Funkübung ohne Funkgerät: Meldetraining für die Jugendfeuerwehr
Im Einsatz hängt viel davon ab, dass eine Meldung beim ersten Mal verstanden wird. Das lässt sich üben, bevor eine Jugendliche oder ein Jugendlicher ein Funkgerät in die Hand nimmt: Eine Person beschreibt, eine zweite setzt um, eine dritte beobachtet. Wo die Beschreibung ungenau war, sieht man das Ergebnis sofort auf dem Tisch.
Der Abend ist ein reines Meldetraining. Rufgruppen, Funkrufnamen und Status lernen die Jugendlichen hier nicht, das gehört in die Sprechfunkausbildung und richtet sich nach der Regelung vor Ort.
Bezug zur Jugendflamme
Der Jugendflamme-Aufgabenkatalog 2026 enthält den Block „Kommunikation an der Einsatzstelle" mit einer Aufgabe zur Funk-Kommunikation: Eine Figur wird beschrieben und von anderen nachgebaut. Die Variante mit Bausteinen weiter unten bereitet genau darauf vor. Ob der Abend selbst für die Abnahme zählt, klärt ihr nach den Regeln zur Jugendflamme mit der zuständigen Stelle.
Lernziel
Am Ende können die Jugendlichen
- zwischen Gesehenem und Vermutetem unterscheiden,
- fehlende Angaben gezielt erfragen,
- den verstandenen Auftrag mit eigenen Worten wiederholen.
Material und Raum
Zwei gleiche, fiktive Ortspläne pro Team auf DIN A3: zwei Straßen (Bergweg und Lindenstraße), zwei Gebäudeeingänge (Eingang A am Bergweg, Eingang B an der Lindenstraße) und drei Standorte, die mit Ziffern 1, 2 und 3 beschriftet sind (zum Beispiel 1 Hof, 2 Garage, 3 Gartentor). Mit Ziffern für die Standorte und Buchstaben für die Eingänge kann niemand „B" mit „Punkt B" verwechseln. Dazu: Kartentexte, Notizzettel, Stifte, eine Lösungsskizze.
Als Alternative zwei gleiche Sätze großer Bausteine. Eine Sichtblende trennt die Teams. Türen bleiben offen, niemand wird eingeschlossen. Normale Sprechlautstärke genügt, ihr braucht keinen künstlichen Lärm.
Rollen
Pro Durchgang arbeiten Dreierteams: Die meldende Person kennt die Lage. Die empfangende Person zeichnet oder baut und fragt nach. Die beobachtende Person notiert, welcher Satz geholfen hat und wo eine Rückfrage fehlte. Nach jedem Durchgang wechseln die Rollen. Bei sechs Jugendlichen arbeiten zwei Dreierteams parallel. Bei acht kommt ein Zweierteam hinzu, dem die Betreuung als Beobachter zur Seite steht. Die Betreuung erklärt die Regeln und gibt die Lösung frei.
Rückmeldungen betreffen die Meldung: „Es fehlte die Straße" hilft, „Du kannst nicht funken" nicht.
Ablauf für 60 bis 75 Minuten
| Zeit | Inhalt |
|---|---|
| 10 min | Einstieg: eine Meldung gemeinsam beurteilen |
| 15 min | Runde 1: eindeutiger Ort |
| 5 min | Auswertung: ein hilfreicher, ein fehlender Punkt |
| 15 min | Runde 2: unvollständige Angabe, Rückfragen |
| 10 min | Rollenwechsel mit neuer Karte |
| 5–20 min | Variante mit Bausteinen oder Abschlussrunde |
Einstieg
Die Betreuung liest eine schlechte Meldung vor: „Da liegt was am Eingang." Die Gruppe sammelt, was fehlt: welcher Eingang, was liegt dort, wie sieht es aus. Daraus entstehen drei Fragen für die Übung: Wo? Was? Woran erkenne ich es?
Runde 1: Ort eindeutig beschreiben
Karte: „Ein gelber Karton steht an Standort 2, Garage, hinter Eingang B in der Lindenstraße." Die meldende Person beschreibt, die empfangende markiert auf ihrem Plan und wiederholt: „Ich habe einen gelben Karton an Standort 2, Garage, Eingang B, Lindenstraße." Dann wird mit der Lösung verglichen.
Besprecht danach, welche Angabe entscheidend war. Gibt es zwei Kartons, braucht es die Farbe. Gibt es nur einen, genügt der Ort. Eine lange Beschreibung ist nicht automatisch eine gute.
Runde 2: Rückfragen
Karte: „Ein Karton liegt am Eingang." Beide Eingänge sind möglich. Die empfangende Person soll das merken und fragen: „Eingang A am Bergweg oder Eingang B an der Lindenstraße?" Die meldende Person antwortet nur mit dem, was sie weiß. Steht es nicht auf der Karte, sagt sie: „Das steht hier nicht. Ich frage die Leitung." Raten ist nicht erlaubt.
Dann bekommt die meldende Person die vollständige Karte: „Ein brauner Karton liegt an Eingang A im Bergweg." Sie meldet erneut, die Empfängerin markiert, beide vergleichen.
Gesehen, angegeben, vermutet
Eine Karte zeigt einen Rucksack neben dem Gebäude. Die meldende Person weiß, wo er liegt, aber nicht, wem er gehört. Sagt sie „Der Besitzer hat ihn dort abgestellt", erfindet sie eine Geschichte. Besprecht drei Kategorien: gesehen, auf der Karte angegeben, vermutet. Vermutungen werden als solche genannt („Ich vermute, ...") oder weggelassen. Das hilft auch bei der Notruf-Übung.
Variante mit Bausteinen
Die Betreuung baut eine Figur: ein großer blauer Stein unten, ein roter Stein mittig darauf, ein gelber Stein rechts daneben, ohne den blauen zu berühren. Die meldende Gruppe sieht sie, die empfangende hat dieselben drei Steine und baut nach der Beschreibung. Zum Schluss stehen beide Figuren nebeneinander. Beginnt ohne Zeitdruck. Danach fehlt eine Angabe absichtlich, etwa ob „oben" auf oder neben dem Stein heißt, und die Empfänger müssen nachfragen.
Auswertung
- Konnte der Ort oder die Figur nach der Beschreibung gefunden werden?
- Welche Angabe fehlte zuerst?
- War die Rückfrage verständlich?
- Wurde eine Vermutung als Tatsache gemeldet?
- Hat die Wiederholung gezeigt, ob beide dasselbe meinten?
Lasst eine Meldung überarbeiten und direkt noch einmal ausprobieren. Die zweite Runde zeigt den Unterschied besser als jede Fehlerliste.
Grenzen und Sicherheit
Echte Notrufe werden nicht zu Übungszwecken gewählt. Braucht tatsächlich jemand Hilfe, endet die Übung sofort, und die Betreuung handelt nach dem Notfallplan der Gruppe (112).
Vorbereitung
- Pläne und Material für alle Teams gleich.
- Runde 1 mit Lösung, Runde 2 mit Rückfragen vorbereitet.
- Rollenwechsel eingeplant, Sitzen ist gleichwertig möglich.
- Rückmeldungen sachlich, niemand wird vorgeführt.
- Klar gesagt: Das ist kein Sprechfunklehrgang.
Für den Ortsbezug passt der Kartenparcours, weitere Abende stehen in der Übungsabendsammlung.