Gemeinsame Übung mit der Nachbarwehr: Planung und Ablauf
Wenn zwei Wehren zusammenarbeiten, scheitert es selten an der Technik. Meist liegt es an Kleinigkeiten: Der Bereitstellungsraum ist unklar, zwei Fahrzeugführer bekommen denselben Auftrag, oder keiner meldet zurück, dass der Auftrag ausgeführt ist. Eine gemeinsame Übung wird nicht durch mehr Fahrzeuge besser, sondern dadurch, dass ihr diese eine Schnittstelle gezielt übt. Hier findet ihr ein ausgearbeitetes Szenario mit Rollen, Lagekarten, einem 120-Minuten-Ablauf und der Checkliste für die Vorbereitung.
Als fachlicher Rahmen für Führung und Zusammenarbeit dient die FwDV 100 „Führung und Leitung im Einsatz" (Ausgabe des IdF NRW). Welche Regeln für eure Wehren gelten, klärt ihr mit Träger und Kreisbrandmeister oder Stadtbrandinspektor.
Ein Ziel wählen
Fragt beide Wehrführungen: Wo hat es bei der letzten gemeinsamen Alarmierung gehakt? Wählt ein Hauptziel, zum Beispiel:
- Auftrag eindeutig übergeben und zurückmelden,
- gemeinsamer Bereitstellungsraum mit klarer Einweisung,
- Wasserversorgung über eine lange Wegstrecke abstimmen.
Dazu kommen höchstens zwei Beobachtungspunkte. Mehr kann niemand sinnvoll auswerten.
Beispielszenario: Wasserversorgung für ein Gehöft
Fiktive Wehren: Ortswehr Nord (Erstangriff) und Ortswehr Süd (Nachalarmierung). Es brennt ein Nebengebäude an einem Gehöft am Ortsrand. Der nächste Hydrant liegt weit entfernt, ein Bach ist in der Nähe. Die Übung findet trocken statt: Fahrzeuge stehen, es fließt kein Wasser, ein Gelände mit Markierungshütchen steht für Gehöft, Bach und Straße.
Rollen:
| Rolle | Wer | Aufgabe |
|---|---|---|
| Übungsleitung | je eine Person aus beiden Wehren | gibt die Lage ein, spielt Leitstelle und Anrufer |
| Einsatzleiter | Gruppenführer Nord | führt den Erstangriff, fordert Unterstützung an |
| Führer Nachrückende | Gruppenführer Süd | übernimmt Auftrag, meldet zurück |
| Sicherheitsbeauftragter | erfahrene Person | beobachtet, bricht bei Gefahr ab |
| Beobachter (2) | je einer aus beiden Wehren | notieren Aufträge, Rückmeldungen, Missverständnisse |
Lagekarten (Auszug):
- Nord trifft ein: Nebengebäude brennt, Wasser aus dem Tank reicht für etwa zehn Minuten. Einsatzleiter fordert Wehr Süd nach.
- Süd trifft am Bereitstellungsraum ein (Parkplatz 300 m entfernt) und erwartet einen Auftrag.
- Auftrag lautet: „Wasserversorgung vom Bach zur Einsatzstelle aufbauen. Ihr bildet den Abschnitt Wasserversorgung. Meldung, wenn die erste Leitung steht."
- Nach zehn Minuten: Ein Zufahrtsweg ist durch ein Hindernis gesperrt (Karte der Übungsleitung). Süd muss das melden und einen anderen Weg vorschlagen.
Worauf die Beobachter achten: Wird der Auftrag mit eigenen Worten wiederholt? Weiß Süd, wem es meldet? Nennt Nord die Einsatzstelle und den Bereitstellungsraum eindeutig? Kommt die Rückmeldung ohne Nachfrage?
Wer andere Schwerpunkte setzen will, tauscht die Lagekarten: etwa eine Menschenrettung mit nachalarmierter Drehleiter oder ein Verkehrsunfall mit zwei Einsatzstellen. Das Prinzip bleibt: vorher festlegen, welche Meldung ihr beobachten wollt.
Abbruch vereinbaren
Legt vorab fest, wer die Übung unterbrechen darf und wie jemand eine echte Gefahr meldet. Ein Wort oder Signal, das jeder kennt, reicht, zum Beispiel „Übung Stopp" zusammen mit einem Hupsignal. Sagt es vor Beginn allen ausdrücklich.
Vorbereitung beider Wehren
| Thema | Zu klären |
|---|---|
| Lernziel | Was soll am Ende nachweisbar besser sein? |
| Teilnehmer | Anzahl, Qualifikationen, Rollen |
| Ort | Erlaubnis des Grundstückseigentümers, Zufahrten, Gefahrenstellen |
| Einsatzbereitschaft | Welche Fahrzeuge bleiben besetzt? Wer entscheidet bei Alarm, ob die Übung abgebrochen wird? |
| Funk | Welche Kanäle, welche Meldungen? Beginnt jede Meldung mit „Übung", damit niemand sie für echt hält? |
| Leitstelle | Vorab informieren: Datum, Ort, Zeitraum. Keine Übung darf einen echten Alarm auslösen. |
| Sicherheit | Erste Hilfe, Warnwesten, Absperrung gegenüber Straße und Zuschauern |
| Öffentlichkeit | Anwohner vorab informieren, Auskunftsperson benennen |
| Versicherung | Beim Träger oder der Unfallkasse klären, dass die Übung als Dienst angeordnet ist |
Die DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren" ist der Sicherheitsrahmen. Der Link führt zur Muster-Unfallverhütungsvorschrift; verbindlich ist die Fassung eures Unfallversicherungsträgers. Verzichtet bei einer ersten gemeinsamen Übung auf echte Brände, Verrauchung, Arbeiten in der Höhe und schwere Lastbewegungen. Wenn solche Teile dazugehören sollen, plant sie getrennt mit entsprechend qualifizierten Personen.
Kinder und Jugendliche gehören nicht in die Einsatzübung. Für eine gemeinsame Begegnung von Jugendfeuerwehren plant ihr altersgerechte Aufgaben mit eigener Aufsicht.
Ablauf für 120 Minuten
Vor Beginn (nicht mitgezählt): Sicherheitsbeauftragter und Übungsleitung gehen das Gelände ab, prüfen Absperrung, Material und Anwesenheit. Beide Wehren bestätigen, dass sie Rollen und Abbruchzeichen kennen.
| Zeit | Inhalt |
|---|---|
| 0–15 min | Begrüßung, Ziel, Regeln, Rollen, Abbruchzeichen. Ansprechpartner nennen |
| 15–35 min | Trockene Übergabeübung: Auftrag aussprechen, mit eigenen Worten wiederholen, Ortsangaben klären |
| 35–75 min | Szenario mit den Lagekarten, Beobachter notieren |
| 75–95 min | Material einsammeln, Fahrzeuge einsatzbereit machen, Mängel dem Gerätewart melden |
| 95–120 min | Auswertung: jede Wehr nennt zwei Beobachtungen, gemeinsam werden zwei Verbesserungen vereinbart |
Für die Auswertung eignet sich die Struktur aus dem Artikel zur Nachbesprechung.
Varianten
Fehlen gemeinsame Begriffe, nutzt Karten mit denselben Ortsnamen und Abschnittsbezeichnungen beider Wehren. Wollt ihr die Zusammenarbeit zunächst am Tisch üben, geht das mit einem Planspiel. Ist eure Tagesverfügbarkeit das eigentliche Problem, löst die Übung es nicht. Sie zeigt höchstens, wie ihr unter Zeitdruck zusammenarbeitet. Mehr dazu im Artikel zur Tagesalarmbereitschaft.
Ergebnisse umsetzen
Vereinbart pro Verbesserung eine verantwortliche Person und einen Termin. Änderungen an der Alarm- und Einsatzplanung gehen über die zuständigen Stellen. Beide Wehren erhalten dasselbe Ergebnisblatt. Beim nächsten gemeinsamen Termin prüft ihr, ob die Verbesserung gewirkt hat. Plant den Termin im Jahresdienstplan und tragt die Inhalte in die Ausbildungsdokumentation ein.