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Freiwillige Feuerwehr20. Mai 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion6 Min. Lesezeit

Führungsstile in der Feuerwehr: klar führen und beteiligen

Wann eine klare Anweisung nötig ist, wann Beteiligung und Delegation besser passen: Führung in Einsatz, Ausbildung und Ehrenamt mit Gesprächsbeispielen.

Führungsstile in der Feuerwehr: klar führen und beteiligen

Bei akuter Gefahr gibt es keine Abstimmung, dann braucht es eine eindeutige Anweisung. Im Übungs- und Dienstbetrieb sieht es anders aus: Ehrenamtliche wollen verstehen, warum etwas gemacht wird, mitreden und Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen. Gute Führung wechselt deshalb je nach Lage zwischen anweisen, anleiten, beteiligen und delegieren. Welche Form passt, zeigen drei Fragen: Was steht fest? Wer weiß was? Wer entscheidet? Der Artikel erklärt das an Beispielen aus Einsatz, Übung und Vereinsalltag.

Einsatzführung fachlich verankern

Die FwDV 100 beschreibt das Führungssystem und den Führungsvorgang mit Lagefeststellung, Planung und Befehlsgebung. Führung reagiert auf neue Lageinformationen. Eine klare Hierarchie schließt nicht aus, dass jemand eine Gefahr, ein fehlendes Mittel oder einen nicht durchführbaren Auftrag meldet. Wer eine solche Rückmeldung als Ungehorsam behandelt, verliert Informationen, die er oder sie braucht.

Ein Auftrag muss verständlich sein und zur Aufgabe passen. Wer ihn ausführt, braucht einen kurzen Weg, um Hindernisse zu melden. Das gilt im Einsatz genauso wie im Übungsdienst.

Vier Situationen, vier Verhaltensweisen

SituationSinnvolles VerhaltenGrenze
Akute Gefahr im DienstTätigkeit stoppen, Grund und sicheren Zustand nennenBeteiligung ersetzt kein sofortiges Handeln
Neues Mitglied lerntVormachen, erklären, begleitet üben lassenNicht ohne die nötigen Voraussetzungen selbstständig einsetzen
Erfahrene Person übernimmt eine AufgabeZiel und Entscheidungsrahmen vereinbarenVertretung und Ergebniskontrolle erhalten
Mannschaft plant TermineOptionen und Einschränkungen offenlegen, Vorschläge sammelnFachliche Zuständigkeit und Sicherheitsregeln bleiben bestehen

Anweisen, ohne abzuwerten

Bei einer Übung kommt jemand zu nahe an ein rangierendes Fahrzeug. „Stopp, Abstand zum Fahrzeug, wir sichern zuerst den Bereich“ nennt Handlung und Grund. „Du kannst wohl gar nichts“ wertet die Person ab und hilft nicht.

Erst wenn die Lage sicher ist, klärt ihr, wie es dazu kam: fehlende Einweisung, unklare Absperrung, missverständliche Zeichen? Ein konkretes Lernformat dafür ist die Einweiserübung.

Anleiten beim Lernen

Fragt zuerst, ob jemand die Aufgabe kennt, versteht und schon sicher ausgeführt hat. Danach richtet ihr die Unterstützung aus. Auch erfahrene Mitglieder sind an einem neuen Gerät Anfänger. Aus einem einzelnen Fehler wird kein Etikett.

So geht ihr vor:

  1. Ablauf einmal langsam zeigen und die Kontrollpunkte nennen.
  2. Die Person den Auftrag in eigenen Worten wiederholen lassen.
  3. Begleitet üben lassen, dann mit Rückmeldung wiederholen.
  4. Erst danach selbstständig einsetzen.

Geprüft wird an beobachtbaren Handlungen, nicht an Lautstärke oder Dienstalter.

Beteiligung mit klarem Rahmen

Eine Beteiligungsrunde braucht vorab vier Antworten: Was steht fest? Worüber können wir entscheiden? Wer trifft am Ende die Entscheidung? Bis wann brauchen wir Beiträge? Muss die Gemeinde eine Beschaffung freigeben, ist eine interne Abstimmung kein Kaufbeschluss.

Ein Beispiel: Mitglieder wünschen kürzere Übungsabende. Die Ausbildungsleitung kann Dauer und Uhrzeit prüfen. Notwendige Inhalte und Voraussetzungen kann sie nicht streichen, nur weil sie unbeliebt sind. Die gemeinsame Frage lautet: Wie decken wir den Bedarf unter den vorhandenen Bedingungen sinnvoll ab?

Sammelt Vorschläge auch außerhalb großer Runden, zum Beispiel schriftlich oder im Gespräch zu zweit. Nach der Entscheidung erklärt ihr, welche Vorschläge berücksichtigt wurden und welche nicht, jeweils mit sachlichem Grund. Legt fest, wann ihr die Lösung prüft. Ein Dienstplan kann Wünsche aufnehmen und trotzdem die verbindlichen Ausbildungsbedarfe erfüllen.

Delegieren

Vereinbart bei jeder übertragenen Aufgabe vier Dinge: Ergebnis, Rahmen, Mittel und Rückmeldung. Die übernehmende Person muss wissen, wo sie selbst entscheidet. Das Ziel kann feststehen, während der Weg innerhalb der fachlichen Grenzen offen ist.

Greift ihr später ein, erklärt Anlass und Grenze. Sonst entsteht der Eindruck, Eigeninitiative werde grundsätzlich zurückgenommen. Eine vereinbarte Rückmeldung zum Ergebnis ist etwas anderes als Kontrolle jedes Handgriffs. Bei Sicherheit und verbindlichen Fristen bleibt Kontrolle nötig. Für Verwaltungsaufgaben heißt Delegieren auch: Die übernehmende Person bekommt eigene Rechte für genau diese Aufgabe, etwa über Funktionen mit passenden Zugriffsrechten, statt ein fremdes Konto zu nutzen. Wie ihr Aufgaben nachvollziehbar übergebt, steht in Aufgaben übergeben.

Rückmeldung, die Lernen ermöglicht

Beschreibt zuerst, was ihr beobachtet habt, dann die Wirkung und danach den nächsten Schritt. Ein Beispiel: „Der Auftrag nannte keinen Ort. Die Gruppe musste zweimal nachfragen. Beim nächsten Durchgang verwenden wir die abgestimmte Ortsbezeichnung.“ Das lässt sich prüfen.

Fragt anschließend, welche Information die Person hatte und wie sie den Auftrag verstanden hat. Meldet sie eine relevante Gefahr, wird sie fachlich bewertet. Verlangt ein Vorfall einen eigenen Meldeweg, bleibt der bestehen. Eine Lernrunde ersetzt keine formale Bearbeitung.

Konflikt oder Grenzverletzung?

Bei einer Sachauseinandersetzung hört ihr beide Seiten und klärt die beobachtbaren Auswirkungen. Bei Drohungen, Diskriminierung oder Sicherheitsverstößen braucht es den vorgesehenen Schutz- und Meldeweg. „Wir sind eine Familie“ darf nicht dazu dienen, Betroffene vom Melden abzuhalten.

Gespräche bleiben vertraulich, soweit die Bearbeitung es erlaubt. Versprecht keine absolute Geheimhaltung, wenn ihr eine Gefahr weitergeben müsst. Jede vereinbarte Maßnahme erhält eine Zuständigkeit und einen Termin zur Überprüfung.

Fachliche Rolle und Beziehungsebene

Wertschätzend zu führen bedeutet nicht, Verantwortung zu verwischen. Eine Führungskraft kann freundlich sein und trotzdem eine Tätigkeit stoppen oder eine fehlende Voraussetzung benennen. Die Begründung gehört zur Sache, nicht zur Person.

Umgekehrt macht ein Dienstgrad niemanden zur Fachperson für jede pädagogische, technische oder rechtliche Frage. Zieht passende Fachleute hinzu, und nennt die Grenze der eigenen Zuständigkeit offen.

Was Führungsmodelle leisten

Begriffe wie situativ, kooperativ oder dienend sind Gesprächshilfen. Ergebnisse aus Unternehmen lassen sich nicht ohne Weiteres auf eine Freiwillige Feuerwehr übertragen. Ein einfacher Kreislauf funktioniert dagegen überall: Was wollten wir erreichen? Was haben wir beobachtet? Was ändern wir? Wann prüfen wir die Änderung? Er ersetzt allerdings nicht die eingeführten Feuerwehrdienstvorschriften.

Führung gemeinsam überprüfen

Eine Übungsnachbesprechung liefert Beispiele für Kommunikation. Fragt dort, ob Aufträge verstanden wurden und Rückmeldungen ankamen. Für kleine Führungsrunden reicht ein konkreter Vorgang: Was war der Auftrag, welche Information kam zurück, was haben wir angepasst, was ist offen? Notiert einen nächsten Schritt und prüft ihn zum vereinbarten Termin. So besprecht ihr Abläufe, nicht Charaktere. Für den Amtsstart ergänzt der Wehrführungs-Ratgeber die organisatorische Seite.

Kinder- und Jugendgruppen brauchen eigene pädagogische und sicherheitsbezogene Rahmen. Dafür gibt es getrennte Artikel zu Jugendfeuerwehr-Führung und Kinderfeuerwehr-Führung.

Häufige Fragen

Welcher Führungsstil ist in der Feuerwehr der richtige?

Keiner allein. Bei akuter Gefahr gilt die klare Anweisung, beim Lernen das Anleiten, bei Planung und Terminen die Beteiligung, bei erfahrenen Mitgliedern das Delegieren.

Wie spreche ich einen Fehler an?

Beschreibt die beobachtete Handlung, ihre Wirkung und den gewünschten nächsten Schritt, und lasst die Person antworten. Kritik gilt der Handlung, nicht der Person.

Wie viel dürfen Mitglieder mitbestimmen?

So viel, wie ihr vorab ausdrücklich freigebt. Sicherheitsregeln und Vorgaben der Gemeinde stehen nicht zur Abstimmung. Alles andere, etwa Termine, Reihenfolgen oder Formate, könnt ihr offen besprechen.

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