Schulklassenbesuch im Feuerwehrhaus organisieren
Ein Klassenbesuch gelingt, wenn Schule und Feuerwehr vorher klären, was die Kinder lernen sollen, wer die Aufsicht führt und wie der Ablauf sicher bleibt. Ein Rundgang um die Fahrzeuge allein bringt wenig. Kinder behalten mehr, wenn sie wenige Dinge erklärt bekommen, selbst Fragen stellen und etwas ausprobieren, das sie im Alltag brauchen können, zum Beispiel einen Notruf.
Der Plan unten ist für eine Grundschulklasse gedacht und dauert 90 Minuten. Passt ihn an Alter, Gruppengröße, Räume und besondere Bedürfnisse an. Was die Feuerwehr überhaupt tut, erklärt Was ist eine Feuerwehr?.
Vorab mit der Schule klären
Sinnvolle Lernziele sind: eine Gefahr erkennen, sich in Sicherheit bringen und Hilfe rufen. Technikdetails sind für den ersten Besuch weniger wichtig.
Fragen für das Vorgespräch:
- Wie viele Kinder und Begleitpersonen kommen? Die Schule legt fest, wie viele Aufsichtspersonen mitkommen.
- Wer führt die Aufsicht (die Schule) und wer erklärt die Inhalte (die Feuerwehr)?
- Welche sprachlichen, körperlichen oder sensorischen Bedürfnisse gibt es?
- Sind Anreise, Toiletten, Pausen und Rückweg geklärt?
- Was passiert bei einem Alarm, bei Krankheit oder wenn der Besuch abgebrochen wird?
- Dürfen Fotos entstehen, und wer klärt die Einwilligung der Eltern?
Gesundheitliche Angaben gehen nur an Personen, die sie wirklich brauchen. Einen ausführlichen Fragebogen braucht ihr nicht. Zum Datenschutz siehe Datenschutz in der Feuerwehr.
Aufsicht und Versicherung
Die Aufsicht bleibt bei den Lehrkräften und Begleitpersonen der Schule. Die Feuerwehrleute erklären, sie ersetzen die Aufsicht nicht.
Schülerinnen und Schüler sind in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert, wenn sie die Schule besuchen. Das steht in § 2 SGB VII. Das schließt Schulveranstaltungen ein, auch außerhalb des Schulgeländes und auf dem Weg dorthin. Voraussetzung ist, dass die Schule die Veranstaltung verantwortet: Sie beschließt, wann und was stattfindet, und schickt die Lehrkraft mit. Zuständig ist je nach Land die Unfallkasse oder der Gemeindeunfallversicherungsverband. Der Besuch sollte deshalb als Schulveranstaltung angemeldet sein. Fragt die Schulleitung, und fragt bei der Gemeinde nach, ob für die Feuerwehr zusätzlich etwas zu klären ist.
Rundgang vorbereiten
Wählt freigegebene Wege und Räume. Werkstatt, Fahrzeugbewegungen, offene Schächte und belastete Ausrüstung gehören nicht in den Besucherbereich. Legt Material so bereit, dass kein Kind in Schubladen suchen oder schwere Geräte heben muss.
Fahrzeuge werden nur über einen sicheren, betreuten Zugang besichtigt. Kein Kind sitzt allein auf erhöhten Flächen oder bedient Schalter. Löst die Feuerwehr währenddessen Alarm aus, geht die Klasse mit ihrer Lehrkraft an einen vorher festgelegten Platz abseits der Ausfahrt und bleibt dort, bis die Fahrzeuge weg sind.
Material: Bildkarten mit Alltagssituationen, ein großer Ortsplan, ein Spieltelefon ohne Verbindung, ungefährliche Anschauungsstücke, Papier, Stifte und eine große Ablaufkarte. Rauch, Dunkelheit, offenes Feuer, Hitze und Atemschutzmasken gibt es nicht.
90 Minuten mit drei Stationen
| Zeit | Abschnitt | Ziel |
|---|---|---|
| 0 bis 10 Minuten | Begrüßung und Regeln | ankommen, Vertrauen |
| 10 bis 25 Minuten | Was macht die Feuerwehr? | Aufgaben an Bildern verstehen |
| 25 bis 45 Minuten | Das Fahrzeug als Arbeitsplatz | einige Geräte erklärt bekommen |
| 45 bis 55 Minuten | Pause | trinken, Toilette, Fragen |
| 55 bis 75 Minuten | Hilfe rufen | einen Ort verständlich beschreiben |
| 75 bis 85 Minuten | Alltagssituation besprechen | den sicheren nächsten Schritt nennen |
| 85 bis 90 Minuten | Abschluss | Kernsätze wiederholen |
Es gibt keinen Wettbewerb. Kinder dürfen bei einer Frage zuhören, ohne zu antworten.
Station 1: Feuerwehr ist mehr als Löschen
Zeigt drei Bilder: Brand, Verkehrsunfall und umgestürzter Baum. Fragt: Was ist hier gefährlich? Warum braucht man Fachleute? Verzichtet auf Bilder mit Verletzten.
Kinder sollen Gefahren nicht selbst beseitigen. Gute Antworten sind kurz und aktiv:
- „Ich gehe weg vom Feuer und sage einem Erwachsenen Bescheid.“
- „Ich bleibe nicht in verrauchten Räumen. Ich gehe nach draußen.“
- „Wenn niemand da ist, wähle ich die 112 und sage, was passiert ist.“
Die Kinder- und Jugendfeuerwehr könnt ihr kurz erwähnen. Werben müsst ihr an diesem Tag nicht.
Station 2: Das Fahrzeug als Arbeitsplatz
Wählt wenige Gegenstände, die sich gut erklären lassen: Helm, Handschuhe, Schutzjacke und ein ungefährliches Gerät. Erklärt, warum alles seinen festen Platz hat und warum nicht jeder alles benutzen darf. Frage an die Klasse: „Was passiert, wenn etwas nach dem Einsatz am falschen Platz liegt?“ Das macht Ordnung verständlich, ohne dass jemand Technik bedient. Die Geräte bleiben in der Hand der Feuerwehrleute.
Station 3: Hilfe rufen
Nehmt einen erfundenen Fall auf dem Ortsplan. Das Spieltelefon kann keinen echten Notruf auslösen. Ein Kind meldet, ein Erwachsener fragt ruhig nach. Als Gedankenstütze schreibt ihr die fünf W-Fragen an die Tafel. Am echten Notruf führt die Leitstelle das Gespräch, die Kinder müssen die Reihenfolge nicht auswendig können:
- Wo ist es passiert? (Ort, Straße, Hausnummer, Orientierungspunkt)
- Was ist passiert?
- Wie viele Menschen sind verletzt oder in Gefahr?
- Welche Verletzungen oder Gefahren gibt es?
- Warten auf Rückfragen. Nicht auflegen, bevor die Leitstelle es sagt.
Beispiel für ein Kind: „Ich bin am Spielplatz in der Musterstraße, neben der Schule. Ein Junge ist vom Klettergerüst gefallen und kann nicht aufstehen. Ich bin allein bei ihm. Ich warte.“ Es geht nicht um auswendig gelernte Sätze, sondern um einen klaren Ort und das Zuhören auf Rückfragen. Bewertet nicht, wer es perfekt kann. Den Ablauf am echten Notruf beschreibt Notruf 112 richtig absetzen, mit mehr Übungen Notruf-Rollenspiel in der Kinderfeuerwehr.
Verhalten im Brandfall ohne Simulation
Besprecht an einer Zeichnung: Rauch ist gefährlich, ein verrauchter Weg wird nicht betreten. Die fachliche Grundlage liefert die Fachempfehlung von DFV und vfdb zum Verhalten im Brandfall. Knüpft an die Regeln an, die die Kinder aus der Schule kennen.
Der Besuch ist keine Evakuierungsübung. Dafür gibt es eine eigene DFV-Fachempfehlung zu Evakuierungsübungen in Schulen und Kitas. Plant solche Übungen mit der Schule getrennt. Ein Alarm mitten im Besuch überfordert Kinder.
Varianten
Bei Sprachbarrieren helfen große Bilder, kurze Sätze und Wiederholung: erst zeigen, dann benennen. Bei eingeschränkter Mobilität bringt ihr die Erklärung an einen zugänglichen Platz, statt den Fahrzeugaufstieg zur Pflicht zu machen. Ältere Klassen können klären: Wer nimmt den Notruf an? Wer entscheidet, welche Fahrzeuge kommen? Warum ist die Ortsangabe so wichtig?
Abschluss und Nachbereitung
Jedes Kind darf freiwillig sagen, was es gelernt hat. Die Lehrkraft kann im Unterricht eine Alltagssituation aufgreifen. Die Feuerwehr notiert, was verstanden wurde, wo die Zeit knapp war und ob die Wege gepasst haben. Ein kurzes Infoblatt für Eltern kann das Thema nach Hause tragen.
Größere öffentliche Veranstaltungen sind etwas anderes. Zu Aufsicht und Versicherung dort lest ihr Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr planen.