Starkregen-Tischübung Feuerwehr: Meldungen priorisieren
Bei Starkregen gehen viele Notrufe gleichzeitig ein, und es sind zu wenige Fahrzeuge da. Diese Tischübung für die Ausbildungsleitung trainiert, Meldungen zu sortieren, Rückfragen zu stellen und Entscheidungen nachvollziehbar festzuhalten. Sie läuft im Schulungsraum: ohne Wasser, ohne Pumpen, ohne Fahrt durch überflutete Straßen. Plant 100 Minuten ein. Szenario, Meldungskarten, Musterlösung und Auswertung findet ihr unten komplett.
Das BBK beschreibt Starkregen als besondere Herausforderung für den Bevölkerungsschutz: Die Anfangslage ist unübersichtlich, Prioritäten müssen gesetzt werden, und Einsatzstellen oder das Feuerwehrhaus sind womöglich schlecht erreichbar. Genau das übt das folgende, frei erfundene Szenario.
Übungsziel
Die Gruppe soll Meldungen ordnen, offene Fragen benennen und einen Bearbeitungsstand führen, den jeder andere lesen kann. Entscheidungen sollen sich auf das stützen, was zu diesem Zeitpunkt bekannt ist. Sechs Meldungen und zwei Einheiten reichen für den ersten Durchgang.
Material und Rollen
Ihr braucht:
- eine Karte (Flipchart oder Ausdruck) mit Hauptstraße, Mühlenweg, Feuerwehrhaus, Schule, Pflegeeinrichtung und einer Senke am Ortsrand,
- sechs Meldungskarten A bis F,
- zwei Einheitskarten,
- eine Tafel für den Bearbeitungsstand (Spalten: Karte, Ort, Stand, Maßnahme, nächste Rückmeldung),
- das Leitungsblatt (siehe unten).
Rollen: Eine Person leitet die Übung und spielt Anrufer, Leitstelle und Pflegeeinrichtung. Die Teilnehmenden übernehmen Einsatzleitung, Lagekarte und Dokumentation. Eine weitere Person beobachtet und schreibt mit, wer wann welche Entscheidung auf welcher Informationsgrundlage getroffen hat. Es werden keine echten Anrufe getätigt.
Ausgangslage
Seit einer Stunde regnet es stark. Die Meldungen gehen nacheinander ein. Zur Verfügung stehen zwei Einheiten. Weitere Kräfte kann die Gruppe über die Leitstelle nachfordern, die die Leitung spielt.
Eine Einheit ist in dieser Übung ein Löschfahrzeug mit einer Staffel (sechs Einsatzkräfte). Sie bearbeitet immer nur einen Auftrag zur selben Zeit und hat Handfunk. Beide Einheiten stehen am Feuerwehrhaus.
- Einheit 1 hat eine Tauchpumpe und einen Stromerzeuger.
- Einheit 2 hat Brechwerkzeug und Beleuchtung.
Wasserrettung gehört nicht zur Ausstattung. Wer etwas anderes braucht, muss es nachfordern.
Die sechs Meldungskarten
| Karte | Meldung |
|---|---|
| A | Anwohner meldet Wasser im Keller. Er hat die Sicherung nicht angefasst, ob Strom anliegt, weiß er nicht. |
| B | Eine Frau meldet, ihr Vater sei im Kellerraum hinter einer verschlossenen Tür. Das Wasser steige. |
| C | Die Pflegeeinrichtung meldet Wasser im Technikraum im Keller. Heizung und Aufzug könnten ausfallen. |
| D | Die Hauptstraße hinter der Schule ist überflutet. Fahrzeuge wenden. |
| E | Einheit 2 meldet einen technischen Ausfall und kann nicht ausrücken. |
| F | Ein Bürger bietet am Feuerwehrhaus eine eigene Pumpe und seine Hilfe an. |
Leitungsblatt: vorbereitete Antworten
Diese Angaben kennt nur die Leitung. Sie gibt sie nur auf passende Rückfragen heraus und ändert sie nicht.
- A: Alle Bewohner sind aus dem Keller. Der Strom ist nicht geprüft, das Gebäude ist daher nicht als sicher freigegeben.
- B: Der Vater antwortet durch die Tür. Er ist ansprechbar. Das Wasser steht nach Aussage der Tochter knietief und steigt. Die Tür öffnet nach innen.
- C: 20 Zentimeter Wasser im Technikraum. Der Hausmeister ist da. Das Notstromaggregat läuft noch. 24 Bewohner, niemand in akuter Gefahr. Die Einrichtung möchte in 30 Minuten zurückgerufen werden.
- D: Die Hauptstraße bleibt gesperrt. Der Mühlenweg ist frei. Er verlängert die Anfahrt zur Pflegeeinrichtung um etwa acht Minuten. Die Leitung nennt das nur, wenn die Gruppe nach einer Ausweichstrecke fragt.
- E: Einheit 2 fällt aus, bevor sie einen Auftrag abgeschlossen hat. Die Aufgabe muss neu verteilt werden.
- F: Der Helfer ist ohne Ausbildung. Gerät und Zustand der Pumpe sind unbekannt. Auf Nachfrage nennt die Leitung eine Koordinierungsstelle der Gemeinde für Spontanhelfer.
Karte C betrifft die Versorgung der Einrichtung, Karte D die Erreichbarkeit. Beide ändern die Planung unterschiedlich: C verlangt Rückfragen, D verlangt eine neue Anfahrt.
Erfindet keine Niederschlagswerte, die einen bestimmten Einsatz erzwingen. Wollt ihr reale Warnstufen verwenden, nehmt ihre aktuelle amtliche Definition und kennzeichnet sie als Übungsannahme.
Ablauf in 100 Minuten
0 bis 15 Minuten: Einführung
Ziel, Rollen und Karte erklären. Zeigen, wie die Tafel geführt wird. Festlegen: Entschieden wird nur mit dem, was bekannt ist.
15 bis 35 Minuten: Erste Meldungswelle
Karten A, B und D ausgeben. Die Gruppe ordnet, fragt nach, trägt ein, was noch unklar ist, und legt fest, welche Einheit wohin fährt.
35 bis 55 Minuten: Lageänderung
Karten C und E ausgeben. Die Leitung antwortet nur auf Fragen, für die es vorbereitete Antworten gibt. Jede neue Zuordnung einer Einheit wird auf der Karte sichtbar gemacht.
55 bis 70 Minuten: Unterstützung und Ablösung
Karte F ausgeben. Dazu zwei Fragen: Wer löst die Einheiten nach einigen Stunden ab? Wie wird übergeben? Die Gruppe schreibt eine Übergabe, die jemand ohne Vorkenntnis versteht.
70 bis 100 Minuten: Auswertung
Ein kritischer Moment wird noch einmal gespielt, mit besserer Dokumentation oder geänderter Karte. Gesprächsaufbau: Übungsnachbesprechung.
Musterlösung und Bewertungshilfe
Die folgende Reihenfolge ist ein Vorschlag. Andere Entscheidungen sind in Ordnung, wenn die Gruppe sie begründet. Als Maßstab dient: Menschenrettung geht vor Sachschaden, Eigensicherung vor jedem Zugriff.
Mögliche Rangfolge:
- B zuerst. Ein Mensch ist eingeschlossen, das Wasser steigt. Einheit 1 fährt hin, möglichst nach Rückfrage zum Strom im Keller. Offene Fragen: Ist der Keller stromfrei? Ist ein sicherer Zugang möglich? Braucht es zusätzliche Kräfte?
- A danach. Keine Person ist in Gefahr, aber der Stromstatus ist ungeklärt. Die Gruppe weist den Anrufer an, den Keller nicht zu betreten. Eine Einheit rückt erst an, wenn B versorgt ist oder weitere Kräfte da sind.
- C als Rückfrage. Die Einrichtung läuft noch auf Notstrom. Die Gruppe vereinbart einen Rückruf in 30 Minuten und hält fest, was passiert, wenn das Aggregat ausfällt.
- D in die Karte eintragen. Anfahrt über Mühlenweg, acht Minuten mehr. Alle Einheiten und die Leitstelle erfahren das.
- E neu planen. Welche Aufgabe liegt bei Einheit 2? Wer übernimmt sie? Was ist nachzufordern?
- F nicht freigeben. Die Gruppe verweist den Helfer an die Koordinierungsstelle. Eine Pumpe unbekannter Herkunft gehört nicht in die Einsatzlage.
Das sollte die Auswertung zeigen:
- Eine unmittelbare Gefahr für Menschen wurde erkannt und zuerst bearbeitet.
- Ein unbekannter Stromstatus gilt nicht als geklärt, nur weil eine Einheit zugeteilt wurde.
- Es wurde Verstärkung angefordert, bevor die Einheiten überlastet waren.
- Die Gruppe hat der Pflegeeinrichtung einen verlässlichen Rückmeldeweg genannt.
- Auf der Tafel steht zu jeder Karte, was erledigt ist und was offen bleibt.
Typische Fehler: Eine Einheit wird zwei Aufträge gleichzeitig zugeteilt. „Erledigt“ steht an der Karte, obwohl die Gefahr noch besteht. Die Sperrung auf Karte D erreicht die Karte nicht.
Sicherheit
Das BBK nennt bei Hochwasser unter anderem gefährdete Räume, überflutete Straßen und elektrische Risiken. Die Tischübung leitet daraus Fragen für die Lagebeurteilung ab. Sie ist keine Anleitung, Keller zu betreten, Stromanlagen zu bedienen oder in fließendes Wasser zu gehen. Für Pumpen, Wasserrettung oder elektrische Gefahren braucht ihr jeweils die passende Ausbildung.
Dokumentation
Eine brauchbare Meldungsliste enthält Nummer, Eingangszeit, Ort, Inhalt, Informationsstand, zuständige Einheit und nächste Rückmeldung. Mehr zur digitalen Einsatzdokumentation steht in Einsatzdokumentation digital. Eine Übung mit nur einer Lage und engem Führungsauftrag beschreibt Planspiel vorbereiten. Hier geht es um viele Meldungen auf einmal.
Varianten
Anfänger spielen mit weniger Karten. Erfahrene Gruppen planen eine mehrstündige Lage mit Verpflegung, Ablösung und Nachbarwehren. Macht es schwerer, indem ihr Informationen zurückhaltet, nicht indem ihr widersprüchliche Meldungen einspielt.
Zum Abschluss legt ihr fest, welche Meldewege oder Karten noch fehlen und wer sie prüft. Wenn die Zusammenarbeit mit einer Nachbarwehr offen geblieben ist, hilft eine gemeinsame Übung mit der Nachbarwehr. Einen Folgetermin legt ihr im Dienstplan fest.