Kartenkunde in der Jugendfeuerwehr: betreuter Parcours
Im Einsatz muss man einen Ort finden und anderen beschreiben können, wo er liegt. Das üben Jugendliche am besten zuerst am Tisch auf einer einfachen Skizze und danach in einem begrenzten Außenbereich, in dem eine Betreuungsperson dabei ist. Der Abend unten dauert 75 bis 90 Minuten mit Tischvorlage, Lösung und betreutem Parcours. Er überschneidet sich teilweise mit dem Herbstabend, setzt aber den Schwerpunkt auf Karte, Legende und Maßstab.
Lernziele
Drei Ziele reichen für einen Abend: einen Plan zur Umgebung passend drehen, Zeichen mit der Legende lesen und einen Ort so beschreiben, dass ein anderer ihn findet. GPS, Koordinatensysteme und taktische Lagekarten sind weiterführende Themen.
Der Jugendflamme-Aufgabenkatalog 2026 führt „Kartenkunde" mit Straßen- und Ortskunde, Himmelsrichtungen und GPS als Themenblock. Der Parcours hier bereitet darauf vor, ist aber kein anerkannter Nachweis. Zur Abnahme siehe Jugendflamme 2026.
Material
Pro Kleingruppe: eine Skizze, eine Legende, Unterlage und Stifte. Dazu vier bis sechs gut sichtbare Stationskarten, eine Lösungsskizze und Fotos für die Tischvariante. Ein Lineal braucht ihr nur für den Maßstab. Eine Kompassnadel ist optional, wenn ihr Himmelsrichtungen einführen wollt.
Die Skizze zeigt den Startpunkt, die freigegebenen Wege und die Grenzen der Fläche. Zeichnet nichts ein, was nicht begehbar ist. Wählt zwei oder drei feste Merkmale im sicheren Bereich, zum Beispiel Eingang, Zaun und Baum. Kopiert ihr eine fremde Karte, beachtet die Nutzungsrechte. Eine Navigations-App auf dem Handy braucht niemand.
Tischvorlage mit Lösung
Zeichnet ein Raster mit den Spalten A bis C und den Zeilen 1 bis 3. Die Zeilen werden von oben nach unten gezählt. Jedes Feld misst 2 cm mal 2 cm. Oben auf dem Blatt kommt ein Pfeil mit der Beschriftung „Norden". Die Orte sind erfunden.
Legende mit fünf Zeichen: Rechteck = Gebäude, Strich = Weg, Quadrat = Eingang, Dreieck = Baum, Kreis = Sammelpunkt.
| Feld | Einzeichnen | Aufgabe und Lösung |
|---|---|---|
| A3 | Eingang und Startpunkt | „Wo beginnen wir?" A3 |
| A3 bis B3 | Weg zwischen den Feldern | „Wie kommt man vom Start zum Sammelpunkt?" Ein Feld nach rechts |
| B3 | Sammelpunkt | „Was liegt rechts neben dem Start?" Der Sammelpunkt in B3 |
| B1 | Baum | „Wo steht der Baum im oberen Teil der Karte?" B1 |
| C2 | zweiter Baum | „Ein Kind meldet: Der Gegenstand liegt am Baum. Genügt das?" Nein, es gibt zwei Bäume. Es braucht ein Zusatzmerkmal, zum Beispiel „der Baum rechts neben dem Gebäude" |
| C1 | Gebäude | „Beschreibe den Weg von A3 nach C1." Zwei Felder nach rechts, dann zwei nach oben |
Für die Wegbeschreibung gilt die Regel: erst waagerecht, dann senkrecht, jeweils von Feldmitte zu Feldmitte. Andere verständliche Wege dürfen verglichen werden.
Maßstab 1:100: 1 cm auf dem Blatt entsprechen 1 m in der Wirklichkeit. Die Mitten benachbarter Felder liegen 2 cm auseinander, das sind 2 m. Eine Strecke von 3 cm sind 3 m. Das gilt nur für eine Skizze, die tatsächlich im Maßstab gezeichnet ist. Eine frei gezeichnete Hofkarte taugt nicht zum Messen.
Die Betreuung hat eine beschriftete Lösungsfassung. Die Jugendlichen bekommen die Fassung mit Symbolen und Legende. Für einen Hofparcours zeichnet ihr eine eigene Skizze der Fläche, das erfundene Raster ersetzt keinen Lageplan.
Ablauf
| Zeit | Inhalt |
|---|---|
| 10 min | Einstieg, Grenzen der Fläche, Regeln |
| 15 min | Plan ausrichten, Legende lesen |
| 10 min | Maßstab (optional; bei Unterstützungsbedarf zuerst streichen) |
| 20 min | Ortsvergleich draußen, begleitet |
| 5 min | Pause mit Trinken |
| 10 min | Partnerbeschreibung |
| 5 min | Abschluss |
Das sind 75 Minuten. Für 90 Minuten kommen 15 Minuten Wiederholung derselben Aufgabe dazu.
Sicherheit
Geht die Fläche vorher ab. Fahrzeugwege, Straßen, Baustellen, Gewässer und nicht freigegebene Flächen sind keine Stationen. Die Betreuung begleitet jede Gruppe und kennt alle Ziele. Bei Dämmerung oder Dunkelheit tragen alle Warnwesten, bei Hitze oder Sonne gibt es Trinken und Schatten. Bei Regen oder Gewitter wechselt ihr in die Tischvariante. Ein Erste-Hilfe-Set ist dabei, das Handy der Betreuung ebenfalls. Die DJF beschreibt Aufsicht als laufende Verantwortung im Gruppenbetrieb (DJF: Aufsichtspflicht). Eine selbstständige Suche im unbekannten Gelände mit „Bleibt zusammen" ist keine Lösung.
Aufgaben im Einzelnen
Aufgabe 1: Karte ausrichten
Alle starten am selben Punkt. Die Betreuung zeigt ein bekanntes Merkmal, zum Beispiel den Zaun, und dreht die Skizze so, dass er auf Blatt und in der Umgebung in dieselbe Richtung zeigt. Danach wiederholen die Jugendlichen das an einem zweiten Punkt. Fragt nach der Begründung: „Warum zeigt dieser Weg auf dem Blatt nach links?" Wer das erklären kann, hat mehr verstanden als jemand, der nur Symbole benennt.
Wer weiter will: Zeigt mit dem Kompass, wo Norden ist, und vergleicht mit dem Pfeil auf der Skizze.
Aufgabe 2: Legende nutzen
Die Gruppe ordnet Bilder den fünf Zeichen zu und sucht danach die passenden Orte auf einer Skizze ohne Beschriftung. Ein selbst erfundenes Zeichen erklärt ihr als solches und nicht als allgemeines Kartenzeichen.
Aufgabe 3: Maßstab
Nehmt eine Skizze im Maßstab 1:100. Markiert eine Strecke von 3 cm und lasst die Jugendlichen sagen, wie lang sie in der Wirklichkeit ist (3 m). Verstehen sie das noch nicht, bleibt bei Lage und Richtung.
Außenparcours
| Station | Aufgabe | Worauf die Betreuung achtet |
|---|---|---|
| Start | Skizze ausrichten | Ein Merkmal dient als Bezug |
| A | Sichtbaren Punkt markieren | Punkt und Karte passen zusammen |
| B | Weg vom Start beschreiben | Reihenfolge und Richtungswechsel klar |
| C | Zwei ähnliche Orte unterscheiden | Zusatzmerkmal wird genannt |
| Ende | Eigenen Hinweis formulieren | Andere können den Ort finden |
Den ersten Weg geht ihr gemeinsam. Danach übernehmen Jugendliche die Orientierung, die Betreuung geht mit. Gelöst ist die Aufgabe, wenn der Weg nachvollziehbar beschrieben ist, nicht wenn die Gruppe am schnellsten ist.
Beispielkarte: „Markiere den Eingang, an dem wir begonnen haben. Beschreibe den Weg zu Station B, ohne die Karte deines Partners anzusehen." Der Partner wiederholt den Weg mit eigenen Worten, beide vergleichen.
Rückfragen üben
Gebt eine unvollständige Beschreibung: „Der Gegenstand liegt am Baum." Auf der Skizze stehen zwei Bäume. Die Jugendlichen fragen nach einem Zusatzmerkmal, und aus „am Baum" wird „am Baum neben dem Eingang". Diese Fähigkeit hilft auch bei der Meldeübung ohne Funkgerät und im Notrufrollenspiel.
Tischvariante und Anpassungen
Bei schlechtem Wetter arbeitet ihr mit Fotos derselben Orte. Die Gruppe ordnet sie dem Plan zu und beschreibt den Weg von Bild zu Bild. Große Symbole, Farbmarkierungen und ein reduzierter Plan erleichtern den Einstieg. Wer nicht gern liest, bekommt den Auftrag mündlich. Eine Aufgabe im Sitzen erfüllt dasselbe Ziel.
Typische Fehler
- GPS, Koordinaten, Kompasspeilung und Hofskizze an einem Abend: Das überfordert.
- Schnitzeljagd ohne Betreuung.
- Eine Station bleibt im Programm, obwohl sie nicht mehr sicher erreichbar ist.
Nachbereitung
Jede Person nennt einen hilfreichen Kartenhinweis. Das Team notiert, welche Begriffe unklar blieben. Für den nächsten Termin wählt ihr genau einen Zusatz: Maßstab, weitere Legendenzeichen oder genauere Ortsangaben.
Checkliste
- Plan mit Grenzen und Legende vorbereitet.
- Fläche abgegangen, Stationen freigegeben.
- Maßstab nur mit maßstäblicher Skizze.
- Warnwesten, Trinken, Erste Hilfe, Innenvariante bereit.
- Lösungsskizze vorhanden.
- Verständnis statt Laufgeschwindigkeit ausgewertet.