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Freiwillige Feuerwehr14. Juli 2026FWVS Redaktion7 Min. Lesezeit

Tagesalarmbereitschaft der Feuerwehr sichern: 7 Maßnahmen gegen die Personallücke

Tagsüber fehlen der Feuerwehr Einsatzkräfte: Warum die Tagesalarmbereitschaft bröckelt und welche 7 Maßnahmen helfen — von Doppelmitgliedschaft bis Arbeitgeber.

Tagesalarmbereitschaft sichern: 7 Maßnahmen gegen die Lücke zwischen 7 und 17 Uhr

Dienstagvormittag, 10:14 Uhr, Alarm: ausgelöster Heimrauchmelder, Person vermutlich in der Wohnung. Auf dem Papier hat die Wehr 42 Aktive. Am Gerätehaus stehen nach sechs Minuten: vier. Zwei davon ohne Atemschutztauglichkeit.

Diese Szene kennt fast jede Freiwillige Feuerwehr im Land. Nachts und am Wochenende ist die Welt meist in Ordnung — das Problem heißt Tagesalarmbereitschaft. Wer werktags zwischen 7 und 17 Uhr ausrücken muss, merkt schnell: Die Mitgliederliste sagt wenig darüber, wer im Alarmfall tatsächlich losfahren kann.

Warum die Tagesstärke bröckelt

Die Ursache ist unspektakulär: Arbeit. Die meisten Aktiven pendeln zur Arbeit in die nächste Stadt und sind tagsüber schlicht nicht im Ort. Wer im Ort arbeitet, kann nicht immer weg — Produktionsprozesse, Kundentermine, Alleinarbeitsplätze. Dazu kommen Schichtdienst, Studium und die schlichte Tatsache, dass auch Hausärztinnen, Handwerker und Erzieher ihre Arbeit nicht jederzeit stehen lassen können.

Das Ergebnis: Die reale Verfügbarkeit schwankt je nach Wochentag und Uhrzeit erheblich — und sie ist mit der reinen Mitgliederzahl nicht zu greifen. Deutschlands Freiwillige Feuerwehren wachsen seit Jahren bei den Mitgliederzahlen (die Details stehen im Artikel Feuerwehr-Statistiken), aber Mitglieder auf dem Papier besetzen kein Fahrzeug um 10:14 Uhr.

Bevor ihr Maßnahmen plant, braucht ihr deshalb den ehrlichen Ist-Stand:

  • Wer ist an welchen Wochentagen tagsüber im Ort — wohnend oder arbeitend?
  • Welche Qualifikationen sind tagsüber verfügbar? Eine Handvoll Leute nützt wenig, wenn kein Maschinist und kein Atemschutzgeräteträger darunter ist.
  • Wie sehen die tatsächlichen Ausrückezeiten der letzten zwölf Monate aus, aufgeschlüsselt nach Uhrzeit?

Maßnahme 1: Doppelmitgliedschaft für Einpendler

Die wirkungsvollste Einzelmaßnahme setzt bei denen an, die tagsüber schon da sind: Berufstätige, die in eurem Ort arbeiten, aber woanders wohnen. Viele Landesgesetze erlauben ausdrücklich, dass Feuerwehrangehörige in zwei Wehren Dienst leisten — in der Heimatwehr am Wohnort und zusätzlich in der Wehr am Arbeitsort. In Bayern etwa ist die Doppelmitgliedschaft in den Vollzugsbekanntmachungen zum Feuerwehrgesetz ausdrücklich geregelt; auch anderswo werben Kreisfeuerwehrverbände aktiv dafür.

So funktioniert es in der Praxis:

  1. Betriebe im Ort identifizieren, in denen Feuerwehrleute aus Nachbargemeinden arbeiten.
  2. Diese Kameradinnen und Kameraden gezielt ansprechen — die Ausbildung haben sie schon, es geht nur um Ortskenntnis und Einweisung.
  3. Mit der Heimatwehr abstimmen (niemandem Leute „wegnehmen", tagsüber hilft es beiden Seiten).
  4. Versicherungsfragen sind geklärt: Die Unfallkassen behandeln die Doppelmitgliedschaft in eigenen Merkblättern — der Schutz besteht in beiden Wehren.
  5. Realistisch bleiben bei den Pflichten: Übungsdienst in zwei Wehren ist Aufwand. Viele Wehren vereinbaren reduzierte Übungspflichten für Zweitmitglieder, soweit das Landesrecht das zulässt.

Maßnahme 2: Arbeitgeber zu Partnern machen

Ohne freistellende Arbeitgeber keine Tagesalarmbereitschaft — so einfach ist die Rechnung. Die gute Nachricht: Arbeitgeber sind gesetzlich zur Freistellung für Einsätze verpflichtet und bekommen das fortgezahlte Entgelt in der Regel von der Kommune erstattet. Wie genau das läuft, steht im Artikel Freistellung und Verdienstausfall.

Rechtspflicht ist aber nur die halbe Miete — gelebte Partnerschaft ist die andere. Dafür gibt es seit 1999 die Auszeichnung „Partner der Feuerwehr": Innenministerien und Landesfeuerwehrverbände ehren Betriebe, die ihre Beschäftigten vorbildlich für Einsätze und Lehrgänge freistellen, mit Förderschild und Urkunde. Nordrhein-Westfalen vergibt zusätzlich eine eigene Förderplakette des Innenministeriums. Nutzt das aktiv:

  • Schlagt eure freistellenden Betriebe für die Auszeichnung vor — der Weg läuft über den Kreis- bzw. Landesfeuerwehrverband.
  • Macht die Ehrung öffentlich: Übergabe beim Feuerwehrfest, Bericht in der Lokalzeitung, Post in den sozialen Medien.
  • Pflegt den Kontakt auch ohne Anlass: Ein jährliches Dankschreiben der Wehrführung an die Chefs eurer Aktiven kostet eine Stunde und wirkt Jahre.

Maßnahme 3: Die eigene Verwaltung in die Pflicht nehmen

Gemeindeverwaltung, Bauhof, Wasserwerk: Kommunale Arbeitgeber können ihre Beschäftigten leichter freistellen als jeder Privatbetrieb — und die Kommune ist ohnehin für den Brandschutz verantwortlich. Manche Gemeinden berücksichtigen die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr bereits bei Stellenbesetzungen im Bauhof. Sprecht mit Bürgermeisterin oder Hauptamtsleiter darüber, ob das bei euch möglich ist.

Maßnahme 4: Tagesverfügbarkeit gezielt ausbilden

Oft fehlen tagsüber nicht Hände, sondern Qualifikationen. Prüft eure Qualifikationsverteilung gegen die Tagesverfügbarkeit: Wenn alle Maschinisten auspendeln, hilft nur, gezielt die auszubilden, die tagsüber da sind — auch wenn sie nicht die dienstältesten sind. Dasselbe gilt für Atemschutz und Führungsqualifikationen. Eine saubere Übersicht über Lehrgänge und Qualifikationen je Mitglied ist dafür die Grundlage.

Maßnahme 5: Rückmeldung statt Hoffnung

Wer erst am Gerätehaus erfährt, dass nur vier kommen, verliert im Einsatz wertvolle Minuten. Rückmeldesysteme, mit denen Einsatzkräfte nach der Alarmierung per Smartphone zu- oder absagen, geben Einheitsführern schon auf der Anfahrt ein Lagebild über die verfügbare Mannschaft. Wie die Alarmierungskette insgesamt funktioniert, erklärt der Artikel Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr.

Maßnahme 6: Ehrlich alarmieren

Wenn die Tagesstärke strukturell nicht reicht, muss die Alarm- und Ausrückeordnung das abbilden — etwa durch die zeitgleiche Mitalarmierung der Nachbarwehr an Werktagen. Das ist keine Niederlage, sondern Ehrlichkeit gegenüber den Menschen, die im Notfall auf schnelle Hilfe angewiesen sind. Die Entscheidung liegt bei Gemeinde und Kreisbrandinspektion; die Datengrundlage — echte Ausrückezeiten und Verfügbarkeiten — müsst ihr liefern.

Maßnahme 7: Neue Zielgruppen erschließen

Mittelfristig hilft nur eine breitere Basis: Quereinsteiger jenseits der 30, Frauen (die Zahlen und Maßnahmen haben wir separat aufbereitet), Menschen mit flexiblen Arbeitsmodellen und Homeoffice. Gerade Homeoffice hat in vielen Orten die Tagesverfügbarkeit spürbar verbessert — sprecht gezielt die an, die inzwischen von zu Hause arbeiten. Weitere Strategien stehen im Artikel Nachwuchsgewinnung.

Häufige Fragen

Was bedeutet Tagesalarmbereitschaft?

Gemeint ist die Fähigkeit einer Feuerwehr, auch werktags tagsüber — wenn viele Aktive bei der Arbeit außerhalb des Orts sind — genügend qualifizierte Einsatzkräfte für den Erstangriff zu stellen. Sie ist bei vielen Freiwilligen Feuerwehren der kritischste Zeitraum der Woche.

Ist eine Doppelmitgliedschaft in zwei Feuerwehren erlaubt?

In vielen Bundesländern ja — Bayern regelt sie zum Beispiel ausdrücklich in den Vollzugsbekanntmachungen zum Feuerwehrgesetz. Üblich ist die Kombination aus Heimatwehr am Wohnort und Zweitwehr am Arbeitsort. Die Details (Pflichten, Übungsdienst, Zustimmung) unterscheiden sich je nach Land — fragt euren Kreisfeuerwehrverband.

Muss mein Arbeitgeber mich für Einsätze freistellen?

Ja, die Brandschutzgesetze der Länder verpflichten Arbeitgeber zur Freistellung für Einsätze; das fortgezahlte Entgelt bekommen private Arbeitgeber in der Regel auf Antrag von der Kommune erstattet. Details und Musterabläufe im Artikel Freistellung und Verdienstausfall.

Was ist das Förderschild „Partner der Feuerwehr"?

Eine seit 1999 vergebene Auszeichnung von Innenministerien und Landesfeuerwehrverbänden für Arbeitgeber, die Feuerwehrangehörige vorbildlich freistellen und unterstützen. Vorschläge laufen über die Feuerwehrverbände; die Ehrung ist für Betriebe ein sichtbares Aushängeschild.

Fazit

Tagesalarmbereitschaft ist kein Schicksal, sondern eine Planungsaufgabe. Der erste Schritt ist Ehrlichkeit: Verfügbarkeiten und Qualifikationen nach Uhrzeit erfassen statt auf die Mitgliederliste zu vertrauen. Danach wirken die Hebel in dieser Reihenfolge am schnellsten: Einpendler per Doppelmitgliedschaft gewinnen, Arbeitgeber systematisch pflegen und auszeichnen lassen, Qualifikationen gezielt bei den Tagesverfügbaren aufbauen — und wo es strukturell nicht reicht, die Alarmplanung anpassen. Jede dieser Maßnahmen funktioniert einzeln; zusammen entscheiden sie darüber, ob um 10:14 Uhr ein Löschfahrzeug besetzt ist.

Quellen


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