Knoten lernen in der Jugendfeuerwehr: vier Stationen am Tisch
Knoten lernt man nur mit den Händen. An diesem Abend zeigt eine Betreuungsperson den Knoten vor, die Jugendlichen legen ihn nach, vergleichen ihn mit einem Muster und erklären ihn einem Partner. Die Leinen bleiben unbelastet am Tisch. Niemand wird gesichert, es werden keine Geräte hochgezogen, und keine Leine kommt um Hals, Handgelenk oder Körper.
Ein Knoten, den ihr an diesem Abend lernt, ist noch keine Freigabe für den Einsatz. Dafür braucht es die entsprechende Ausbildung.
Welche Knoten die Jugendflamme verlangt
Der Jugendflamme-Aufgabenkatalog 2026 der Deutschen Jugendfeuerwehr nennt für die „klassische Knotenkunde“ diese Knoten: Mastwurf, Schotenstich, Zimmermannstich und Achterknoten. Zu den Aufgaben gehört, drei benannte Knoten zu legen und ihre Verwendung zu erklären. Höhere Aufgaben im Katalog verlangen außerdem den Rettungsknoten mit Brustbund und Spierenstich sowie das Anschlagen an einem festen Objekt, etwa mit Mastwurf oder Achterknoten. Welche Aufgabe für welche Stufe gilt, steht im Katalog; mehr dazu im Beitrag zur Jugendflamme 2026.
Für den ersten Abend reicht ein Knoten. Wählt den Mastwurf: Er steht im Katalog, ist schnell gelernt und lässt sich gut vergleichen. Danach folgen Schotenstich, Zimmermannstich und Achterknoten in den nächsten Diensten, jeweils ein Knoten pro Abend.
Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 beschreibt Knoten und Stiche in Abschnitt 17.2.1 (S. 132 f.) mit Abbildungen. Die veröffentlichte Fassung der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg trägt den Stand April 2026 und wurde den Ländern zum 1. Juli 2026 zur Einführung empfohlen. Ob sie bei eurem Träger schon gilt, klärt ihr mit der Wehrleitung. Druckt die Abbildung für die Stationen aus.
Mastwurf Schritt für Schritt
Material: ein glatter, standsicherer Übungsstab (Besenstiel in einem Ständer, Rundholz im Stativ) und pro Person eine Übungsleine. Der Stab steht senkrecht. Das stehende Teil ist das lange Leinenstück, das zur Hand führt; das Ende ist das kurze freie Stück.
- Legt die Leine von links vor den Stab. Das Ende zeigt nach rechts.
- Führt das Ende hinter dem Stab herum und wieder nach vorn. Die erste Umschlingung ist fertig, das Ende liegt jetzt links vom Stab auf der Vorderseite.
- Führt das Ende schräg nach oben über das stehende Teil. Dort kreuzen sich beide Leinenstücke auf der Vorderseite.
- Führt das Ende ein zweites Mal hinter dem Stab herum und wieder nach vorn. Die zweite Umschlingung liegt über der ersten.
- Schiebt das Ende von oben unter die schräge Leine, die in Schritt 3 über das stehende Teil gelaufen ist. Es muss zwischen Stab und dieser Leine herauskommen.
- Zieht vorsichtig an beiden Leinenteilen. Die Windungen ziehen sich an den Stab, und beide Leinenteile verlassen den Knoten in entgegengesetzter Richtung.
Kontrolle: Auf der Vorderseite laufen zwei Windungen schräg und parallel nebeneinander. Das Ende ist unter einer dieser Windungen durchgesteckt und liegt nicht nur daneben. Liegt es nur daneben, beginnt ihr wieder bei Schritt 5. Die Betreuungsperson vergleicht jeden Knoten mit ihrem Muster und mit der Abbildung in der FwDV 1.
Typischer Fehler: Das Ende wird über statt unter die Windung gelegt. Der Knoten sieht dann fast richtig aus und rutscht beim ersten Zug.
Zum Hochziehen oder Sichern reicht der Mastwurf allein nicht: Die FwDV 1 verlangt dafür zusätzliche Absicherungsknoten. Das lernt ihr an diesem Abend nicht. Es gibt keine Lastprobe.
Material
- pro Person eine Übungsleine; auch ausgemusterte Leinen nur nach Sichtprüfung durch die Betreuung
- Übungsstäbe in standsicheren Ständern, mindestens einer pro Station
- ausgedruckte FwDV-Abbildung und ein fertiges Muster der Betreuungsperson
- zwei Farben Leine oder Tape, damit das Ende in der Erklärung sichtbar bleibt
- Stifte und Beobachtungskarten
Beschädigte, verschmutzte oder spröde Leinen kommen nicht an den Tisch, ebenso wenig scharfe Kanten oder wackelige Möbel.
Ablauf für 60 Minuten
| Abschnitt | Zeit | Ergebnis |
|---|---|---|
| Begrüßung und Regeln | 5 Minuten | Alle wissen: nur am Tisch, keine Last |
| Vormachen im Kreis | 10 Minuten | Mastwurf aus allen Blickwinkeln gesehen |
| Vier Stationen | 30 Minuten | je 6 Minuten Aufgabe, dazwischen 3 Wechsel zu je 2 Minuten |
| Eigene Wiederholung | 10 Minuten | Knoten einmal ohne Hilfe gelegt |
| Abschluss | 5 Minuten | Material gezählt, offene Fragen gesammelt |
Bei vier Gruppen läuft jede Gruppe alle vier Stationen. Das funktioniert nur, wenn jede Station mit einer Betreuungsperson oder einer ausgebildeten Jugendgruppenleitung besetzt ist. Fehlt Personal, arbeiten weniger Gruppen gleichzeitig, oder ihr legt die Stationen nacheinander an einem Tisch.
Die vier Stationen
Station 1, Leinenweg verfolgen. Die Betreuung zeigt den Mastwurf langsam am Stab. Die Gruppe zeigt am fertigen Muster mit dem Finger, wohin das Ende läuft, und beschreibt die nächsten zwei Schritte.
Station 2, nachlegen. Jede Person legt den Mastwurf Schritt für Schritt nach und sagt vor jedem Schritt, was sie tut. Wer abweicht, geht zur letzten richtigen Stelle zurück. Es gibt keine Stoppuhr, und Handschuhe oder verbundene Augen kommen nicht als zusätzliche Hürde dazu.
Station 3, Muster vergleichen. Das eigene Ergebnis liegt neben dem Muster der Betreuung. Die Gruppe sucht eine Stelle, die gleich aussieht, und eine, die sie prüfen will. Ob ein Knoten „hält“, wird nicht durch Ziehen mit ganzer Kraft getestet. Die Betreuung entscheidet, ob er richtig gelegt ist.
Station 4, dem Partner erklären. Eine Person erklärt in kurzen Schritten, die andere legt nach, ohne dass die erklärende Person die Leine anfasst. Nach jedem Schritt ist eine Rückfrage erlaubt. Dann tauschen beide. Wie bei der Funkübung ohne Funkgerät zählt, was der andere verstanden hat.
Wiederholen, ohne eine Prüfung daraus zu machen
Nach den Stationen legt jede Person den Knoten noch einmal selbst. Die Betreuung notiert pro Person: Schritt sicher, Schritt noch unklar, Übung für nächstes Mal. Das ist keine Abnahme. Für die Jugendflamme vereinbart ihr die Abnahme gesondert mit der zuständigen Stelle.
Varianten
Neue Mitglieder arbeiten mit einer dickeren Leine und der großen Abbildung. Wer schon sicher ist, bereitet die Erklärung für Station 4 vor oder zeigt im Wechsel zwei Knoten nebeneinander. Als Steigerung taugt genaueres Erklären, nicht mehr Tempo und keine Last.
Wer die Leine nicht selbst führen kann, nimmt einen größeren Stab, eine andere Griffposition oder mehr Zeit, oder leitet einen Partner an. Weitere Wege zur Beteiligung beschreibt der Beitrag zur Inklusion in der Jugendfeuerwehr.
Häufige Fehler
- Zu viele Knoten an einem Abend: Die Namen werden verwechselt. Besser einer, aber sicher.
- Ein schneller Jugendlicher wird zum Prüfer der anderen. Die Kontrolle bleibt bei der Betreuung.
- Eine beschädigte Leine wird aus Sparsamkeit weiterverwendet.
- Aussagen wie „Dieser Knoten sichert immer alles“ im Unterricht.
Checkliste
- Knoten ausgewählt, Muster und FwDV-Abbildung liegen bereit
- Leinen geprüft, Stäbe stehen sicher
- Jede Station ist besetzt
- Keine Last, kein Körperkontakt mit der Leine, kein Zeitdruck
- Beobachtungskarten vorbereitet
Weitere Abendideen findet ihr in den 20 Übungsabend-Ideen.