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Freiwillige Feuerwehr01. Oktober 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion5 Min. Lesezeit

Einsatzhygiene im Übungsdienst: Ablauf ohne echte Kontamination

Einsatzstellenhygiene mit sauberem Material üben: Grobreinigung, Wechselkleidung, luftdichtes Verpacken, getrennter Transport und Schwarz-Weiß-Trennung.

Einsatzhygiene im Übungsdienst: Ablauf ohne echte Kontamination

Nach einem Brandeinsatz haften Ruß und andere Verbrennungsprodukte an Schutzkleidung, Geräten und Fahrzeug. Verschleppt ihr sie in Mannschaftskabine, Umkleide oder nach Hause, kommen sie mit der Haut und der Atemluft in Berührung. Das lässt sich üben, ohne dass jemand schmutzig wird: mit sauberer Kleidung, Karten und einem Grundriss des Feuerwehrhauses.

Grundlage ist die DGUV Information 205-035 „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr“. Die Feuerwehr-Unfallkassen haben daran mitgearbeitet. Der FUK-Dialog beschreibt die Kernschritte: Einsatzkräfte reinigen ihre Schutzkleidung und Ausrüstung an der Einsatzstelle grob, legen sie ab und ziehen saubere Trainingsanzüge an. Verschmutzte Kleidung und Ausrüstung werden möglichst luftdicht verpackt und getrennt transportiert.

Die Schritte, die ihr üben wollt

Diese Punkte stammen aus der DGUV Information 205-035. Geübt wird jeweils der Ablauf, nicht die Reinigung selbst.

  1. Kontamination einschätzen. Nach der Faustregel gilt Schutzkleidung als kontaminiert, wenn umluftunabhängiger Atemschutz getragen wurde, wenn Ruß niedergeschlagen hat oder wenn sie nach Brandrauch riecht oder sichtbar verschmutzt ist.
  2. Nicht ausschütteln, nicht abblasen. Verdächtig verschmutzte Kleidung wird nie trocken ausgeschüttelt und nie mit Druckluft abgestrahlt. Das wirbelt Ruß und Fasern auf. Erlaubt ist leichtes Ausklopfen und Lüften, solange der Atemschutz noch getragen wird.
  3. Schutzkleidung an der Einsatzstelle ablegen. Der beispielhafte Ablauf der DGUV: Ausrüstung und Helm, Handschuhe, Atemanschluss und Haube, Atemschutzgerät, Schutzkleidung. Die Kleidung wird dabei so umgekrempelt, dass die Außenseite nicht die Haut berührt.
  4. Hände, Hals, Nacken und Gesicht reinigen, bevor jemand isst oder trinkt, und bei Bedarf Unterwäsche wechseln. Die Handschuhe, die unter der Schutzkleidung getragen wurden, kommen zum Schluss runter, ebenfalls umgekrempelt.
  5. Grobreinigung von Geräten und Schläuchen an der Einsatzstelle, etwa mit Wasser und neutralem Reiniger oder Einwegtüchern. Nie mit der Druckluftpistole.
  6. Luftdicht verpacken. Kontaminierte Mehrweg-Schutzkleidung kommt unmittelbar nach dem Ablegen flüssigkeits- und möglichst luftdicht verpackt, zum Beispiel in einen Wäschesack, eine Wanne mit Deckel oder eine Rolltonne.
  7. Getrennt transportieren. Der unverpackte Transport in der Mannschaftskabine ist nicht zulässig. Kontaminierte Kleidung wird auch nicht im Privatauto transportiert und nicht zu Hause gewaschen.
  8. Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus. Schwarz ist, wo kontaminierte Ausrüstung liegt. Weiß ist, wo saubere Kleidung und Aufenthaltsräume sind. Die DGUV empfiehlt Spinde, in denen Einsatzkleidung und Privatsachen getrennt liegen, und rät davon ab, Sozialräume und Küche mit Einsatzkleidung zu betreten.
  9. Duschen zeitnah, nach der Checkliste der DGUV innerhalb von etwa einer Stunde nach dem Ablegen.

Material

  • Saubere Kleidung als „verschmutzte“ Übungsausrüstung, zum Beispiel alte Overalls ohne echte Einsatzgeschichte
  • Wäschesäcke, Müllsäcke, eine verschließbare Wanne, falls vorhanden eine Rolltonne
  • Kartonschilder „schwarz“ und „weiß“ sowie rotes und grünes Absperrband
  • Grundriss des Feuerwehrhauses und des Fahrzeugs, auf Papier oder Tafel
  • Beobachtungsbogen mit den neun Schritten

Streut weder Mehl, Puder, Glitzer noch Farbe auf Schutzkleidung. Solche Stoffe lassen sich einatmen und hinterlassen Rückstände. Ein roter Zettel mit „kontaminiert“ erfüllt denselben Zweck.

Ablauf für 90 Minuten

ZeitInhalt
0–15 MinutenEinführung: Warum Ruß gefährlich ist, Faustregel und die neun Schritte
15–35 MinutenStation 1: Grundriss, Schwarz-Weiß-Wege einzeichnen
35–55 MinutenStation 2: Ablegen und Verpacken in der Reihenfolge der DGUV
55–75 MinutenStation 3: Transport und Übergabe an die Aufbereitung
75–90 MinutenAuswertung nach Beobachtungsbogen

Station 1: Wege auf dem Grundriss

Zeichnet auf den Grundriss Fahrzeughalle, Umkleide, Duschen, Aufenthaltsraum, Küche und Werkstatt ein. Zwei Gruppen legen mit Stiften zwei Wege fest: den der Einsatzkräfte und den der kontaminierten Ausrüstung. Dann prüft eine dritte Gruppe, wo sich beide Wege kreuzen.

Beispiel: Die Umkleide liegt direkt neben der Fahrzeughalle, die Einsatzkräfte laufen in Stiefeln zum Spind und weiter in die Küche. Welche Tür wird zum Schwarz-Bereich, wo stehen die Wannen, und wo wechselt jemand die Kleidung, bevor er das Weiße betritt? Ein Schild an der Tür allein löst das nicht, wenn der Weg trotzdem durch den Aufenthaltsraum führt.

Station 2: Ablegen und Verpacken

Je ein Team spielt eine Einsatzkraft, die aus dem Innenangriff kommt, und zwei Helfer, die verpacken. Die „Einsatzkraft“ trägt die saubere Übungskleidung samt Gurt und Helm. Gelegt wird in der Reihenfolge aus Schritt 3. Die Helfer tragen Handschuhe, öffnen die Säcke und nehmen die Kleidung entgegen. Ein Beobachter prüft:

  • Wurde die Kleidung umgekrempelt?
  • Hat jemand zuerst Hände und Gesicht gereinigt, bevor er Wasser trank?
  • Wanderte ein Handschuh, der Ruß getragen hat, an die Tür oder auf einen Tisch?

Wer diese Station mit echter Schutzkleidung macht, braucht die Unterweisung nach eurem Hygienekonzept. Lasst die Schritte sonst auf Karten ordnen.

Station 3: Transport und Aufbereitung

Verfolgt einen verpackten Sack vom Einsatzfahrzeug bis zur Wäscherei oder Werkstatt. Wer transportiert, in welchem Fahrzeugteil, wer nimmt an? Ein Sack, der „nur kurz“ in der Mannschaftskabine liegt, ist ein Fehler, den ihr in der Auswertung offen benennt.

Reinigen und technisch prüfen sind zwei Schritte. Ein gereinigtes Gerät kann trotzdem einen technischen Defekt haben. Wie Prüfung und Freigabe dokumentiert werden, steht in der Geräteverwaltung.

Auswertung

Fragt nach Beobachtungen, nicht nach Schuld: Hat jemand zuerst gegessen, dann gewaschen? Lag die Ausrüstung auf dem sauberen Boden? Gab es keinen Platz für die Wanne? Hat jemand vergessen, die Handschuhe umzukrempeln? Haltet drei bis fünf Änderungen fest, jeweils mit zuständiger Person und Termin. Tipps für das Gespräch gibt die Nachbesprechung.

Grenzen des Abends

Der Abend ersetzt keine Dekontamination bei Gefahrstoffen oder Asbest. Dafür sind Fachfirmen oder spezielle Konzepte nötig. Er prüft auch nicht die Atemschutz-Eignung (siehe Atemschutz). Hygiene verringert die Belastung, beseitigt sie aber nicht vollständig.

Fehlen Spinde, Wannen oder Räume für eine Trennung, meldet das der Wehrführung und dem Träger. Im Dienstplan ist Platz für eine Wiederholung, bei der ihr einen anderen Schritt übt, etwa die Rücknahme aus der Aufbereitung.

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