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Kinderfeuerwehr01. Oktober 2026Aktualisiert: 02. Oktober 2026FWVS Redaktion5 Min. Lesezeit

Notruf mit Kindern üben: Rollenspiel ohne echten Anruf

Papptelefon, Ortskarten und eine Leitstellenrolle: eine Kinderfeuerwehr-Stunde zum Hilfeholen, Orte beschreiben und Warten auf Rückfragen.

Notruf mit Kindern üben: Rollenspiel ohne echten Anruf

Kinder sollen beim Notruf drei Dinge können: den Ort sagen, kurz schildern, was passiert ist, und am Telefon bleiben, bis die Leitstelle das Gespräch beendet. Eine feste Reihenfolge müssen sie nicht auswendig lernen. Ihr übt mit einem Papptelefon, das nirgends angeschlossen ist. Eine erwachsene Person spielt die Leitstelle.

Was die Stunde leisten kann

Die DFV/vfdb-Fachempfehlung „Der Notruf in der Brandschutzerziehung und -aufklärung“ (2017) gewichtet die klassischen W-Fragen neu. Am wichtigsten ist das „Wo“, und zwar der Ort des Notfalls, nicht die eigene Wohnung. Danach folgen „Was ist passiert?“ und „Warten“. Auswendiglernen der W-Fragen halten die Autoren nicht mehr für nötig. Wichtiger ist häufiges Üben, auch mit Eltern und im Alltag. Ein einzelner Gruppenabend reicht deshalb nicht. Wiederholt die Übung mit wechselnden Situationen.

Die 112 gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst, so steht es im BBK-Ratgeber im Abschnitt „Wichtige Rufnummern“. Für Hilfe bei Straftaten gibt es die 110 der Polizei. Sagt den Kindern, dass beide Nummern kostenlos sind und dass man nicht „zum Spaß“ anruft.

Gewählt wird im Rollenspiel nie die echte Nummer. Ein Handy ohne SIM-Karte ist als Attrappe ungeeignet, weil damit trotzdem Notrufe möglich sind. Nehmt ein Papptelefon oder ein Spielzeugtelefon ohne Verbindung.

Material

  • drei Ortskarten: ein Haus mit gut lesbarer, erfundener Adresse, ein bekannter öffentlicher Platz (Spielplatz, Bushaltestelle), ein Foto eures Gerätehauses mit der Adresse darunter
  • Situationskarten mit einfachen Bildern: „Eine Person ist hingefallen und steht nicht auf“, „Ich sehe Feuer, bin aber schon draußen“
  • ein Papptelefon, Papier und Stifte für das Hilfeposter

Zeigt keine drastischen Verletzungsbilder. Echte Wohnadressen üben die Kinder zu Hause mit den Eltern. Hängt keine Adressliste der Gruppe auf.

Ablauf: 60 Minuten

ZeitInhalt
0–10Gespräch: Woher bekommen wir Hilfe?
10–20Betreuende spielen ein ruhiges Beispiel vor
20–35Kinder spielen in kleinen, betreuten Runden
35–40Pause und Bewegung
40–50Zweite Situation mit Rückfragen
50–60Hilfeposter und Abschluss

Nicht jedes Kind muss alle drei Karten spielen. Oft füllt die erste Runde den ganzen Hauptteil. Mehr zum Übergang zwischen den Teilen steht in der Gruppenstundenplanung.

Das Gespräch einmal vormachen

Eine Betreuerin hält die Ortskarte und sagt: „Ich brauche Hilfe. Ich bin in der Beispielstraße 4.“ Die zweite Betreuerin antwortet ruhig: „Was ist passiert?“ Es folgen Fragen, die zur Karte passen. Die Anruferin beschreibt nur, was auf der Karte zu sehen ist, und darf sagen: „Das weiß ich nicht.“ Am Ende fragt die Leitstelle noch: „Wie heißt du? Bleib bitte am Telefon.“ Die Anruferin bleibt dran, bis die Leitstelle sagt, dass das Gespräch zu Ende ist.

Besprecht danach mit den Kindern: Was wollte die Leitstelle zuerst wissen? Welche Frage war unklar? Warum legt man nicht sofort auf? Weil die Leitstelle noch Fragen hat und weil sie sonst nicht weiß, ob und wo geholfen werden soll. Die Leitstelle stellt Fragen und leitet an. Kinder müssen sich keine Diagnose ausdenken.

Runde 1: Gemeinsam statt allein

Das Kind zieht eine Karte. Fragt, ob es allein, mit einem anderen Kind oder gemeinsam mit einer Betreuungsperson sprechen möchte. Gebt kurz Zeit zum Anschauen. Dann beginnt das Gespräch, ohne Countdown.

Die Leitstelle fragt nach Ort und Geschehen. Sprachfehler korrigiert sie nicht, und sie hakt keine Punkteliste ab. Stockt das Kind, zeigt sie auf die Bildkarte oder fragt einfacher: „Siehst du ein Haus? Was für eine Straße ist davor?“ Lobt nach dem Gespräch etwas Konkretes: „Du hast klar gesagt, wo du bist.“

Runde 2: Wenn man etwas nicht weiß

Nehmt einen Ort ohne vollständige Adresse. Das Kind nennt, was es sieht: „Neben der Schule, mit einem roten Spielplatz.“ Es darf auch sagen: „Ich weiß die Straße nicht.“ Die Leitstelle fragt dann weiter. Eine fehlende Angabe ist kein Grund aufzugeben.

Bei Kindern, die wenig sprechen, helfen Bilder und kurze Sätze. Ältere Kinder können eine Rückfrage üben wie „Stehst du an einem sicheren Platz?“. Gefahrenbereiche betritt in keiner Übung jemand.

Situationen sicher erzählen

Kinder gehen nicht zurück in ein Gebäude und suchen keine Vermissten. Jede Brandkarte beginnt damit, dass das Kind bereits draußen steht. Mutproben, dunkle Räume, Rauch und überraschende Alarmtöne braucht ihr nicht.

Erzählt ein Kind von einem eigenen belastenden Erlebnis, beendet ihr die Runde und bietet ihm ein ruhiges Gespräch mit einer vertrauten Betreuungsperson an. Der Gruppenabend ist keine Therapie. Bei Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung geht ihr vor, wie es im Abschnitt „Wann der Ablauf nicht genügt“ in Streit in der Kinderfeuerwehr steht.

Das Hilfeposter

Jedes Kind malt ein Telefon, eine Helferin oder einen Helfer und einen sicheren Platz. Auf das gemeinsame Gruppenposter kommt die 112, aber keine Kontaktliste. Gebt den Familien eine kleine Aufgabe mit: Wohnadresse zu Hause üben und besprechen, welche erwachsene Person im Alltag erreichbar ist. Daraus soll keine Prüfung werden.

Rückmeldung ohne falsches Zertifikat

Ein selbst gemalter „Notruf-Ausweis“ ist ein nettes Andenken, aber kein Kompetenznachweis. Schreibt „Wir haben Hilfeholen geübt“ darauf, nicht „Kann jeden Notruf absetzen“.

Notiert, welche Frage noch schwerfiel, und übt genau die in der nächsten Stunde mit einer neuen Karte. Für Jugendliche gibt es eine eigene Variante: Notruf üben in der Jugendfeuerwehr. Wie Erwachsene den Notruf absetzen, steht in Notruf 112 richtig absetzen. Weitere Ideen findet ihr in der Brandschutzerziehung für Kinder, und wie ihr die Familien einbindet, erklärt die Elternkommunikation.

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Aus der Theorie in die Praxis

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