Notruf üben in der Jugendfeuerwehr: Rollenspiel mit Ortsangabe
Wer im Ernstfall die 112 wählt, soll einen Ort so beschreiben können, dass Hilfe ihn findet, und ruhig auf Rückfragen antworten. Das üben Jugendliche in einem Rollenspiel mit drei erfundenen Szenarien. Niemand wählt dabei eine echte Notrufnummer. Ziel ist ein verständliches Gespräch, kein fehlerfreies Aufsagen.
Was ein Notruf enthält
Das BBK nennt für den Notruf Angaben zu Ort, Geschehen und anrufender Person und rät, auf Rückfragen zu warten. Die 112 erreicht Feuerwehr und Rettungsdienst kostenfrei. Quelle: BBK, Erste Hilfe und Notruf.
Als Merkhilfe sind die fünf W-Fragen üblich:
- Wo ist es passiert? (Ort, Straße, Hausnummer, Eingang)
- Was ist passiert?
- Wie viele Personen sind betroffen?
- Welche Verletzungen oder Gefahren gibt es?
- Warten auf Rückfragen: Nicht auflegen, die Leitstelle beendet das Gespräch.
Leitstellen fragen nach einer standardisierten Notrufabfrage (SNA). Dabei fragt die Disponentin oder der Disponent Schritt für Schritt nach und gibt Anweisungen. Der Jugendflamme-Aufgabenkatalog 2026 sieht dafür ein Rollenspiel vor: Jugendliche rufen an, Betreuende übernehmen die Leitstelle. Jugendleitende sollen die SNA kennen, und der Katalog empfiehlt, die Zusammenarbeit mit der regionalen Leitstelle zu prüfen. Fragt dort an, ob sie euch die Fragenfolge erklärt oder einen Abend begleitet.
Für Jugendliche heißt das: Die 5 W-Fragen sind eine Stütze, kein Schema. Im echten Notfall stellt die Leitstelle die Fragen, und man antwortet ruhig darauf. Ein Anruf wird nie hinausgezögert, weil man nicht alles weiß. Mehr zum echten Anruf steht im Beitrag Notruf 112 richtig absetzen. Für Kinder gibt es ein eigenes Notruf-Rollenspiel der Kinderfeuerwehr.
Das Training ersetzt keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Maßnahmen am Körper übt ihr getrennt unter qualifizierter Anleitung. Passiert während des Dienstes ein echter Notfall, endet das Rollenspiel sofort.
Lernziel und Material
Die Jugendlichen sollen einen Ort auffindbar beschreiben, bei dem bleiben, was sie wissen, und eine Rückfrage beantworten. Diagnosen oder Einsatztaktik gehören nicht dazu.
Ihr braucht drei Szenariokarten, einen erfundenen Ortsplan, Zettel und Telefonattrappen. Ein Papptelefon genügt. Nehmt keine funktionierenden Smartphones, auch nicht mit leerem Wählfeld oder „nur zum Testen“: Eine versehentlich gewählte 112 bindet eine echte Leitstelle.
Der Plan zeigt eine erfundene Gemeinde „Musterstadt“ mit zwei Straßen, mehreren Eingängen und einem markierten Aufenthaltsort. Alles, was für die Lösung nötig ist, steht auf Karte oder Plan. Niemand muss eine echte Adresse kennen.
Ablauf für 60 Minuten
| Abschnitt | Zeit | Tätigkeit |
|---|---|---|
| Einstieg | 10 Minuten | Echter Notfall und Rollenspiel unterscheiden, 5 W-Fragen vorstellen |
| Gemeinsames Beispiel | 10 Minuten | Eine Betreuungsperson ruft an, eine zweite spielt die Leitstelle |
| Kleingruppen | 25 Minuten | Drei Szenarien, Rollen wechseln |
| Verbesserung | 10 Minuten | Eine Meldung noch einmal klarer sprechen |
| Abschluss | 5 Minuten | Hilfreiche Angaben sammeln, Material zählen |
Pro Kleingruppe aus drei Jugendlichen gibt es eine erwachsene Person als Leitstelle. Fehlt Personal, arbeiten die Gruppen nacheinander. Die drei Jugendlichen wechseln zwischen Anrufer, Beobachter (prüft am Plan, ob der Ort auffindbar ist) und Leitstellenhelfer (liest die Rückfragen von der Karte vor). Eine echte Leitstellenaufgabe übernimmt niemand.
Szenario 1: ein eindeutiger Ort
Karte für den Anrufer: „Du stehst auf dem Schulhof Musterstadt, Lindenstraße 8, am Seiteneingang. Ein Jugendlicher liegt nach einem Sturz am Boden und ist ansprechbar. Eine Betreuungsperson ist bei ihm.“
Der Anrufer nennt Ort und Geschehen. Typische Rückfragen: „An welchem Eingang seid ihr?“ „Kann jemand euch an der Straße einweisen?“ Dramatische Schreie oder geschminkte Wunden sind unnötig.
Auswertung: Findet der Beobachter den Eingang auf dem Plan? Welche Angabe war eindeutig? Wurde etwas dazuerfunden? Wiederholt nur den unklaren Teil. Der zweite Versuch soll klarer sein, nicht länger.
Szenario 2: mehrere mögliche Eingänge
Karte für den Anrufer: „Du bist am Feuerwehrhaus Musterstadt, Bergweg 4. Eine Person sitzt nach einem Sturz am Boden und bittet um Hilfe. Du stehst am Hofzugang und siehst ein Schild mit einem H. Eine Betreuungsperson ist informiert. Mehr weißt du nicht.“
Auf dem Plan hat das Haus einen Haupteingang am Bergweg und einen Hofzugang mit Schild H. Die Leitstelle fragt: „Welches Schild siehst du an eurem Zugang?“ oder „Wo genau steht die Person?“
Lösung für die Betreuung: Die Ortsangabe lautet „Feuerwehrhaus Musterstadt, Bergweg 4, Hofzugang mit Schild H“. Nur „am Feuerwehrhaus“ reicht nicht, weil es zwei Zugänge gibt. Der Anrufer soll das unterscheidende Merkmal selbst ergänzen.
Weiß der Anrufer etwas nicht, darf er sagen: „Das weiß ich nicht genau.“ Das ist besser als eine erfundene Hausnummer.
Auswertung: Hat der Anrufer gemerkt, was fehlt? Wie kam er auf das Schild? Wie man Pläne liest, übt die Kartenkunde-Stunde.
Szenario 3: nur melden, was man weiß
Karte für den Anrufer: „Du bist im Gruppenraum Musterstadt, Lindenstraße 10, Erdgeschoss, Zugang Haupteingang. Eine Person sitzt auf einem Stuhl, sagt, ihr sei schwindelig, und bittet um Hilfe. Eine Betreuungsperson ist bei ihr. Mehr weißt du nicht.“
Die Leitstelle fragt: „Wo genau seid ihr?“ „Was hat die Person gesagt?“ Erwartet wird keine Diagnose.
Lösung für die Betreuung: Der Anrufer nennt Ort, Zugang und den Satz „Die Person sagt, ihr ist schwindelig“. Besprecht den Unterschied zu „Sie hat einen Kreislaufkollaps“: Das Zweite ist eine Vermutung, die er nicht wissen kann.
Auswertung: Streicht gemeinsam alles an, was wirklich bekannt war. Hat jemand eine Vermutung eingebaut, formuliert er sie als Beobachtung um.
Die Leitstelle spielen
Stellt kurze Fragen und lasst den Anrufer antworten. Unterbrecht nicht ständig, um Fachwörter zu korrigieren. Das Gespräch endet, wenn die Leitstelle es beendet, und nicht, sobald der Anrufer alles gesagt hat. Zeigt auch: Im echten Notfall geben Leitstellen Anweisungen, etwa zur Ersten Hilfe, und die helfen.
Ein allgemeines Meldetraining ohne Notrufbezug bietet die Funk-Tischsimulation.
Varianten
Wer schon sicher ist, arbeitet mit weniger Beschriftung auf dem Plan oder entwirft eine Ortskarte für die anderen, die die Betreuung vorher prüft. Wer schlecht lesen kann, bekommt die Karte vorgelesen. Wer nicht vor der Gruppe sprechen mag, übt in einer kleinen betreuten Runde. Menschen, die nicht sprechen oder hören können, erreichen den Notruf auch über die App nora. Das könnt ihr zum Abschluss kurz zeigen. Mehr Lärm oder Zeitdruck sind keine sinnvolle Steigerung.
Fehler und Grenzen
Eine „perfekte Meldung“ gibt es nicht, und im Ernstfall hilft ein unvollständiger Anruf mehr als keiner. Fehlendes klärt die Leitstelle durch Rückfragen. Niemand wird wegen Stockens vorgeführt.
Übt keine Rettung aus Rauch, Dunkelheit oder an Verkehrsflächen. Dieser Abend ist ein Gespräch in sicherer Umgebung. Weitere Abendideen: Übungsabendsammlung.
Abschlusscheck
- Nur Attrappen, kein echtes Telefon mit Notrufnummer
- Szenario- und Lösungskarten enthalten alle Ortsangaben
- Beobachtung und Vermutung getrennt
- Rückfragen und Gesprächsende geübt
- Jede Person konnte teilnehmen, auch ohne vor der Gruppe zu sprechen
- Allen ist klar, was Übung ist und was ein echter Notfall wäre