Zurück zum Blog
Jugendfeuerwehr23. Februar 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion6 Min. Lesezeit

Jugendarbeit in der Feuerwehr: Pädagogik für Betreuende

Lernziele, Gruppenführung, Aufsicht und Kinderschutz: ein praktischer Arbeitsrahmen für das Betreuungsteam der Jugendfeuerwehr.

Jugendarbeit in der Feuerwehr: Pädagogik für Betreuende

Wer in der Jugendfeuerwehr betreut, vermittelt Feuerwehrwissen und gestaltet zugleich Jugendarbeit. Das gelingt mit verständlichen Aufgaben, Beteiligung, klaren Regeln für Aufsicht und Schutz und einem Team, das sich Arbeit teilt. Der Artikel gibt einen praktischen Rahmen dafür, vom Lernziel bis zur Nachbesprechung, mit Checkliste am Ende. Niemand muss jedes pädagogische Problem allein lösen; wichtig ist, die eigenen Grenzen zu kennen und Unterstützung zu holen.

Den Auftrag im Team klären

Schreibt zunächst auf, was eure Jugendfeuerwehr leisten soll: sichere Lernangebote, Gemeinschaft, Mitsprache und Einblicke in die Feuerwehr. Der spätere Wechsel in die Einsatzabteilung kann eine Perspektive sein, ist aber keine Pflicht. Wie ihr den Rahmen Familien erklärt, zeigt der Artikel Was ist eine Jugendfeuerwehr?.

Die DJF stellt ein Bildungsprogramm mit pädagogischen, rechtlichen und organisatorischen Themen bereit. Das Kapitel Methodik und Didaktik behandelt die Gestaltung von Lernprozessen. Passt die folgenden Abläufe an euren Ausbildungsstand und die örtlichen Vorgaben an.

Ein Lernziel statt einer Materialschlacht

Eine Stunde ist nicht automatisch gelungen, weil viele Geräte auf dem Hof lagen. Formuliert ein Ziel, das Jugendliche am Ende selbst zeigen oder erklären können. Beispielsweise: „Ich kann einen Ort so beschreiben, dass jemand ihn auf unserer Karte findet.“ Das führt zu einer anderen Planung als „Wir machen heute Kartenkunde“.

PlanungsschrittFrageBeispiel
ZielWas soll danach möglich sein?Drei Kartenzeichen erklären
EinstiegWoran kann die Gruppe anknüpfen?Bekannten Weg vom Eingang beschreiben
ErklärungWas muss gezeigt werden?Karte ausrichten und Legende nutzen
ÜbungWas machen die Jugendlichen selbst?Markierten Punkt finden
RückmeldungWoran erkennen wir Verständnis?Weg einer anderen Gruppe erklären
AbschlussWas nehmen wir mit?Einen hilfreichen Hinweis benennen

Wählt Material nach dem Ziel. Ein kurzer Tischplan kann für einen ersten Schritt geeigneter sein als ein großes Gelände. Eine ausgearbeitete Stunde dazu steht im Artikel zur Kartenkunde.

Unterschiedliche Lernstände berücksichtigen

Fragt vor der Übung, wer das Thema schon kennt und wer es erstmals ausprobiert. Bildet kleine Gruppen mit erreichbaren Aufgaben. Ältere sind nicht automatisch in allem sicherer; neue Jugendliche bringen möglicherweise eigene Vorkenntnisse mit.

Zeigt einen Ablauf langsam und zerlegt ihn in Schritte. Lasst die Erklärung mit eigenen Worten wiederholen. Bei Schwierigkeiten verändert ihr zunächst Methode oder Umfang: Bild statt Text, größere Übungsleine, weniger Teilaufgaben oder zusätzliche Wiederholung. Eine unterschiedliche Aufgabe kann dasselbe Lernziel haben.

Für erfahrene Mitglieder eignet sich eine zusätzliche Erklärrolle. Ein Jugendlicher zeigt beispielsweise einen bekannten Knoten und ein anderer prüft, ob die Beschreibung verständlich war. Die verantwortliche Betreuungsperson begleitet das und korrigiert fachliche Fehler. Zugängliche Varianten beschreibt der Artikel zur Inklusion.

Regeln gemeinsam formulieren

Erarbeitet kurze Verhaltensregeln mit Beispielen: Wir lassen ausreden. Niemand wird wegen eines Fehlers ausgelacht. Wer eine Pause braucht, sagt der Betreuungsperson Bescheid. Bei einem Stoppsignal wird sofort unterbrochen.

Klärt dabei, welche Regeln feststehen und welche die Gruppe gestalten kann. Die Sicherheitsgrenze ist nicht Gegenstand einer Mehrheitsabstimmung. Die Auswahl eines erreichbaren Projektthemas kann hingegen bei den Jugendlichen liegen. Wie ihr einen Jugendsprecher wählt, steht im Artikel zur Jugendsprecherwahl.

Aufsicht als fortlaufende Aufgabe

Aufsicht ist mehr als eine unterschriebene Anwesenheitsliste. Die DJF beschreibt im Kapitel Aufsichtspflicht, wie ihr Gefahren prüft und im Gruppenbetrieb Verantwortung übernehmt.

Legt vor dem Dienst fest, ab wann und wo die Gruppe übernommen wird, wer sie bei einer Unterbrechung betreut und wie die Abholung erfolgt. Eine Person kontrolliert die tatsächliche Anwesenheit. Wenn eine Betreuungsperson Erste Hilfe leistet, muss die übrige Gruppe weiter beaufsichtigt werden können.

Ein Jugendlicher als Stationshelfer ersetzt diese Planung nicht. Auch ein „Passt auf“ macht eine riskante Aufgabe nicht sicher. Wählt Tätigkeiten, die das Team mit den vorhandenen Betreuenden sicher begleiten kann. Fehlen die Voraussetzungen, ändert ihr das Programm oder sagt ab.

Qualifikation und Führungszeugnis örtlich klären

Erkundigt euch bei Landesjugendfeuerwehr, Träger und zuständiger Ausbildungsstelle nach den benötigten Lehrgängen. Ein Jugendwartlehrgang und eine Juleica-Ausbildung können sich ergänzen; sie sind nicht ohne Prüfung automatisch gleichwertig. Inhalte, Anerkennung und Fortbildungspflichten unterscheiden sich je nach Land.

Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten knüpft § 72a SGB VIII die Einsichtnahme in Führungszeugnisse an Art, Intensität und Dauer des Kontakts und die einschlägigen Vereinbarungen. Eine bundesweit einheitliche Frist für die erneute Vorlage steht dort nicht. Quelle: § 72a SGB VIII.

Fragt deshalb konkret: Wer prüft welche Tätigkeiten? Wer nimmt Einsicht? Welche Dokumentation ist zulässig? Wann ist die nächste Prüfung vorgesehen? Ein Führungszeugnis ergänzt ein Schutzkonzept, ersetzt es aber nicht.

Schutz und Beschwerden praktisch erreichbar machen

Nennt eine verständliche Kontaktmöglichkeit für Jugendliche, auch außerhalb der unmittelbaren Betreuungssituation. Besprecht Regeln für Nähe, Umkleiden, Fotos und private Nachrichten. Die Kindeswohl-Materialien der DJF bieten dafür fachliche Orientierung.

Wenn ein Jugendlicher von einem Übergriff erzählt, hört ruhig zu, nehmt ihn ernst und versprecht keine absolute Geheimhaltung. Notiert sachlich, was gesagt wurde, und folgt dem Schutz- und Meldeweg des Trägers. Führt keine eigene Ermittlung durch. Bei einer unmittelbaren Gefahr geht Schutz vor weiterer Übungsplanung. Konkrete Schritte beschreibt der Beitrag zu Konflikten und Mobbing.

Erste Hilfe organisatorisch vorbereiten

Klärt, wer qualifiziert Hilfe leisten kann, wo das Material liegt und wie Rettungskräfte den Übungsort erreichen. Notfallkontakte müssen im erforderlichen Umfang verfügbar sein. Medizinische Maßnahmen führt nur durch, wer dafür aktuell ausgebildet ist. Das BBK empfiehlt, Erste-Hilfe-Kenntnisse zu lernen und aufzufrischen.

Trennt bei Übungen klar zwischen Simulation und echtem Ereignis. Im Rollenspiel wählt niemand die 112. Handgriffe am Körper übt ihr nur unter qualifizierter Anleitung, die Wiederbelebung an einer Übungspuppe.

Belastung im Betreuungsteam begrenzen

Listet die Aufgaben auf, statt Wochenstunden zu schätzen. Verteilt Planung, Material, Familienkommunikation und Nachbereitung. Benennt jeweils eine Vertretung. Vereinbart, zu welchen Zeiten normale Anfragen beantwortet werden und welcher Kontakt für dringende Änderungen gilt.

Wenn jemand wiederholt weder Vorbereitung noch Erholung schafft, besprecht den Umfang früh. Eine kleinere, zuverlässige Veranstaltung kann besser zur Gruppe passen als ein Großprojekt, das das Team überlastet. Bei anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden ist professionelle Unterstützung sinnvoll.

Kurze Nachbesprechung nach jedem Dienst

Fragt Jugendliche nach einem hilfreichen und einem schwierigen Moment. Im Team prüft ihr anschließend Ziel, Aufsicht und Beteiligung. Haltet eine konkrete Änderung fest: kürzere Erklärung, anderes Material oder eine klarere Aufgabe. Bewertet nicht die Person, sondern das beobachtete Verhalten und die Gestaltung der Situation.

Arbeitscheck für den nächsten Abend

  • Erreichbares Lernziel benannt
  • Erklärung, eigenes Üben und Rückmeldung eingeplant
  • Zugängliche Alternative vorbereitet
  • Aufsicht, Übergabe und Notfallorganisation geklärt
  • Schutz- und Beschwerdeweg bekannt
  • Zuständigkeiten und Vertretung verteilt
  • Nachbesprechung mit einer umsetzbaren Verbesserung vorgesehen
Jugendarbeit in der FeuerwehrJugendwart PädagogikBetreuer Jugendfeuerwehr AufsichtspflichtKinderschutz JugendfeuerwehrFührungszeugnis Jugendfeuerwehr
Aus der Theorie in die Praxis

Jugendfeuerwehr digitalisieren

Übungsabende planen, Betreuer einbinden, Erziehungsberechtigte mit Eltern-Login — alles zentral für Ihre JF.