Kleiderkammer der Feuerwehr organisieren: Schutzkleidung ausgeben, prüfen, nachhalten
Eine gut geführte Kleiderkammer beantwortet jederzeit drei Fragen: Wer hat welches Stück, in welchem Zustand ist es, und was fehlt? Dafür braucht ihr einen erfassten Bestand, eine festgelegte Soll-Ausstattung und einen Ablauf für Ausgabe, Rückgabe, Pflege und Aussonderung. Dieser Beitrag zeigt, wie ihr das aufbaut, vom ersten Bestandsabgleich bis zur Einkleidung eines neuen Mitglieds.
Wer die Kleiderkammer führt, heißt je nach Wehr Kleiderwart, Gerätewart oder einfach „die Kammer“. Wer zuständig ist und wer beschafft, legen Wehrführung und Träger fest.
Was die Unfallverhütungsvorschrift verlangt
Die Musterfassung der Unfallverhütungsvorschrift „Feuerwehren“, die DGUV Vorschrift 49, enthält mehrere Paragrafen, die die Kleiderkammer direkt betreffen. Verbindlich ist die Fassung eures Unfallversicherungsträgers.
- § 14 Persönliche Schutzausrüstungen: Für Ausbildung, Übung und Einsatz müssen geeignete persönliche Schutzausrüstungen ausgewählt und zur Verfügung gestellt werden. Zur Mindestausstattung gehören Feuerwehrschutzkleidung, Feuerwehrhelm mit Nackenschutz, Feuerwehrschutzhandschuhe und Feuerwehrschutzschuhe. Für besondere Gefahren kommt spezielle Schutzausrüstung in ausreichender Zahl dazu.
- § 11 Prüfungen: Persönliche Schutzausrüstungen werden nach jeder Benutzung einer Sichtprüfung unterzogen und zusätzlich regelmäßig durch befähigte Personen geprüft. Das Ergebnis ist zu dokumentieren. Bei Schäden oder Zweifeln an der Schutzfunktion wird die Ausrüstung der Benutzung entzogen.
- § 15 Absatz 2: Kontaminationen der Feuerwehrangehörigen sind durch geeignete Schutzmaßnahmen zu vermeiden. Das betrifft auch Transport, Reinigung und Lagerung der Einsatzkleidung.
Welche Schutzkleidung für welche Einsatzlage geeignet ist, beschreibt die DGUV Information 205-014 „Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung für Einsätze bei der Feuerwehr“ in der Ausgabe von 2024. Sie hilft bei der Beschaffung. Für die laufende Arbeit der Kammer zählen vor allem Herstellerangaben zu Pflege, Prüfung und Lebensdauer.
Den Bestand erfassen
Erfasst Schutzkleidung einzeln, nicht als Stückzahl. Eine Einsatzjacke bekommt eine eigene Kennung, damit ihr Ausgabe, Waschgänge und Prüfungen diesem Stück zuordnen könnt. Für Verbrauchsartikel wie Einweghandschuhe reicht eine Mengenangabe.
Je Stück haltet ihr fest:
| Angabe | Wozu |
|---|---|
| Inventarnummer | eindeutige Zuordnung, auch auf dem Etikett |
| Kategorie und Hersteller | Pflege- und Prüfvorgaben finden |
| Größe | passende Ausgabe, Tausch |
| Herstellungs- oder Anschaffungsdatum | Lebensdauer nach Herstellerangabe |
| Zustand und Status | verfügbar, ausgegeben, in Reinigung, in Reparatur, ausgesondert |
| Lagerort | Stück im Lager wiederfinden |
Beginnt mit einem Stichtag: Alles, was im Lager liegt, wird gezählt und erfasst. Ausgegebene Stücke erfasst ihr nach und nach, zum Beispiel beim nächsten Übungsabend. Ein Stück ohne Kennzeichnung, dessen Herkunft niemand kennt, geht nicht ungeprüft in die Ausgabe.
Soll-Ausstattung festlegen
Legt fest, welche Ausstattung ein Mitglied in welcher Rolle bekommt. Ein Mitglied der Einsatzabteilung braucht die Mindestausstattung nach § 14, Atemschutzgeräteträger gegebenenfalls zusätzliche Stücke. Für Jugend- und Kinderfeuerwehr gelten eigene Vorgaben eures Landes und Trägers. Kinder und Jugendliche tragen keine Einsatzkleidung der Einsatzabteilung; welche Kleidung sie bekommen, legt ihr nach diesen Vorgaben fest.
Die Soll-Ausstattung ist die Grundlage für den Abgleich: Was müsste ein Mitglied haben, was hat es tatsächlich? Daraus ergibt sich der Bedarf für die nächste Beschaffung. Schreibt die Soll-Ausstattung auf und begründet Abweichungen, damit nicht jede Ausgabe einzeln verhandelt wird.
Einkleidung neuer Mitglieder
Die Einkleidung gehört zu den ersten Terminen eines neuen Mitglieds. Plant sie wie einen Dienst, nicht zwischen Tür und Angel.
- Vorbereiten: Soll-Ausstattung prüfen, vorhandene Größen aus dem Lager heraussuchen, fehlende Größen rechtzeitig bestellen.
- Anprobieren: Jacke, Hose, Stiefel und Handschuhe anprobieren lassen. Bewegungsfreiheit und Überlappung von Jacke und Hose kontrollieren. Größentabellen der Hersteller ersetzen die Anprobe nicht.
- Ausgeben: Jedes Stück mit Inventarnummer der Person zuordnen. Ein Stück hat zu jedem Zeitpunkt höchstens eine Person, an die es ausgegeben ist.
- Quittieren: Die Person bestätigt den Empfang mit Datum und Unterschrift auf einem Leihschein oder Übergabebeleg.
- Unterweisen: Erklären, wie die Kleidung getragen, gepflegt und nach einem Einsatz behandelt wird und wo Schäden gemeldet werden.
- Nachhalten: Fehlende Stücke als offenen Bedarf notieren und nachliefern.
Für den ersten Monat eines neuen Mitglieds gibt der Beitrag zum Quereinstieg einen Plan.
Rückgabe und Tausch
Kleidung wechselt die Person: Jugendliche wachsen, Mitglieder treten aus, Stücke gehen kaputt. Für jeden Fall braucht ihr einen klaren Weg.
- Größenwechsel: Das alte Stück wird zurückgenommen, das neue ausgegeben. Beides gehört in denselben Vorgang, damit kein Stück doppelt zugeordnet ist.
- Austritt: Die ausgegebenen Stücke werden anhand des Leihscheins zurückgenommen. Fehlt etwas, haltet ihr das fest und klärt es nach den Regeln eures Trägers.
- Übertritt aus der Jugendfeuerwehr: Die Jugendkleidung wird zurückgenommen, die Einsatzkleidung ausgegeben. Wie der Übertritt insgesamt abläuft, steht im Beitrag zum Übergang in die Einsatzabteilung.
Zurückgenommene Stücke werden gereinigt und geprüft, bevor sie wieder in die Ausgabe gehen.
Pflege, Prüfung und Aussonderung
Nach jedem Einsatz und jeder Übung wird die Kleidung einer Sichtprüfung unterzogen. Brandverschmutzte Kleidung kommt nach den Hinweisen der DGUV Information 205-035 „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr“ verpackt zurück und wird getrennt von sauberer Kleidung transportiert und gelagert. Wie ihr diese Abläufe im Übungsdienst trainiert, zeigt der Beitrag zur Einsatzhygiene.
Gewaschen wird nach der Pflegeanleitung des Herstellers. Nennt der Hersteller eine Höchstzahl an Wasch- oder Pflegezyklen, zählt ihr sie je Stück mit. Ist die Grenze erreicht, entscheidet die zuständige Person anhand der Herstellerangaben, ob das Stück weiter verwendet werden darf.
Die regelmäßige Prüfung durch eine befähigte Person umfasst je nach Kategorie Sichtkontrolle von Nähten, Reflexstreifen und Verschlüssen, die Funktion von Helmvisier und Nackenschutz oder die Prüfung von Membranen nach Herstellervorgabe. Haltet Prüftag, Ergebnis und prüfende Person fest. Ein Stück mit beschädigter Schutzfunktion wird gesperrt und zur Reparatur gegeben oder ausgesondert. Bei der Aussonderung notiert ihr den Grund und sorgt dafür, dass das Stück nicht versehentlich wieder in die Ausgabe gerät.
Checkliste für die Kleiderkammer
Planungsvorschlag, passt Inhalte und Abstände an eure Vorgaben an:
- Jedes ausgegebene Stück ist einer Person zugeordnet und quittiert
- Offene Bedarfe aus Einkleidungen sind notiert und bestellt
- Verschmutzte Kleidung wird getrennt angenommen und gereinigt
- Wasch- und Prüftermine je Stück sind nachgehalten
- Gesperrte Stücke sind gekennzeichnet und getrennt gelagert
- Ausgesonderte Stücke sind mit Grund dokumentiert
- Rückgaben bei Austritt und Übertritt sind erledigt
- Größen- und Bestandsübersicht für die nächste Beschaffung liegt vor
Datenschutz bei Größen und Ausgabelisten
Größen und Körpermaße sind personenbezogene Daten. Sie gehören in die Kleiderkammer, nicht in eine Liste, die im Gerätehaus aushängt oder an alle verschickt wird. Gebt sie nur den Personen, die einkleiden oder bestellen. Mehr zum Umgang mit Mitgliederdaten steht im Datenschutz-Leitfaden für die Feuerwehr.
Die Kleiderkammer digital führen
Eine Tabelle reicht, solange eine Person sie pflegt und der Bestand überschaubar ist. Mit mehreren Ausgabestellen, Jugend- und Kinderfeuerwehr oder häufigem Tausch wird es unübersichtlich: Wer hat die Jacke in Größe 52 zuletzt gehabt, und wurde sie nach der Rücknahme gewaschen?
In einer Kleiderkammer-Software wie der FWVS wird jedes Stück mit Inventarnummer, Kategorie, Hersteller und Merkmalen wie der Größe geführt; jede Feuerwehr nutzt dabei ihren eigenen Nummernkreis. Ausgabe, Rücknahme und Tausch laufen über einen gemeinsamen Einkleideablauf, und ein Stück ist immer höchstens einer Person zugewiesen. Ein Größenprofil je Mitglied hilft bei der Auswahl passender Stücke. Soll-Ausstattungen lassen sich für Freiwillige Feuerwehr, Jugend- und Kinderfeuerwehr getrennt festlegen; am Mitglied seht ihr Soll und Ist nebeneinander. Den Leihschein mit Inventarnummern, Ausgabedatum und Unterschriftszeile erzeugt die Software als PDF.
Zusätzliche Teilmodule ergänzen Waschzähler mit Hinweis bei Erreichen der eingetragenen Höchstzahl, Inspektionen und Reparaturen, Lagerorte mit Bedarf und Bestellungen sowie QR- und Barcode-Etiketten mit Scan im Browser. Ausgesonderte Stücke bleiben mit Grund und Verlauf erhalten. Kinder der Jugend- und Kinderfeuerwehr bekommen dabei keinen eigenen Zugang; die Kammer verwaltet ihre Ausstattung. Die Kleiderkammer ist in jedem Tarif enthalten.
Die fachliche Beurteilung bleibt bei euch. Ob eine Jacke noch schützt, entscheidet die zuständige Person nach Herstellerangabe und Prüfung, nicht der Zähler. Wie Geräte und andere Ausrüstung geprüft werden, beschreibt der Beitrag zum Gerätewart bei der Feuerwehr.
Häufige Fragen
Welche Schutzkleidung muss eine Feuerwehr mindestens stellen?
Die Musterfassung der DGUV Vorschrift 49 nennt als Mindestausstattung Feuerwehrschutzkleidung, Feuerwehrhelm mit Nackenschutz, Feuerwehrschutzhandschuhe und Feuerwehrschutzschuhe. Für besondere Gefahren kommt spezielle Schutzausrüstung dazu. Verbindlich ist die Fassung eures Unfallversicherungsträgers.
Wie oft muss Schutzkleidung geprüft werden?
Nach jeder Benutzung ist eine Sichtprüfung vorgesehen, zusätzlich eine regelmäßige Prüfung durch befähigte Personen. Den Abstand und den Umfang der regelmäßigen Prüfung entnehmt ihr den Herstellerangaben und den Vorgaben eures Trägers.
Was gehört auf einen Leihschein für Feuerwehrkleidung?
Name des Mitglieds, Datum, jedes ausgegebene Stück mit Inventarnummer und Größe sowie die Bestätigung des Empfangs. Bei Rückgabe oder Tausch wird der Leihschein aktualisiert, damit er immer den tatsächlichen Stand zeigt.
Darf gebrauchte Schutzkleidung neu ausgegeben werden?
Ja, wenn sie gereinigt, geprüft und in ihrer Schutzfunktion nicht beeinträchtigt ist. Herstellerangaben zu Lebensdauer und Pflegezyklen sind dabei zu beachten. Im Zweifel entscheidet eine befähigte Person.