Jugendsprecher in der Jugendfeuerwehr wählen: Ablauf und Aufgaben
Jugendsprecher vertreten die Jugendlichen gegenüber Jugendwart und Wehrleitung. Damit das Amt mehr ist als ein Titel, braucht es eine saubere Wahl und einen festen Termin, an dem die Anliegen der Gruppe ankommen. Unten stehen übliche Regeln, ein Modellvorschlag und ein Ablauf für den Wahlabend. Steht in eurer Jugendordnung etwas anderes, gilt eure Jugendordnung.
Was in Jugendordnungen üblich ist
Die Regeln unterscheiden sich von Verband zu Verband. Zwei Beispiele zeigen, wie sie aussehen können:
- Jugendordnung der Jugendfeuerwehr Weinheim: Alle Mitglieder ab 10 Jahren wählen. Auf je zehn Mitglieder wird ein Jugendsprecher gewählt. Stichtag für die Zahl ist der 31.12. des Vorjahres. Gewählt wird geheim, die Amtszeit beträgt drei Jahre. Die Versammlung wird vier Wochen vorher mit Datum und Tagesordnung angekündigt und ist beschlussfähig, wenn mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten da ist (Jugendordnung Weinheim).
- Muster einer Jugendordnung der Kreisjugendfeuerwehr Ludwigsburg: Die Jugendsprecher werden in der Hauptversammlung auf ein, zwei oder drei Jahre gewählt (je nach Festlegung der einzelnen Wehr). Sie sind Mitglied im Ausschuss der Jugendfeuerwehr (Musterordnung, eingliedrig).
Wer keine Ordnung hat, nimmt eine dieser Musterordnungen als Vorlage und lässt sie von Jugendwart, Wehrführung und Gruppe beschließen. Danach habt ihr eine Grundlage.
Vorschlag für ein Standardmodell
Gilt in eurer Wehr noch keine Regel, ist dieses Modell ein praktikabler Start. Es ist ein Vorschlag, keine allgemeine Vorgabe:
| Punkt | Vorschlag |
|---|---|
| Wahlberechtigt | alle Mitglieder der Jugendfeuerwehr ab 10 Jahren |
| Kandidatur | jedes Mitglied der Jugendfeuerwehr, Zustimmung vorher erfragen |
| Zahl | ein Jugendsprecher und eine Vertretung |
| Amtszeit | ein Jahr, Wiederwahl möglich |
| Abstimmung | geheim, mit Stimmzettel |
| Entscheidung | die meisten Stimmen; bei Gleichstand Stichwahl |
| Wahlleitung | ein erwachsenes Mitglied der Wehr, das nicht kandidiert |
Der Dienst in einer Kinderfeuerwehr ist anders. Jüngere Kinder wählen nicht schriftlich wie 14-Jährige. Üblich ist dort eher ein Gruppenrat oder Kinderrat mit wechselnden Aufgaben. Das beschreibt der Artikel zu Gruppenregeln mit Kindern. Hier geht es um die Jugendfeuerwehr.
Aufgaben des Amtes
Jugendsprecher bringen Wünsche und Rückmeldungen der Gruppe in den Ausschuss oder in die Besprechungen mit der Jugendleitung. Die DJF zählt Beteiligung und Jugendforen zu den Bestandteilen der Jugendverbandsarbeit (DJF: Beteiligung).
Das Amt umfasst nicht:
- Aufsicht über andere Jugendliche,
- Einsatz- oder Übungsleitung,
- Streitschlichtung allein (Konflikte übernehmen Erwachsene, siehe Konflikte und Mobbing),
- das Sammeln vertraulicher Gesundheits- oder Kummerinformationen.
Sagt das vor der Wahl, damit niemand das Amt überschätzt oder unterschätzt.
Ablauf des Wahlabends (45 Minuten)
Ladet vier Wochen vorher oder nach eurer Ordnung ein: Datum, Ort und Tagesordnung auf Zettel und Chatgruppe. Die Einladung enthält den Hinweis, wie man sich vorab für eine Kandidatur melden kann.
| Zeit | Inhalt |
|---|---|
| 5 min | Begrüßung, Feststellung der Anwesenden, Beschlussfähigkeit |
| 5 min | Aufgaben des Amts erklären (Jugendwart oder Vorjahres-Sprecher) |
| 5 min | Wahlleitung und zwei Zähler bestimmen |
| 10 min | Kandidierende stellen sich vor: je eine Minute, gleiche Fragen an alle |
| 10 min | Wahl und Auszählung (Stimmzettel, Urne oder Schachtel) |
| 5 min | Ergebnis bekanntgeben, Annahme erfragen |
| 5 min | Nächster Termin und Kontaktweg |
Fragen an alle Kandidierenden: „Was möchtest du in der Besprechung einbringen?" „Wie sammelst du die Meinungen der anderen?" Fragen nach Feuerwehrtechnik oder Beliebtheit gehören nicht dazu.
Stimmzettel: ein Zettel mit allen Namen in alphabetischer Reihenfolge, Platz für ein Kreuz, bei einer Vertretung ein zweiter Wahlgang. Ungültig sind Zettel mit Zusätzen oder mehr Kreuzen als erlaubt. Die Zähler zählen zu zweit, die Wahlleitung protokolliert.
Protokoll
Haltet fest: Datum, Wahlleitung, Zahl der Anwesenden und Wahlberechtigten, Kandidierende, Stimmenzahl je Person, Ergebnis, Annahme der Wahl. Wer wie gewählt hat, steht nicht im Protokoll. Das Protokoll geht an Jugendwart und Wehrführung. Ein Foto der Gewählten für Aushang oder Website braucht eine Einwilligung der Eltern. Die Wahl ersetzt sie nicht.
Erste Besprechung
Verabredet innerhalb von zwei Wochen einen Termin mit der Jugendleitung. Arbeitet mit einem Zettel mit drei Spalten: Anliegen, zuständig, Rückmeldung bis wann.
Beispiel: Die Gruppe wünscht sich mehr Kartenkunde. Der Jugendwart prüft Material und Betreuerzahl und nennt zwei Termine. Die Jugendsprecherin fragt die Gruppe, welcher Termin passt. Beim nächsten Abend wird entschieden und das Ergebnis erklärt. Ideen für den Abend liefert der Kartenparcours. Lehnt die Leitung einen Wunsch ab, erklärt sie den Grund und schlägt, wenn möglich, eine Alternative vor.
Die Jugendsprecher sprechen nicht allein für die Gruppe. Die Mitsprache aller, auch derjenigen, die nicht kandidiert haben, gehört zum Alltag. Dazu passt der Artikel zu Führungsstilen in der Jugendfeuerwehr. Die Handlungsempfehlungen der DJF für mehr Beteiligung betonen, dass Beteiligung tatsächlich stattfinden muss und nicht nur durch ein Gremium als erfüllt gelten darf.
Rückmeldungen ohne Druck
Bietet eine Wunschbox oder Karten an und gebt den Weg zu einer erwachsenen Vertrauensperson an. Beschwerden über Betreuende gehen nicht an die Jugendsprecher, sondern über den Weg, den ihr für den Kinderschutz festgelegt habt.
Typische Fehler
- Wahl ohne anschließenden Termin: Die Gewählten haben keinen Ort für ihre Anliegen.
- Amt mit zu großen Erwartungen: Jugendsprecher sollen nicht den Dienstplan allein entscheiden.
- Nur die Gewählten reden bei Planungen mit.
- Das Ergebnis wird nachträglich „korrigiert", weil es unpassend ist. Fehler klärt ihr nach der Ordnung, zum Beispiel mit Wiederholung der Wahl.
Checkliste
- Jugendordnung gelesen oder Muster beschlossen.
- Einladung mit Frist verschickt.
- Wahlleitung und Zähler benannt.
- Stimmzettel, Urne, Stifte vorbereitet.
- Protokollvorlage bereit.
- Termin für erste Besprechung vereinbart.