blick auf die Mitgliederliste zeigt, dass das Durchschnittsalter Richtung 50 wandert und der letzte Seiteneinsteiger schon drei Jahre zurückliegt, lohnt sich die Frage nach einer eigenen Jugendfeuerwehr. In Deutschland engagieren sich laut DJF-Jahresstatistik 2024 bundesweit 272.745 Jugendliche in 18.446 Jugendfeuerwehren. 48.290 Jugendliche traten 2024 neu in eine Jugendfeuerwehr ein. Das sind keine abstrakten Zahlen, das ist die Nachwuchspipeline, von der aktive Wehren dauerhaft profitieren.
Dieser Leitfaden zeigt, wie ihr eine eigene Jugendfeuerwehr gründet: 6 praxiserprobte Schritte von der ersten Idee bis zum Gründungstag, die formalen Anforderungen, die ihr beachten müsst, und was in den ersten 12 Monaten nach der Gründung wichtig wird. Was eine Jugendfeuerwehr ist und welche Aufgaben sie hat, haben wir in einem eigenen Artikel beschrieben.
Warum jetzt eine Jugendfeuerwehr gründen?
Viele Freiwillige Feuerwehren stehen vor einem Nachwuchsproblem: Die aktiven Mitglieder werden älter, Seiteneinsteiger sind selten, und die Tagesverfügbarkeit sinkt. Eine Jugendfeuerwehr ist die nachhaltigste Lösung, die nicht nur auf dem Papier funktioniert.
Die Nachwuchspipeline: KF → JF → FF
| Station | Alter | Mitglieder bundesweit |
|---|---|---|
| Kinderfeuerwehr (KF) | 6–10 Jahre | 99.589 |
| Jugendfeuerwehr (JF) | 10–18 Jahre | 272.745 |
| Einsatzabteilung (FF) | ab 16–18 Jahre | 1.028.021 |
Mitgliederzahlen KF und JF: DJF-Jahresstatistik 2024. Aktive in den Freiwilligen Feuerwehren (1.028.021, Stand 31.12.2023): DFV-Feuerwehrstatistik.
Belastbare bundesweite Übergangsquoten von KF zu JF und von JF zur Einsatzabteilung gibt es nicht – die DJF erhebt absolute Übertrittszahlen, keine Quoten. Als grobe Erfahrungswerte aus der Praxis werden oft 60–70 % (KF → JF) und 50–60 % (JF → FF) genannt; das sind Schätzungen, keine offizielle Statistik. Klar belegt ist: 2024 wechselten 20.996 Jugendliche aus der JF in die Einsatzabteilung und 12.044 Kinder aus der KF in die JF. Wer eine funktionierende Jugendfeuerwehr hat, kann mit einem stetigen Zustrom an jungen, ausgebildeten Einsatzkräften rechnen. Ohne JF bleibt nur die Hoffnung auf Seiteneinsteiger, und die wird von Jahr zu Jahr dünner.
Was euch eine JF noch bringt
Jugendarbeit ist gemeinnützig und stärkt das Gemeinwesen. Jugendliche, die in der JF aufwachsen, bleiben der Feuerwehr oft ein Leben lang treu. Bei Eintritt in die Einsatzabteilung bringen sie bereits solide Grundkenntnisse mit. Eine aktive JF zeigt dem ganzen Ort, dass die Feuerwehr Zukunft hat. Dazu kommen kommunale und Landesförderungen, die die Finanzierung von Ausrüstung und Ausbildung erleichtern.
Die 6 Schritte zur eigenen Jugendfeuerwehr
Schritt 1: Bedarfsermittlung und Rückhalt in der Wehr
Bevor ihr loslegt, stellt sicher, dass die Gründung auf einem soliden Fundament steht. Nichts ist frustrierender, als mit viel Elan zu starten und dann festzustellen, dass die Unterstützung fehlt.
Bedarfsanalyse:
- Wie viele Jugendliche im Alter von 10–17 Jahren leben im Einzugsgebiet?
- Gibt es bereits eine JF in der Nachbargemeinde, die Mitglieder aufnimmt?
- Haben Eltern, Lehrer oder die Gemeinde Interesse signalisiert?
- Wie ist die Altersstruktur eurer aktiven Mannschaft? Droht in 5–10 Jahren ein Nachwuchsproblem?
Rückhalt sichern:
- Besprecht die Idee im Führungskreis (Wehrführer, Stellvertreter, Zugführer).
- Stellt das Vorhaben in einer Dienstversammlung vor.
- Holt ein Stimmungsbild der Mannschaft ein, ohne breite Unterstützung wird es schwer.
- Informiert den Bürgermeister oder die Gemeindeverwaltung frühzeitig, denn der Genehmigungsbeschluss der Gemeinde ist formal nötig.
Bereitet eine kurze Präsentation vor, die folgende Punkte enthält:
- Aktuelle Altersstruktur eurer Wehr (Durchschnittsalter, Austritte der letzten 5 Jahre)
- Hochrechnung: Wie sieht die Mannschaftsstärke in 10 Jahren ohne JF aus?
- Erfolgsbeispiele von benachbarten JF-Gründungen
- Geschätzter Aufwand (2–4 Stunden pro Woche für den JF-Wart)
- Mögliche Fördermittel und Unterstützung durch Kreis/Land
Harte Zahlen überzeugen erfahrungsgemäß besser als gute Absichten.
Schritt 2: Jugendfeuerwehrwart finden und qualifizieren
Der Jugendfeuerwehrwart (JF-Wart) ist die zentrale Figur der Jugendfeuerwehr. Er oder sie organisiert den JF-Betrieb, führt die Jugendlichen und ist Ansprechpartner für Eltern, Wehrführung und Gemeinde. Die Wahl der richtigen Person entscheidet maßgeblich über den Erfolg.
Anforderungen an den JF-Wart:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Mindestalter | 18 Jahre (in einigen Bundesländern 21) |
| Feuerwehr-Mitgliedschaft | Aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr |
| Erweitertes Führungszeugnis | Pflicht gemäß § 72a SGB VIII |
| Fachliche Qualifikation | Jugendfeuerwehrwart-Lehrgang (Landesfeuerwehrschule oder Kreisebene) |
| Pädagogische Kompetenz | Jugendleiter-Card (JuLeiCa) empfohlen, laut DJF bei Arbeit mit Minderjährigen ein Muss |
| Erste-Hilfe-Ausbildung | Aktueller Erste-Hilfe-Kurs |
| Persönliche Eignung | Geduld, Empathie, Organisationstalent, Vorbild-Funktion |
| Zeitbudget | 4–8 Stunden pro Woche (Übungsabende, Vorbereitung, Verwaltung) |
Der richtige JF-Wart muss nicht der beste Feuerwehrtechniker sein. Viel wichtiger ist, dass er oder sie gut mit Jugendlichen umgehen kann und auch mal ein Auge zudrückt, wenn der Knoten nicht beim ersten Versuch sitzt.
Ausbildung zum JF-Wart:
Die meisten Bundesländer bieten über die Landesfeuerwehrschule oder den Landesfeuerwehrverband spezielle Lehrgänge an. Der Jugendfeuerwehrwart wird formal vom Wehrführer eingesetzt und untersteht dessen fachlicher Aufsicht.
- JF-Wart-Grundlehrgang: 2–5 Tage (Pädagogik, Recht, Organisation)
- Jugendleiter-Card (JuLeiCa): mind. 30 Zeitstunden (rund 40 Lerneinheiten), bundesweit anerkannt
- Fortbildungen: Jährliche Seminare zu Themen wie Motivation, Medienkompetenz, Erste Hilfe am Kind
Das Feuerwehrmagazin empfiehlt, für die Jugendarbeit mindestens fünf Kameraden zu gewinnen, darunter zwei ausgebildete JF-Warte, damit Urlaub und Krankheit abgefedert werden können.
Schritt 3: Satzungsanpassung und Gründungsbeschluss
Die Gründung einer Jugendfeuerwehr muss formal beschlossen und satzungsrechtlich verankert werden. Zwei Voraussetzungen sind laut DJF zwingend: Die Zustimmung des Leiters der Feuerwehr und ein Genehmigungsbeschluss der Gemeinde. Ohne diese beiden Freigaben kann keine Jugendfeuerwehr offiziell gegründet werden.
Schritte im Überblick:
- Zustimmung einholen: Wehrführer erteilt formal seine Zustimmung zur Gründung.
- Satzung prüfen: Enthält die Feuerwehr-Satzung bereits eine Regelung zur Jugendfeuerwehr? Falls nicht, Satzungsänderung beim Träger (Gemeinde/Stadt) beantragen.
- Gründungsbeschluss: Formaler Beschluss in der Mitgliederversammlung oder durch den Feuerwehrausschuss, mit anschließendem Genehmigungsbeschluss der Gemeinde.
- Jugendordnung erstellen: Regelt Aufnahme, Pflichten, Rechte, Dienstbetrieb und Ausschluss. Die Jugendordnung muss vom zuständigen Stadt- oder Kreisfeuerwehrverband bestätigt werden.
- Anmeldung bei der DJF: Nach Gründung erfolgt die Anmeldung mit Unterschrift des Dienstherrn über die Landesjugendfeuerwehr bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF).
Muster-Jugendordnung – Kernpunkte:
- Aufnahmealter (in den meisten Bundesländern ab 10 Jahren, je nach Landesrecht)
- Höchstalter bzw. Übergangsregelung in die Einsatzabteilung (16–18 Jahre je nach Bundesland)
- Rechte der Jugendlichen (Mitbestimmung, Wahlen)
- Pflichten (Teilnahme am Übungsdienst, Verhalten)
- Betreuerschlüssel
- Versicherungsschutz
- Ausschlussregelungen
Die Deutsche Jugendfeuerwehr stellt auf ihrer Website Mustersatzungen und Ordnungen bereit, die als Vorlage dienen können. Nehmt diese als Basis und passt sie an eure lokalen Gegebenheiten an. Da die Regelungen nach Bundesland variieren, lohnt sich ein frühzeitiger Kontakt zur zuständigen Landesjugendfeuerwehr.
Schritt 4: Betreuerteam aufbauen
Ein JF-Wart allein kann keine Jugendfeuerwehr betreiben. Ihr braucht ein Team, auf das ihr euch verlassen könnt.
Mindest-Teamstärke:
| Gruppengröße | Mindest-Betreuer | Empfohlene Betreuer |
|---|---|---|
| Bis 10 Jugendliche | 2 | 3 |
| 11–15 Jugendliche | 3 | 4 |
| 16–20 Jugendliche | 3 | 4–5 |
| 21–30 Jugendliche | 4 | 5–6 |
| Über 30 | 5+ | Zweite Gruppe erwägen |
Plant dabei immer eine Reserve ein. Wenn der JF-Wart im Urlaub ist und gleichzeitig ein Betreuer krank wird, muss der Übungsabend trotzdem stattfinden. Regelmäßige Absagen sind der schnellste Weg, Jugendliche zu verlieren.
Wo findet ihr Betreuer?
- Aktive Feuerwehrmitglieder, die Freude an der Arbeit mit Jugendlichen haben
- Ehemalige JF-Mitglieder, die etwas zurückgeben wollen
- Eltern der JF-Jugendlichen (auch ohne Feuerwehrmitgliedschaft als Helfer)
- Pädagogische Fachkräfte aus der Gemeinde
- Kooperationen mit Sportvereinen oder anderen Jugendorganisationen
Alle Betreuer benötigen:
- Erweitertes Führungszeugnis (§ 72a SGB VIII – Pflicht bei Arbeit mit Minderjährigen)
- Erste-Hilfe-Kurs
- Jugendleiter-Card (JuLeiCa)
- Einweisung in die Jugendordnung und Aufsichtspflicht
Hinweise zur pädagogischen Begleitung und zur Ausbildung von Betreuern findet ihr im Artikel Jugendarbeit in der Feuerwehr: Pädagogik für Betreuer.
Schritt 5: Informationsveranstaltung und Werbung
Jetzt wird es öffentlich: Ihr müsst Jugendliche und deren Eltern für die neue Jugendfeuerwehr begeistern. Feuerwehr verkauft sich fast von allein, wenn man es richtig anstellt.
Werbekanäle:
| Kanal | Zielgruppe | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Flyer an Schulen | Jugendliche 10–14 | Hoch | Mittel |
| Plakate im Ort | Alle | Mittel | Gering |
| Lokale Presse | Eltern, Öffentlichkeit | Hoch | Gering |
| Social Media | Jugendliche, Eltern | Hoch | Mittel |
| Tag der offenen Tür | Jugendliche, Familien | Sehr hoch | Hoch |
| Gemeindeblatt | Eltern, Senioren | Mittel | Gering |
| Mundpropaganda | Freunde, Nachbarn | Sehr hoch | Gering |
| Schulbesuche | Jugendliche | Sehr hoch | Mittel |
Schulbesuche mit einem echten Feuerwehrfahrzeug sind erfahrungsgemäß besonders wirkungsvoll. Wenn Kameraden in Schutzausrüstung auf dem Schulhof stehen und die Jugendlichen das Strahlrohr halten dürfen, entstehen mehr Anmeldungen als Plätze.
Informationsveranstaltung für Eltern:
Plant einen Elternabend, bevor der JF-Betrieb startet:
- Vorstellung des JF-Warts und des Betreuerteams
- Was ist die Jugendfeuerwehr? (Ziele, Inhalte, Ablauf)
- Organisatorisches: Termine, Treffpunkt, Kleidung, Versicherung
- Einverständniserklärungen und Anmeldeformulare
- Fragen und Antworten
- Optional: Führung durch das Feuerwehrhaus
Schritt 6: Gründungstag und Anmeldung bei der DJF
Der Gründungstag ist der feierliche Start der Jugendfeuerwehr. Gestaltet ihn so, dass er den Jugendlichen in Erinnerung bleibt. Für viele ist das der erste Tag, an dem sie wirklich zur Feuerwehr gehören.
Gründungstag planen:
- Feierliche Eröffnung mit Wehrführer und Bürgermeister
- Vorstellung des Betreuerteams
- Erstes Kennenlernen: Teamspiele und Stationen im Feuerwehrhaus
- Rundgang und Fahrzeugschau
- Einkleidung mit JF-Shirt oder -Jacke
- Fototermin für die Presse und die eigene Öffentlichkeitsarbeit
- Eltern einbinden (Kaffee, Kuchen, Gespräche)
Formale Schritte nach der Gründung:
- Anmeldung bei der Kreis-/Stadtjugendfeuerwehr
- Meldung an den Landesfeuerwehrverband
- Registrierung bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) über die Landesjugendfeuerwehr
- Versicherungsschutz bestätigen lassen (Feuerwehr-Unfallkasse)
- Jugendliche und Betreuer in der Feuerwehrverwaltung erfassen
Die ersten 12 Monate: Programmplanung
Nach der Gründung beginnt die eigentliche Arbeit: ein abwechslungsreiches, motivierendes Programm auf die Beine stellen. Nichts ist schlimmer als Jugendliche, die nach dem dritten Übungsabend sagen: War langweilig. Hier ein Muster-Jahresplan für das erste JF-Jahr:
| Monat | Thema | Schwerpunkt | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Monat 1 | Kennenlernen & Teambuilding | Gruppenspiele, Regeln, Erwartungen | Gründungs-Rallye durchs Feuerwehrhaus |
| Monat 2 | Feuerwehr-Grundwissen | Geschichte, Organisation, Dienstgrade | Quiz mit kleinen Preisen |
| Monat 3 | Fahrzeug- und Gerätekunde | Fahrzeuge erkunden, Schläuche auslegen | Praxis am Fahrzeug |
| Monat 4 | Erste Hilfe für Jugendliche | Stabile Seitenlage, Verbände, Notruf | Praxis-Stationen |
| Monat 5 | Knoten und Leinen | Wichtige Knoten, Leinenkunde | Knoten-Wettbewerb |
| Monat 6 | Sport & Teamwork | Staffelspiele, Hindernisparcours | Gemeinsam mit Nachbar-JF |
| Monat 7 | Brandschutzerziehung | Brennen und Löschen, Löschmittel | Experimente (Fettbrand-Demo) |
| Monat 8 | Ausflug / Sommeraktion | Zeltlager, Besuch BF oder Leitstelle | Highlight des Jahres |
| Monat 9 | Löschangriff Teil 1 | Wasserversorgung, Rollen, Kommandos | Erste echte Übung |
| Monat 10 | Löschangriff Teil 2 | Vertiefung, Geschwindigkeit | Mini-Wettbewerb intern |
| Monat 11 | Technische Hilfe | Einfache TH, Verkehrsabsicherung | Altersgerecht anpassen |
| Monat 12 | Jahresrückblick & Feier | Statistiken, Ehrungen, Geselligkeit | Weihnachtsfeier oder Winterwanderung |
Was wirklich zählt: Abwechslung zwischen Theorie, Praxis und Spaß. Außerdem solltet ihr diese Punkte fest einplanen:
- Zwei Elternabende (zu Beginn und zur Jahresmitte)
- Mindestens einen Ausflug oder eine besondere Aktion
- Teilnahme an einem Gemeindefest oder Tag der offenen Tür
- Gemeinsame Übung mit der Einsatzabteilung (Jugendliche als Zuschauer oder Statisten)
Räume und Ausstattung
Räumlichkeiten
Idealerweise nutzt die Jugendfeuerwehr Räume im Feuerwehrhaus. Die Jugendlichen sind nah an den Fahrzeugen und Geräten, und der Alltag fühlt sich von Anfang an nach echter Feuerwehr an. Ihr braucht einen Schulungsraum für Theorie und Besprechungen, Zugang zur Fahrzeughalle für praktische Übungen, ein Außengelände für Löschangriffe und Teamspiele sowie getrennte sanitäre Anlagen. Falls im Feuerwehrhaus kein eigener Raum verfügbar ist, können gemeindliche Räume wie Dorfgemeinschaftshaus oder Schule als Alternative dienen.
Grundausstattung
| Kategorie | Benötigte Ausstattung | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| Bekleidung | JF-Jacke, JF-Helm, Handschuhe (pro Person) | 80–150 € / Person |
| Übungsmaterial | D-Schläuche, Strahlrohre, Pylonen, Leinen | 200–500 € einmalig |
| Schulungsmaterial | Flipchart/Whiteboard, Präsentationstechnik | 100–300 € einmalig |
| Erste-Hilfe-Material | Verbandkasten, Übungspuppe | 100–200 € einmalig |
| Öffentlichkeitsarbeit | Flyer, Banner, T-Shirts | 200–400 € einmalig |
| Verwaltung | Feuerwehr Verwaltungsprogramm | Ab 200 € / Jahr |
Die Kosten wirken auf den ersten Blick hoch, aber verteilt auf mehrere Jahre und mit Fördermitteln im Rücken ist das gut machbar.
Für die Finanzierung stehen typischerweise der Gemeindehaushalt, Kreiszuschüsse für Jugendarbeit, der Förderverein der Feuerwehr, Landesförderungen sowie Spenden und Sponsoring lokaler Unternehmen zur Verfügung.
Häufige Stolpersteine und wie ihr sie vermeidet
Stolperstein 1: Zu wenig Betreuer
Problem: Die Gründung erfolgt mit nur einem Betreuer, der schnell überlastet ist.
Lösung: Startet erst, wenn ihr mindestens 3 Betreuer habt. Plant Vertretungsregelungen für Urlaub und Krankheit ein. Ein ausgebrannter JF-Wart nutzt niemandem.
Stolperstein 2: Zu ambitioniertes Programm
Problem: Der JF-Wart plant Übungen auf dem Niveau einer Mini-Einsatzabteilung. Die 10-Jährigen stehen vor dem Verteiler und verstehen nur Bahnhof.
Lösung: Orientiert euch am Alter und an den Fähigkeiten. 10-Jährige brauchen mehr Spiel, 16-Jährige mehr Feuerwehrtechnik. Mischt Theorie, Praxis und Spaß, dann bleibt die Motivation hoch.
Stolperstein 3: Eltern nicht eingebunden
Problem: Eltern wissen nicht, was in der JF passiert, und verlieren das Vertrauen.
Lösung: Regelmäßige Information per E-Mail oder App, jährliche Elternabende, Einladung zu besonderen Aktionen. Zufriedene Eltern sorgen für motivierte Jugendliche.
Stolperstein 4: Bürokratie unterschätzt
Problem: Führungszeugnisse, Versicherung, Einverständniserklärungen liegen in verschiedenen Ordnern oder fehlen. Wenn die Unfallkasse nachfragt, wird es hektisch.
Lösung: Nutzt von Tag 1 an ein Feuerwehr-Verwaltungsprogramm, das alle Dokumente, Mitgliederdaten und Fristen digital verwaltet. So bleibt der Überblick erhalten und die eigentliche Arbeit mit den Jugendlichen rückt in den Mittelpunkt.
Stolperstein 5: Fehlende Kommunikation mit der Einsatzabteilung
Problem: Die JF wird als Sache des JF-Warts gesehen, die Einsatzabteilung zeigt kein Interesse.
Lösung: Regelmäßige Berichte in der Dienstversammlung, gemeinsame Übungen und aktive Kameraden als Gast-Ausbilder einbinden. Wenn die Jugendlichen merken, dass sich auch die Großen für sie interessieren, stärkt das die Motivation.
Digitale Verwaltung: Von Tag 1 den Überblick behalten
Ob Mitgliederdaten, Elternkontakte oder Einverständniserklärungen: Bei 20 Jugendlichen mit jeweils mehreren Dokumenten und Fristen kommt man mit Papierlisten schnell ins Chaos. Ein Feuerwehr-Verwaltungsprogramm mit eigenem JF-Bereich löst das von Anfang an. Wie ihr die digitale Organisation der Jugendfeuerwehr konkret aufbaut, Workflows einrichtet und Abläufe standardisiert, zeigt der Artikel Digitale Organisation in der Jugendfeuerwehr.
Checkliste: Jugendfeuerwehr gründen
Vor der Gründung
- Nachwuchsbedarf analysiert (Altersstruktur, Prognose)
- Rückhalt in der Mannschaft gesichert (Dienstversammlung)
- Zustimmung des Wehrführers eingeholt
- Gemeindeverwaltung informiert und Genehmigungsbeschluss initiiert
- JF-Wart gefunden und qualifiziert (Lehrgang, JuLeiCa)
- Mindestens 2 weitere Betreuer gewonnen
- Erweiterte Führungszeugnisse für alle Betreuer beantragt
- Erste-Hilfe-Kurse für alle Betreuer aktuell
- Satzung geprüft, ggf. Satzungsänderung beantragt
- Jugendordnung erstellt und vom Kreisfeuerwehrverband bestätigt
- Räumlichkeiten und Ausstattung geklärt
Werbung und Gründung
- Flyer und Werbematerial erstellt
- Schulen und Gemeinde informiert
- Pressemitteilung verschickt
- Informationsabend für Eltern durchgeführt
- Anmeldeformulare und Einverständniserklärungen vorbereitet
- Gründungstag organisiert und durchgeführt
Nach der Gründung
- Jugendliche und Betreuer in Verwaltungssoftware erfasst
- Anmeldung bei Kreis-/Stadtjugendfeuerwehr
- Meldung an Landesfeuerwehrverband
- Anmeldung bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) über Landesjugendfeuerwehr
- Versicherungsschutz bestätigt
- Jahresausbildungsplan erstellt
- Erster Elternabend terminiert
- DSGVO-Anforderungen umgesetzt
Häufige Fragen
Wer muss der Gründung einer Jugendfeuerwehr zustimmen?
In der Regel braucht es den Rückhalt der Wehrführung und einen Beschluss des Trägers, also der Gemeinde. Dazu kommt eine vom zuständigen Gremium bestätigte Jugendordnung. Die genauen Schritte richten sich nach dem Landesrecht und der Satzung eurer Wehr.
Ab welchem Alter können Kinder in die Jugendfeuerwehr?
Das Eintrittsalter ist Ländersache und liegt meist zwischen 8 und 10 Jahren, der Übertritt in die Einsatzabteilung erfolgt je nach Land mit 16 bis 18. Maßgeblich ist das Feuerwehrgesetz eures Bundeslands.
Wie viele Betreuer braucht eine Jugendfeuerwehr?
Mindestens zwei, schon wegen des Vier-Augen-Prinzips und der Aufsichtspflicht. Alle Betreuenden brauchen ein erweitertes Führungszeugnis nach § 72a SGB VIII. Wie viele es konkret sein sollten, hängt von der Gruppengröße und den Aktivitäten ab.
Was kostet die Gründung einer Jugendfeuerwehr?
Die größten Posten sind Schutzkleidung und Grundausstattung. Vieles lässt sich über den Träger, den Förderverein oder Zuschüsse abdecken. Plant die Erstausstattung früh ein und klärt die Finanzierung mit der Gemeinde, bevor ihr startet.
Fazit
Wer eine Jugendfeuerwehr gründen will, braucht den Rückhalt der Wehrführung, ein Betreuerteam mit erweitertem Führungszeugnis, die Zustimmung der Gemeinde und eine bestätigte Jugendordnung. Die 6 Schritte in diesem Leitfaden geben den Fahrplan. Den Rest lernt ihr beim Machen.
Eure Jugendfeuerwehr digital verwalten, von Anfang an.
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